Am Freitag erscheint ein neues Akustik-Album: Im Gespräch erzählt Max Giesinger vom steinigen Weg nach oben - und den Stellenwert familiärer Beziehungen. | Foto: Rake Hora

Freitag erscheint Akustikalbum

Max Giesinger im Interview: Alles begann im Auto nach Kleinsteinbach

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Mittlerweile gehört Max Giesinger zu den erfolgreichsten deutschen Popstars. Der Weg dahin begann auf einer Autofahrt vom Waldbronner Ortsteil Busenbach nach Kleinsteinbach und war nicht immer frei von Hindernissen. Im Interview erzählt Giesinger, warum er manchmal dachte, für mehr als Hochzeitsmusik reiche es nicht.

Von unserem Mitarbeiter Thomas Bremser (dpa)

Auch als erfolgreicher Musiker kehrt Giesinger immer wieder gern in seine badische Heimat zurück. An diesem Freitag erscheint die Akustikversion seines Albums „Die Reise“. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Thomas Bremser spricht Giesinger über den steinigen Weg nach oben.

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In den vergangenen Monaten war das Reisen kaum möglich, im Sommer sind viele Urlaubsziele wieder erreichbar. Haben Sie schon Pläne?

Max Giesinger: Also wenn ich momentan etwas habe, dann ist das Zeit. Vielleicht komme ich dazu, endlich mal nach Schweden zu fahren. Ich wollte immer schon nach Skandinavien und mit einem Campervan zwei, drei Wochen rumcruisen. Mit meinem Daddy und Bruder gemeinsam wandern zu gehen steht auch noch auf dem Plan.

Primär geht es mir darum, wieder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, weil das in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen ist.

Zu kurz gekommen, weil Sie in den vergangenen Jahren große Erfolge feierten. Können Sie sich noch erinnern, wo genau diese musikalische Reise für Sie begann?

Im Prinzip vor der Wohnung meiner Mutti, als sie mich ins Auto gepackt und zum Gitarrenunterricht gebracht hat. Dann sind wir von Busenbach nach Kleinsteinbach gefahren, wo ich meine erste Gitarrenstunde hatte. Dass mein gesamtes soziales Umfeld und das Leben, das ich in den vergangenen 15 Jahren hatte, vermutlich auf dieser einen Entscheidung basiert, ist schon krass.

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Was war auf dieser Reise die größte Hürde?

Die Energie aufrechtzuerhalten, an mich und mein Soloprojekt zu glauben. Mich nicht erschüttern zu lassen von den ganzen Absagen, die ja wirklich jahrelang eingetrudelt sind. Da hat man sich natürlich infrage gestellt: Vielleicht bin ich einfach nicht gut genug. Vielleicht sollte ich weiter auf Hochzeiten in Karlsruhe auftreten, in meiner Coverband spielen und Gitarrenunterricht geben. Diese Gedanken hatte ich öfter.

Wann hat sich das geändert?

Mit meinem Debütalbum „Laufen Lernen“, das ich quasi in Eigenregie veröffentlicht habe. Damals habe ich so viel gutes Feedback bekommen und mir gedacht: „So schlecht kann es dann ja nicht sein.“ Am Ende war es dann ja auch so, dass sich die ganzen Plattenfirmen von meiner Castingshow-Vergangenheit hatten vertreiben lassen. In der damaligen Zeit habe ich das aber auf mich selbst und meine Musik bezogen.

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Auf der Reise zum erfolgreichen Musiker bleiben andere Dinge natürlich auf der Strecke, die andere in dem Alter erleben. Vermissen Sie das?

Was heißt vermissen? Ich hatte so was wie eine intakte Familienstruktur ja nie. Meine Eltern haben sich extrem früh getrennt, meine Mutti hat das alleinige Sorgerecht bekommen und ich bin alle zwei Wochen zum anderen Teil der Familie gefahren. In den vergangenen Jahren habe ich leider nur wenig Zeit zuhause verbringen können, was mich schon etwas beschäftigt.

Inwiefern?

Das sind halt meine Verwandten. Wer weiß, wie lange alle noch da sind. Außerdem: Wenn man nur noch im Berufsmodus unterwegs ist und Konzerte gibt, läuft man in die Gefahr, sich darin ein Stück weit zu verlieren. Auch wenn du frei hast, wirst du auf der Straße als Max Giesinger angesprochen. Es ist schwer, aus dieser Rolle rauszuspringen.

Und wenn du merkst, dass die private Person einen immer kleineren Teil einnimmt, musst du echt aufpassen. Dann ist es auch mal sinnvoll, drei Tage in der Woche nicht in musikalischer Mission unterwegs zu sein. Man muss halt die richtige Balance finden. Aber das gilt für andere Berufe natürlich auch. Auf jeden Fall komm ich bei meinen Heimatbesuchen im Badnerland immer sehr gut runter.