Attila Horvat hat die Ettlinger Volkshochschule in Corona-Zeiten übernommen. Er bereitet das neue, andere Semester vor. | Foto: hei

Küche bleibt kalt

Volkshochschule Ettlingen: Weder Backen noch Kochen in der Corona-Krise

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Reset – Neustart heißt es für die Volkshochschule (VHS) Ettlingen am 28. September. Dann will die Bildungseinrichtung in der Pforzheimer Straße mit dem zweiten Semester beginnen. Bis dahin ist Corona bedingt Pause, auch die Sommer-VHS muss entfallen.

Unterricht findet schon seit dem verordneten Lockdown im März nicht mehr statt. Attila Horvat, der die Leitung der VHS ausgerechnet im Corona-Frühjahr von Karin Herder-Gysser übernommen hat, erinnert sich daran, dass „wir zunächst optimistisch waren, nach Ostern weitermachen zu können, dann dachten wir an Pfingsten und dann mussten wir uns damit abfinden, dass das Semester gelaufen ist“.

Ausweichquartier für andere Beschäftigte der Stadt

Das soll jetzt – in etwas reduziertem Umfang – im Herbst/Winter nachgeholt werden. Seine neuen Ideen, die Horvat da eigentlich schon umsetzen wollte, hat er bis 2021 auf Eis gelegt. Nur so viel vorab: Nachhaltigkeit soll bei der Volkshochschule  ein großes Thema werden. Während der Corona-Monate haben in den Räumen der Bildungsstätte diverse Mitarbeiter von Finanzverwaltung, Stadtbauamt, Gebäudewirtschaft oder auch Ordnungsamt ihren Schreibtisch stehen; bis Mitte Juni sollen sie in ihre angestammten Büros zurückkehren.

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300 Kurse und Veranstaltungen  sind ausgefallen

300 Kurse und Einzelveranstaltungen konnten bei der Volkshochschule  nicht wie geplant „durchgezogen“ werden; die Corona-Einnahmeverluste beziffert Horvat auf bereinigt 80.000 Euro. Nicht nur, dass Kursgebühren zurückerstattet oder gar nicht mehr erhoben wurden, auch die Landesförderung brach weg, die nur für stattgefundene Unterrichtseinheiten fließt. Minderausgaben hatte die VHS, weil sie nach Semester-Abbruch die Dozenten nicht mehr bezahlen musste.

Für einige unserer Lehrer war das hart

Attila Horvat, VHS-Leiter 

„Für einige unserer treuen Lehrer war das hart, besonders für die, die von den Honoraren leben.“ Für das vorzeitige Semester-Aus haben Attila Horvat zufolge „vor allem unsere älteren treuen Stammkunden Verständnis gezeigt“, die auch bereit gewesen seien, eine Gutschrift zu nehmen. Die Volkshochschule Ettlingen erreicht einen Kostendeckungsgrad von 53 Prozent; die Stadt zahlt Zuschüsse in Höhe von 330.000 Euro im Jahr.

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Weder Back- noch Kochkurse im Angebot

Im neuen Semester, dessen Starttermin sich an einer Empfehlung des deutschen Volkshochschulverbandes orientiert, wird einiges anders sein als vor der Krise. So gibt es beispielsweise weder Back- noch Kochkurse („obwohl die sehr beliebt sind“), weil in den Schulküchen nicht der erforderliche Abstand eingehalten werden kann.

Ein Kurs, den bislang zwölf Teilnehmer besuchen konnten, dürfen jetzt nur noch sechs bis sieben belegen. Bei Bewegungsangeboten ist „Verbleib auf der Matte“ angesagt. Umherlaufen geht nicht. Und beim Tanzen soll man sich nicht anfassen.

Am Belegungsplan wird noch gearbeitet

Ausklügeln muss die Volkshochschule noch ein Wegesystem im Gebäude bis zum Semesterstart, außerdem einen Belegungs- und Zeitplan, „bei dem sich nicht ständig Leute im Treppenhaus begegnen“, so Attila Horvat. So mancher werde sich darauf einstellen müssen, dass „sein“ Kurs nicht zu den begehrten Zeiten – also 10 und 18 Uhr – stattfinden könne.

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Zehn Prozent weniger Kurse als vor Corona

Insgesamt würden im Herbst/Winter etwa zehn Prozent weniger Kurse angeboten als vor Corona, peilt der neue  Leiter der Volkshochschule  über den Daumen. Er befürchtet auch, dass im zweiten Semester „einige Kunden noch wegbleiben werden“ und macht das daran fest, dass 75 Prozent der Ettlinger VHS-Nutzer älter als 60 Jahre sind. „Wir hoffen natürlich bald wieder auf einen Normalbetrieb.“ Dankbar ist Horvat für die Unterstützung des Ettlinger Eichendorff-Gymnasiums, in dessen Pavillon abends einige Sprachkurse abgehalten werden können.

Mehr online Formate in der Zukunft

Verstärken will er in der Nach-Corona-Zeit die Angebote in den Ettlinger Stadtteilen, zudem setzt der Betriebswirt auf einen Ausbau von online-Formaten in seinem Haus, und zwar über eine spezielle VHS-Cloud. Das Digitale ist sein Steckenpferd, kümmerte er sich doch vor dem Wechsel in die Pforzheimer Straße schon um die Digitalisierung der Schulen.

Das Semesterprogramm der Volkshochschule soll im August und damit etwas später als sonst üblich erscheinen. Interessierte können es dann entweder herunterladen oder es als Heft mitnehmen. Ausliegen wird es in öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Stadtbibliothek, Ortsverwaltungen und Stadtinformation. Anmeldungen für den Herbst sind ab Montag, 17. August möglich.