Hoch konzentriert sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Offenen Stunde im Yoga-Haus Ettlingen, die Bettina Wentzel (Mitte) mehrmals pro Woche anbietet. Die rund eineinhalbstündigen Kurse eignen sich für jede und jeden, hier werden auch Grundlagen vermittelt.
Hoch konzentriert sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Offenen Stunde im Yoga-Haus Ettlingen, die Bettina Wentzel (Mitte) mehrmals pro Woche anbietet. Die rund eineinhalbstündigen Kurse eignen sich für jede und jeden, hier werden auch Grundlagen vermittelt. | Foto: Trauden

80 Prozent sind Frauen

Mit Yoga im Ettlinger Yoga-Haus kann man lernen, einen kühlen Kopf zu bewahren

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Der Yoga-Trend war noch nicht so richtig in Deutschland angekommen, da hatte Bettina Wentzel die Idee, ein Studio in Ettlingen aufzumachen. Heute, 15 Jahre später, zählt das Yoga-Haus pro Woche mehr als 300 Besucher. 80 Prozent sind Frauen – aber auch immer mehr Männer interessieren sich für das Angebot, erzählt die Gründerin.

Im Schneidersitz sitzen 15 Frauen und zwei Männer am Dienstagabend im spärlich beleuchteten Yoga-Raum in der Kronenstraße. Die Augen haben sie geschlossen, die Handgelenke auf die Knie gelegt. Ihre Gesichter sind zur Wand gerichtet – wo Yoga-Lehrerin Bettina Wentzel vor einem großen, in einen violetten Kreis gemalten Om-Zeichen sitzt und Anweisungen gibt. Tief atmen, die Muskeln entspannen.

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Vom Krieger in den dreibeinigen Hund

Im Hintergrund spielt sanfte Musik. Das Mantra leitet über zur Bewegungsphase: „Ooommmm“ singt Wentzel und die 17 Teilnehmer stimmen mit ein, dann räumen sie die Holzklötze und Kissen beiseite, auf denen sie saßen, und gehen in die Vierfüßlerstellung. In der Free-Flow-Phase sollen sie ihren Körper frei nach Gefühl bewegen, dann kommen verschiedene Übungen.

Beim „Krieger“ gehen die Teilnehmer in den seitlichen Ausfallschritt und strecken beide Arme in die Waagerechte, beim „dreibeinigen Hund“ stützen sie sich auf beide Arme und ein Bein, das andere strecken sie auf gerader Linie zum Rücken in die Höhe.

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Bis zu 20 Teilnehmer pro Kurs

Zur „Offenen Stunde“, die Bettina Wentzel mehrmals pro Woche anbietet, kann jeder kommen. Bis zu 20 Teilnehmer pro Kurs sind die Regel, 80 Prozent sind im Schnitt Frauen, die Altersklassen gemischt: „Zwischen 18 und 60 ist alles dabei“, sagt Wentzel.

Neben den Offenen Stunden für Einsteiger gibt es Kurse zu unterschiedlichen Yoga-Praktiken, Themenkurse, Stunden für Schwangere, für Mütter und Babys, Yoga zur Stärkung des Rückens, Power-Yoga, sanftes Yoga. 300 Besucher pro Woche kommen in das Haus am Eingang zur Altstadt.

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Ursprünge in der Quergasse

Angefangen hatte alles viel kleiner. 2005 hatte Bettina Wentzel zusammen mit zwei Freundinnen ein Yoga-Studio in der Quergasse eröffnet. Eine Stunde gab jede pro Woche – das reichte, um die Miete für die Räume zu finanzieren. In ihrem Hauptberuf lehrte Bettina Wentzel an der Hochschule in Pforzheim Volkswirtschaft.

Ziemlich schnell wurden aus den anfangs drei Yoga-Stunden, die die drei Frauen pro Woche in der Quergasse anboten, zehn. Aus den Mieterinnen der Räume wurde eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts – und statt zum VWL-Buch griff Wentzel auf dem Nachttisch immer häufiger zum Yoga-Buch.

