Heftige Diskussionen: Das Autokino auf dem Messplatz sehen manche Lichtspielhaus-Betreiber kritisch. Sie werben lieber für das Angebot des Ettlinger Kulisse-Kinos.
Heftige Diskussionen: Das Autokino auf dem Messplatz sehen manche Lichtspielhaus-Betreiber kritisch. Sie werben lieber für das Angebot des Ettlinger Kulisse-Kinos. | Foto: jodo

Kritik an Platzvergabe

Karlsruher Kino-Betreiber werben für Ettlinger Autokino

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Aufmerksamen Besuchern des Ettlinger Autokinos auf dem dortigen Dickhäuterplatz ist der Schriftzug im Vorspann zum Filmspaß nicht entgangen: „Mit freundlicher Unterstützung von Universum City Kinos und Schauburg Filmtheater“ heißt es dort vor jeder Vorstellung. Tatsächlich? Zwei konkurrierende Karlsruher Lichtspielhäuser machen sich stark für einen weiteren Wettbewerber – das Ettlinger Kino Kulisse, welches das dortige Autokino trägt?

„Man kennt sich und man unterstützt sich“, bestätigt Schauburg-Chef Herbert Born. Damit seien die arrivierten Betreiber stationärer Kinos seit Jahren gut gefahren. Natürlich habe man es mit Mitbewerbern zu tun, „aber es sind eben auch Kollegen.“ Das freundliche Einvernehmen hat ihm zufolge Tradition: Wenn dem einen – außerhalb der Corona-Zeit – an einem besucherstarken Wochenende mal das Popcorn ausgeht, wendet er sich kurzfristig an den anderen. Und der hilft dann aus.

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Gegenseitige Werbung – Autokino Karlsruhe geht jedoch leer aus

Jetzt helfen sich Schauburg, Universum und die Ettlinger Kulisse eben mit gegenseitiger Werbung aus. Das bestätigt auch Axel Rößler von den Universum City Kinos. Auf den Facebook-Seiten der beiden Karlsruher Lichtspielhäuser taucht das Ettlinger Autokino als Empfehlung auf – nicht hingegen das Autokino, das auf dem Karlsruher Messplatz stattfindet.

Anders als das Ettlinger Freilichtkino wird die deutlich größere Karlsruher Variante nicht als Ableger eines stationären Lichtspieltheaters veranstaltet. Stattdessen steht – wie mehrfach berichtet – das Team des Kammertheaters dahinter. Man fühle sich seinen langjährigen Kollegen eben näher als branchenfremden Kinoveranstaltern, erklärt Axel Rößler.

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Kammertheater-Chef Gnann gibt sich guter Dinge

Man könnte das als Backpfeife für Kammertheater-Chef Bernd Gnann verstehen. Dieser gibt sich jedoch guter Dinge. „Ich finde es gut, wenn sich die Kinobetreiber zusammentun“, sagt er. Ohnehin wolle er mit ihnen nicht konkurrieren. Sobald wie möglich will Gnann Theater- und andere künstlerische Produktionen auf die Leinwand bringen. Mit dem Sandkorntheater oder auch der Seán-Treacy-Band sei er im Gespräch.

Kritik an der Art der Vergabe des Messplatzes in Karlsruhe

„Konkurrenz gehört dazu“, kommentiert „Kulisse“-Betreiber Marcus Neumann. Gegen das Kammertheater und dessen Geschäftsführer Bernd Gnann hat Neumann auch überhaupt nichts einzuwenden. Hinterfragt werden müsse allerdings die Art, wie die Stadt den Messplatz vergeben habe.

Der Kino-Mann lenkt den Blick auf Pforzheim. Die dortige Verwaltungsspitze habe die beiden am Autokino-Betrieb interessierten ortsansässigen Kinobetreiber an einen Tisch geholt und mit ihnen die Bedingungen für ein gemeinsames Autokino besprochen. Das sei ein positives Beispiel für den Ausgleich von Interessen.

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Schauburg habe kein Interesse an Zusammenarbeit gezeigt

Bernd Gnann tritt unterdessen dem Eindruck entgegen, er habe sich den Messplatz per Ellbogen-Einsatz unter den Nagel gerissen. Vor Beginn des Autokino-Projekts habe er Kontakt etwa zur Schauburg gesucht. Man hätte gemeinsam etwas bewegen können, sagt er. Die Gegenseite habe aber kein Interesse gehabt.