Dunkle Wolken über dem Ettlinger Standort: Der Maschinenbauer Klingelnberg in Ettlingen-Oberweier verlegt seine Produktion und Entwicklung nach Nordrhein-Westfalen.
Dunkle Wolken über dem Ettlinger Standort: Der Maschinenbauer Klingelnberg in Ettlingen-Oberweier verlegt seine Produktion und Entwicklung nach Nordrhein-Westfalen. | Foto: Werner Bentz

Niederlage für Beschäftigte

Klingelnberg baut in Ettlingen 155 Arbeitsplätze ab

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Nun ist es offiziell: Nach 2012 – damals verloren 160 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz – wird der Oberweierer Standort des Maschinenbauers Klingelnberg nochmals kräftig zur Ader gelassen. Die Produktion und Entwicklung am Ettlinger Standort wird nach Nordrhein-Westfalen verlagert.

Bis zuletzt, so Martin Obst, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, und Arthur Garcia, Betriebsratsvorsitzender, habe man versucht, Produktion und Entwicklung in Ettlingen zu halten. Vergeblich: Am Freitagmorgen hatten die Geschäftsführung des Maschinenbauunternehmens, das unter anderem Maschinen zur Bearbeitung von Kegel- und Stirnrädern herstellt, die Mitarbeiter in Oberweier zu einer Informationsversammlung eingeladen.

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28 Beschäftigte wird Anschlussbeschäftigung angeboten

Unter Pfiffen und Unmutsäußerungen verkündeten CEO Martin Boelter und der Finanzvorstand Christoph Küster, dass 155 Arbeitsplätze am hiesigen Standort beginnend mit Kündigungen ab Ende März im Laufe der kommenden Monate wegfallen werden. 28 Beschäftigten will man ein Angebot unterbreiten, am Hauptsitz des Unternehmens in Hückeswagen bei Remscheid eine Anschlussbeschäftigung aufzunehmen.

Qualifizierte Facharbeiter besonders betroffen

Besonders betroffen von dem Beschluss der Firmenleitung sind, so Arthur Garcia, hoch qualifizierte Facharbeiter des Unternehmens. Es handele sich um Industriemechaniker und Energieelektroniker. Dazu kämen noch in der Lagerlogistik und Qualitätssicherung tätige Beschäftigte.

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Gewerkschaftler fürchtet Verlust von Know-how

Martin Obst bedauere, dass trotz eines qualifizierten, vom Gesamtbetriebsrat des insgesamt rund 1.500 Mitarbeiter zählenden Unternehmens vorgelegten, wirtschaftlichen Gutachtens die Geschäftsleitung nicht davon überzeugt worden sei, zumindest eine Kernkompetenz in der Produktion von Bearbeitungsmaschinen für Stirnräder in Ettlingen zu belassen. Diese finden beispielsweise bei der Herstellung von Windkraftanlagen Anwendung.

Das Bild täuscht: Martin Obst, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, und Artur Garcia, Betriebsratsvorsitzender von Klingelnberg, überbrachten keine guten Nachrichten.
Das Bild täuscht: Martin Obst, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, und Arthur Garcia, Betriebsratsvorsitzender von Klingelnberg, überbrachten keine guten Nachrichten. | Foto: Weis

Obst befürchtet, dass dem Unternehmen bei der geplanten Verlagerung nach Hückeswagen viel Know-how verloren gehe. Die Zentralisierung der mechanischen und der Elektrokonstruktion werde nicht erfolgreich sein, weil vermutlich viele der betroffenen Ingenieure nicht bereit seien, ihren Lebensmittelpunkt im Raum Karlsruhe aufzugeben.

Negative Ergebnisse im Stirnradbereich

Die Firmenleitung stellt dem entgegen, dass die Klingelnberg GmbH bis
zu einem fiktiven Jahresabschluss von April 2019 bis 31. März 2020 Verluste im zweistelligen Millionenbereich einfahren werde. Behauptet wird, dass im Stirnradbereich negative Ergebnisse erzielt würden. Stark zu schaffen mache dem Unternehmen Klingelnberg die Veränderung hin in Richtung E-Mobilität. Aufträge im Geschäftsbereich Kegelrad und Präzisionsmesszentren gingen zurück.

100 Arbeitsplätze bleiben in Ettlingen bestehen

Nach dem Wegfall von 155 Arbeitsplätzen werden am Standort Ettlingen noch 100 Arbeitsplätze bleiben. Das Unternehmen will die bestehenden Kompetenzen in den Bereichen Softwareentwicklung, Service, Anwendungstechnik und Vertrieb „sichern“.

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Die Gesamtbetriebsvereinbarung „Restrukturierung der Klingelnberg GmbH, Standorte Hückeswagen und Oberweier“ unterzeichneten die Geschäftsführer Martin Boelter und Christoph Küster sowie Gesamtbetriebsratsvorsitzender Rolf Fischer am 27. Februar in Hückeswagen in Anwesenheit von Martin Obst und Arthur Garcia.

Wir sind uns einig, dass
wir nicht einig sind.

Martin Obst (IG Metall) und Arthur Garcia (Betriebsratsvorsitzender)

Der Haupttenor, so die beiden Letztgenannten: „Wir sind uns einig, dass wir nicht einig sind.“ Der Abschluss eines Interessenausgleichs sei gescheitert. Martin Obst und Arthur Garcia wollen die Belegschaft am Montag in einer Betriebsversammlung in Oberweier über ihre monatelangen Versuche informieren, Produktion und Entwicklung in Ettlingen zu halten. Zudem wollen sie darlegen, wie es mit dem Sozialplan weitergehen könnte.