Das alte Postgebäude an der Ecke Kastenwörthstraße/Vogesenstraße, direkt neben dem Forchheimer Caritaspflegeheim St. Martin.
Das alte Postgebäude an der Ecke Kastenwörthstraße/Vogesenstraße, direkt neben dem Forchheimer Caritaspflegeheim St. Martin. | Foto: Werner Bentz

Initiative kontra Bauantrag

Mobilfunkmast in Forchheim ist Anwohnern zu hoch

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Wenn die Bürger direkt betroffen sind, dann wissen sie sich schnell zu wehren. So auch im Fall des 26 Meter hohen Metallgittergerüsts, das eine Telekom-Tochtergesellschaft zu besseren Mobilversorgung auf dem alten Postgebäude in Forchheim aufbauen will.

Die Stadtverwaltung Rheinstetten hatte die Eigentümer der benachbarten Grundstücke schon vorab darüber informiert, dass ein entsprechendes Baugesuch eingegangen war. Das alte Postgebäude liegt direkt bei einem Altenheim der Caritas und 200 Meter entfernt ist der Kindergarten Sonnenblick.

Rund ein Dutzend Grundstückseigentümer aus der direkten Nachbarschaft der „Alten Post“ haben jetzt OB Schrempp angeschrieben. Sie beantragen, dass der Gemeinderat den in den 1970er Jahren ausgearbeiteten Bebauungsplan Forchheim-Nord bei den baulichen Bestimmungen für Telekommunikationsanlagen an die heutige Zeit anpasst und baldmöglichst eine Veränderungssperre für das betroffene Gebiet verhängt wird.

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Wörtlich schrieben die rund ein Dutzend Anwohner an die Verwaltung und den Gemeinderat: „Unser vorrangiges Ziel ist, dass es hier zu einem Gespräch, Auseinandersetzung und Einigung aller Beteiligten und Betroffenen auf bestmögliche Regelungen kommt.“ Momentan drohe, dass zu dem vorliegenden Bauantrag für den Mobilfunkmast Entscheidungen auf Grundlage des Bebauungsplans von 1973 gefällt werden.

„Weg von dumpfen Aussagen“

Dieser enthalte nicht nur Unklarheiten, sondern habe Fragen zum Mobilfunk noch gar nicht berücksichtigen können – schließlich sei dieser in der heutigen Form damals noch gar nicht absehbar gewesen. Die allerersten tragbaren Koffer mit Telefonhörer als Vorläufer der Mobiltelefone und der heutigen Smartphones habe es erst Ende der 1980er Jahre gegeben. „Wir wollen hier wegkommen von dumpfen Aussagen wie ,Jeder will Mobilfunk, nur nicht den Mast vor der eigenen Haustür’“, schrieben die Bürger an den OB und die Gemeinderatsfraktionen.

Stattdessen solle über dieses Thema gemeinsam gesprochen, gestritten und eine Einigung erzielt werden. Der Bebauungsplan müsse klare Aussagen zu Fragen der Abdeckung eines Wohngebiets mit Mobilfunk enthalten. Mobilfunkmasten, die wie der aktuell in Planung befindliche in mehr als dreifacher Höhe über ein Gebäude ragten, dazu mit ausladendem Funkkorb mit 21 und mehr Sendeanlagen, beeinträchtigten ein solches Wohngebiet rein optisch schon erheblich.

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Die Masten sollten auf das absolut notwendige Maß beschränkt werden. Sollte es möglich sein, das Wohngebiet ausreichend mit Mobilfunk zu versorgen, ohne dass solche Masten aufgestellt werden, dann solle man darauf ganz verzichten. Die Stadtverwaltung, so OB Schrempp, habe mittlerweile den Bauantrag der Telekom-Tochter abgelehnt. Schon allein ästhetische Gründe sprächen dagegen.

Er habe nichtöffentlich im Technikausschuss Gemeinderäte über den Sachverhalt informiert. Er wolle mit Bürgern und dem Antragsteller eine einvernehmliche Lösung erzielen. Dazu werde die Verwaltung Kontakt zur Telekom-Tochtergesellschaft aufnehmen.