Im Rheinstettener Stadtteil Forchheim ereignete sich am 3. August 2016 das Verbrechen, das jetzt gerichtlich geahndet wurde. | Foto: Uli Deck/dpaq

Totschlag in Rheinstetten

Zwölf Jahre Haft für Mann aus Karlsruhe

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Zwölf Jahre Haft für Totschlag in Rheinstetten: Das Schwurgericht in Karlsruhe verurteilte am Dienstag einen 67 Jahre alten Mann aus Karlsruhe. Er soll  einen 60 Jahre alten Mann in Rheinstetten vor dessen Haus erstochen haben.

Von Klaus Müller

Als einen „Meister der Verstellung“ bezeichnete ihn Staatsanwältin Susanne Lösch. Zeugen, vor allem Belastungszeugen, beschrieben ihn er als einen „Mann mit zwei Gesichtern“. Nebenklägervertreter Hannes Linke sah in ihm einen „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Der vorsitzende Richter Leonhard Schmidt erkannte in ihm jemanden, der „schnell den Schalter umlegen konnte“. Alles nicht wahr, hielt dem die Verteidigung entgegen und berief sich dabei auf ein psychologisches Gutachten, das ihren Mandaten durchaus positiv zeichnete.

Opfer starb an  sieben  Messerstichen

All das bezieht sich auf einen 67-jähriger Mann aus Karlsruhe, der sich an drei Verhandlungstagen vor dem Schwurgericht am Karlsruher Landgericht wegen Totschlag verantworten musste. Mit sieben Messerstichen streckte er einen 60-Jährigen aus Rheinstetten vor dessen Haus tödlich nieder (wir berichteten). Am Dienstag fiel das Urteil. An der Tat frühmorgens am 3. August 2016 bestand kein Zweifel. Entscheidend für die Urteilsfindung war die Frage, ob es sich um Notwehr handelte oder ob Totschlag vorlag.

Anwälte plädieren auf Notwehr

Auf Notwehr plädierten die Anwälte des Angeklagten, Angela Maeß und Michael Eckhard Müller. Bis auf eine eher dürftige Erklärung, vorgelesen von seiner Rechtsanwältin, hüllte sich der mutmaßliche Täter in Schweigen,. Er sei zuerst vom 60-Jährigen und vom eigenen Sohn angegriffen worden und habe erst dann zum Messer gegriffen.Das  Schwurgericht kam zu der sicheren Überzeugung, dass keine Notwehrsituation vorgelegen hat.

Strafmaß  über dem Antrag der Anklage

Am Ende verurteilte das Gericht den 67-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. Zehn Jahre forderte die Staatsanwältin. Auf Freispruch plädierte die Verteidigung. Auslöser für die folgenschweren Ereignisse, die zwei Familien in eine schwere Lebenskrise stürzten, war nach Auffassung des Gerichtes ein eskalierender Streit zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau, die sich daraufhin bei ihrer Schwiegertochter und deren Familie einquartierte. Nicht abfinden wollte sich der Angeschuldigte mit dieser Situation, zumal der vermeintliche Nebenbuhler (das spätere Opfer, wobei nachweislich kein Grund für die Eifersucht bestand) auf dem gleichen Anwesen in Forchheim wohnte.
Bevor es zur Tat kam, suchte die Familie der Schwiegertochter Hilfe bei der Polizei, die den späteren Messerstecher aber nicht als besonders gefährlich einschätzte (Stichwort: „zwei Gesichter“).

Angeklagter wollte „Nebenbuhler“ töten

Dann kam die Tatnacht. In der Absicht, den angeblichen Nebenbuhler zu töten, so die Auffassung der Kammer, lauerte der Angeklagte seinem Opfer auf. Mit sieben, laut Gerichtsmedizin heftig geführten Messerstichen – ein Stich durchtrennte die Hauptschlagader des Geschädigten – tötet er den 60-Jährigen. Zeugin des Geschehens war die Tochter des Opfers, deren „Geschichte“ die Kammer als plausibel und für die Urteilsfindung als mit entscheidend bewertete.

Wird Revision eingelegt?

Dass in der Tatnacht der Angeklagte selbst schwer verletzt wurde, ist für das Gericht eine andere Baustelle, mit der sich derzeit die Staatsanwaltschaft befasst. Rechtsanwältin Maeß ließ  offen, ob sie Revision einlegen wird . Über die müsste dann der Bundesgerichtshof (BGH) entscheiden.