In der Quergasse hat 2005 alles begonnen: Mit Bettina Wentzel, Leiterin und Gründerin des Yoga-Hauses in Ettlingen.
In der Quergasse hat 2005 alles begonnen: Mit Bettina Wentzel, Leiterin und Gründerin des Yoga-Hauses in Ettlingen. | Foto: Trauden

Yoga-Haus bildet auch aus

Schließlich gab sie nur noch eine Vorlesung pro Woche, den Rest der Zeit widmete sie ihrem Hobby. Als 2011 das Gebäude in der Kronenstraße frei wurde, ergriff Wentzel die Gelegenheit, ihr Haus zu erweitern – die Räume in der Quergasse waren zu klein geworden. Heute bildet die 49-Jährige zusammen mit anderen „Yogis“ und „Yoginis“ auch Lehrer aus – alle zwei Jahre findet ein Kurs statt. Inzwischen ist das Yoga-Haus nicht mehr die einzige Einrichtung dieser Art in Ettlingen. Mehr als eine Handvoll Anbieter gibt’s – teilweise wurden sie bei Wentzel ausgebildet.

Die hat philosophiert, während sie auf
dem Kopf stand.

Bettina Wentzel über die Freundin, die sie zum Yoga gebracht hat

Wie sie selbst dazu gekommen ist, Yoga-Lehrerin zu werden? Da muss Wentzel weit ausholen. Den „Yoga-Bazillus“ habe sie sich in den USA eingefangen, wo sie zusammen mit ihrem Mann eine Zeit lang lebte. Eine amerikanische Freundin praktizierte Yoga – auf eine Art, die Wentzels Neugier weckte: „Die hat philosophiert, während sie auf dem Kopf stand“, erzählt sie.

Ich konnte immer nur denken, wenn ich
mich bewegt habe.

Philosophie, das war schon immer Wentzels Ding, es war neben „Wissenschafts- und Dogmengeschichte“ auch Bestandteil ihrer Promotion. Und Sport sowieso: „Ich konnte immer nur denken, wenn ich mich bewegt habe. Meine Doktorarbeit habe ich auf dem Laufband geschrieben.“ Im Yoga konnte sie beides verbinden: Bewegung und Philosophie.

Zweijährige Ausbildung zur Yoga-Lehrerin

Als Wentzel mit ihrem Mann und den drei Kindern der Arbeit wegen nach Ettlingen zog, begann sie eine zweijährige Ausbildung zur Yoga-Lehrerin in der „Sivananda“-Tradition. Die Ausbildung ist nicht zertifiziert, theoretisch kann sie jeder anbieten. Die Schüler lernen neben der hinduistischen Lehre viel über Anatomie und das Nervensystem. Das ist wichtig, sagt die gebürtige Bielefelderin: „Denn viele kennen ihr Auto besser als ihren Körper.“

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Auch Kurse für Unternehmen und Schüler

Yoga, das ist für Wentzel auch eine Form des Stressmanagements. „Die Erfahrung, eine eigentlich stressige Körperhaltung zur Entspannung zu nutzen, kann im Alltag helfen“. Soll heißen: Mit Yoga kann man lernen, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Das klingt vielleicht
ein bisschen spinnert,
aber es funktioniert.

Inzwischen gibt Wentzel auch Kurse in Unternehmen und Schulen. „Yoga ist kein Ausstiegsmodell“, sagt sie, um mit Vorurteilen aufzuräumen: „Ziel ist es nicht, irgendwann in einer Höhle im Himalaya zu sitzen und in die Tiefe des Selbst zu fallen.“ Sondern: „Es ist ein Werkzeug, um die Perspektive zu ändern. Das Glas häufiger halb voll statt halb leer zu sehen. Das klingt vielleicht ein bisschen spinnert, aber es funktioniert.“

Weitere Infos zum Angebot des Yoga-Hauses gibt es unter www.yogahaus-ettlingen.de.