Der Unkrautvernichter Glyphosat ist für viele Bauern ein wichtiges Werkzeug. Umweltschützer bemängeln, dass er Insekten und Vögeln die Nahrungsgrundlage entzieht, weil er als „Totalherbizid“ nahezu jede Pflanze töte.
Der Unkrautvernichter Glyphosat ist für viele Bauern ein wichtiges Werkzeug. Umweltschützer bemängeln, dass er Insekten und Vögeln die Nahrungsgrundlage entzieht, weil er als „Totalherbizid“ nahezu jede Pflanze töte. | Foto: dpa

Landwirtschaftliche Flächen

Glyphosatverbot in Malsch hängt in der Schwebe

Anzeige

Kommt das Verbot oder nicht? Über den Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat auf Äckern wird auch in Malsch diskutiert. Die Fraktion von Grünen und BfU (Bürgerliste für Umweltschutz) hatte bereits im November 2017 im Gemeinderat beantragt, dass das Herbizid auf gemeindeeigenen Pachtflächen nicht mehr zum Einsatz kommt. Bevor sie Vorgaben macht, will die Gemeinde aber erst die Gesetzgebung des Landes zum Artenschutz abwarten. 

Für Landwirte ist es ein wirksamer Unkrautvernichter, Umweltschützer kritisieren, dass es Insekten und Vögeln die Nahrungsgrundlage entzieht: Seit Jahren wird über den Einsatz von Glyphosat heftig gestritten. Die EU hat die Zulassung zwar bis Ende 2022 verlängert. In Deutschland haben laut der Umweltschutzbehörde BUND aber schon mehr als 500 Kommunen beschlossen, ihre Grünflächen ohne das Herbizid zu bewirtschaften.

Auf öffentlichen Grünflächen keine Verwendung

Auch in Malsch ist Glyphosat schon länger ein Thema. Auf den vom Bauhof und externen Firmen bewirtschafteten öffentlichen Grünflächen wird der Unkrautbekämpfer nach Angaben der Verwaltung nicht mehr eingesetzt. Wie es auf den von der Gemeinde verpachteten landwirtschaftlichen Flächen aussieht, ist nicht bekannt – obwohl der Gemeinderat die Verwaltung schon im November 2017 damit beauftragt hatte, eine entsprechende Bestandsaufnahme zu machen. Anlass war ein Antrag der BfU/Grünen-Fraktion, das Mittel auf gemeindeeigenen Flächen zu verbieten.

Treffen mit Landwirten im Frühjahr 2018

Nach einem Treffen im Frühjahr 2018 mit Malscher Landwirten sowie einem Experten des Landratsamts ist die Bearbeitung des Themas ins Stocken geraten, räumt Hauptamtsleiter Heribert Reiter auf Nachfrage ein. Ein Grund seien personelle Engpässe durch den Wechsel im Umweltbüro. Die neue Mitarbeiterin, die im Sommer 2019 ihren Dienst angetreten hat, sei gerade dabei, potenziell von einem Verbot betroffene Flächen zu erfassen.

Gemeinde will nicht mit eigenen Regelungen „vorpreschen“

Abgesehen davon halte die Gemeinde es aber sowieso für sinnvoller, erst einmal die Landesgesetzgebung zum Thema Glyphosat abzuwarten, bevor sie mit eigenen Regelungen „vorprescht“. Reiter verweist auf das Eckpunktepapier, das die baden-württembergische Landesregierung als Reaktion auf das Artenschutz-Volksbegehren „Rettet die Bienen“ vorgelegt hat.

Es beinhaltet Zielsetzungen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die noch in Maßnahmen und Gesetzestexte gegossen werden müssen. Diese Regelungen setzten am Ende auch die „Rahmenbedingungen für den Einsatz von Glyphosat in Kommunen“.

Glyphosat ist ein ernstes Thema

Jörg Rupp, Ex-Mitglied der Grünen/BfU-Fraktion

Jörg Rupp, Ex-Mitglied der BfU/Grünen-Fraktion, hält dieses Argument für eine Ausrede: Die Verwaltung sei mit der Bearbeitung des Themas lange vor dem Start des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ beauftragt worden. Weil er fürchtet, dass die Gemeinde die Sache weiter auf die lange Bank schiebt, hat Rupp Druck gemacht, bei Bürgermeister Elmar Himmel (SPD) nachgehakt, was der Stand der Dinge sei. „Glyphosat ist ein ernstes Thema“, betont er.

Auch Karlheinz Bechler, Fraktionschef von BfU/Grünen, will dranbleiben, die Glyphosatthematik im Ältestenrat nochmals ansprechen. Denn er weiß: „Bei anderen Fraktionen steht das nicht ganz oben auf der Liste.“

Interessensabwägung mit Landwirten

Die Malscher Landwirte wehren sich gegen ein komplettes Verbot von Glyphosat, weiß Hauptamtsleiter Reiter. Sie hätten „viele gute Gründe“ dafür genannt, dass der Einsatz  „teilweise sinnvoll ist“. Eine Interessensabwägung sei wichtig, schließlich gehe es bei vielen Bauern um die Existenz.

Unterschiedliche Regelungen in anderen Kommunen

Der Interessenskonflikt zwischen Bauern und Umweltschützern zeigt sich nicht nur in Malsch. Auch in Ettlingen, wo die Fraktion der Grünen und Für Ettlingen und die Freien Wähler 2018 ein Verbot von Glyphosat auf städtischen Pachtflächen beantragt hatten, wehrten sich die Landwirte. Man schloss einen Kompromiss: Die Bauern verpflichteten sich, glyphosathaltige Mittel nur alle zwei Jahre einzusetzen und ab 2023 ganz darauf zu verzichten.

In Rheinstetten gilt für Landwirte seit 2018 eine freiwillige Selbstbeschränkung: Wenn sie Glyphosat verwenden, müssen sie dies der Verwaltung melden, und „da seitdem keine Meldung bei uns eingegangen ist, können wir davon ausgehen, dass die städtischen Flächen frei sind von Glyphosat“, heißt es aus dem Rathaus. Die Gemeinde Waldbronn verwendet nach eigenen Angaben selbst „kein Glyphosat oder sonstige Herbizide“. Kein Glyphosatverbot gibt es in Karlsbad.

Glyphosat ist eines der am meisten verwendeten Herbizide der Welt. Nach Angaben des Bund für Um-
welt und Naturschutz Deutschland (BUND) tötet es jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. In den 1970er Jahren wurde Glyphosat vom amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto auf den Markt gebracht, der inzwischen zum Pharmakonzern Bayer gehört. Zu den Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit gibt es unterschiedliche Studien: Laut Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“. Andere Behörden kommen zum Ergebnis, dass es nicht krebserregend ist, darunter die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa). In den USA laufen Tausende Klagen gegen Monsanto-Bayer wegen angeblich krebserregender Wirkung von Glyphosat. In Deutschland ist der Absatz 2018 um 26,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. 3.450 Tonnen des Wirkstoffs wurden laut Bundesagrarministerium verkauft. In Baden-Württemberg machte Glyphosat laut Pestizidbericht des Nabu 2018 mit 203 Tonnen ein Viertel der verwendeten Herbizide aus.