WinterWorld Techno-Party in der dm-Arena Januar 2017 | Foto: Klaus Müller

Tanz oder Konzert in Messe?

Leistete “ WinterWorld “ Drogenkonsum von Minderjährigen Vorschub?

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„Auf der Techno-Veranstaltung ‘ WinterWorld ‘, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag am vergangenen Wochenende auf der Messe Karlsruhe in Rheinstetten bis morgens um 5 Uhr über die Bühne ging, wurden 80 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt. Mehrere Personen mussten durch den Rettungsdienst versorgt werden, zwei davon wurden wegen einer Betäubungsmittel-Intoxikation in Krankenhäuser eingeliefert“, so lautete der Bericht der Polizei von der Party, um gleichzeitig den Organisatoren ein positives Zeugnis auszustellen, dass alles friedlich abgelaufen sei.

25 Prozent der Besucher minderjährig

Dennoch: Rund 25 Prozent, so die Schätzung aus Polizeikreisen, der Besucher der “ WinterWorld “ waren Minderjährige im Alter zwischen 16 Jahren und 18 Jahren. Bleibt also die Frage, ob mit der Veranstaltungsform – beim zuständigen Ordnungsamt der Stadt Rheinstetten wurde, so Leiter Ronald Daum, eine „Kulturveranstaltung (Konzert) angemeldet – dem Drogenkonsum von Minderjährigen Vorschub geleistet worden ist.
Die BNN baten deshalb das Jugendamt des Landkreises Karlsruhe um eine allgemeine Aussage, ob nicht eine andere Veranstaltungsform, die dem Jugendschutz mehr Rechnung trägt, – kein Aufenthalt von Jugendlichen nach 24 Uhr auch nicht in Begleitung Erwachsener – angemessener gewesen wäre.
„Das Jugendamt steht Veranstaltungen für Jugendliche zunächst einmal positiv gegenüber. Es schaut aber genauer hin, wenn eine Veranstaltung so deklariert wird, dass sie die Anwesenheit von Jugendlichen nach 24 Uhr (in Begleitung) rechtfertigt“, sagt Leiterin Margit Freund. Aus diesem Grunde sei das Kreisjugendamt bereits mit mehreren Jugendschutzteams bei der „WinterWorld“ 2017 vor Ort gewesen und hat sich auch 2018 im Vorfeld mit der Veranstaltung beschäftigt und mit der Polizei abgestimmt.

Jugendamt: Klare Tanzveranstaltung

Aus Sicht des Kreisjugendamtes sei die Klassifizierung als „Kulturveranstaltung“ nicht nachvollziehbar – zutreffender wäre eine klare Einstufung dieser und ähnlicher Veranstaltungen als Tanzveranstaltung im Sinne des Jugendschutzes. Jugendliche hätten dann bis spätestens 24 Uhr die Veranstaltung zu verlassen.
Das Kreisjugendamt werde auch zukünftig in enger Kooperation mit der Polizei und der kommunalen Suchtbeauftragten Veranstaltungen dieser Art beobachten und bei Bedarf intervenieren beziehungsweise mit Einsatzteams vor Ort sein. Im konkreten Fall werde das Jugendamt mit Polizei und dem Veranstalter sprechen.

Ordnungsamt: Entscheidungen von Gerichten Maßstab

Ronald Daum vom Rheinstettener Ordnungsamt verteidigt, dass bei der Stadt die „WinterWorld“ als „Kulturveranstaltung“ durchgegangen sei. Zwar hätte man es auch lieber gesehen, dass Jugendliche spätestens um 24 Uhr nach Hause gehen müssen, weil die “ WinterWorld “ für Jugendliche eine willkommene Gelegenheit sei, auf einfache Weise an Aufputschmittel (Drogen) zu kommen, aber der Veranstalter habe einschlägige richterliche Entscheidungen vorgelegt. Diese klassifizierten Veranstaltungen wie die „WinterWorld“ aufgrund ihrer hochkarätigen Künstler aus dem Discjockeybereich als „Konzert“. Ein Beobachter aus Polizeikreisen meinte dazu nur: „Das war eine klare Tanzveranstaltung. Viele halten die stundenlangen Bewegungen zu den stampfenden Rhythmen nur durch Einwerfen vom Amphetaminen durch.“