Ein schwungvoller Klassiker ist das komödiantische Musical „Chicago“, das für die Saison „40 Jahre Schlossfestspiele“ in Ettlingen vom Intendanten vorgeschlagen wurde. | Foto: Brinkhoff/Mögenburg

Große Lösung für 2018

Musical „Chicago“ zur Jubelsaison der Schlossfestspiele Ettlingen

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Es wäre nicht Udo Schürmer, wenn der vorgestellte Spielplan des Intendanten für die Schlossfestspiele-Saison nicht auch Diskussionen auslösen würde. Zuletzt mit der „Rocky Horror Show“, jetzt sorgt das Schauspiel „Der Kaufmann von Venedig“ für ein Für und Wider im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats.Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Saison 2018 ist die Jubelsaison 40 Jahre Schlossfestspiele, und alle Fraktionen wollen dies groß feiern – und dafür tiefer in die Stadtkasse greifen. Schon jetzt ist klar, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Schirmherrschaft übernehmen wird, Intendant Udo Schürmer bekommt mehr Geld für seine voraussichtliche Abschiedssaison – in der Vergangenheit beklagte er immer wieder das aus seiner Sicht chronisch zu knappe Budget.Einmütig für gut befunden wurde das komödiantische Jazz-Musical „Chicago“ um die Tänzerin und Mörderin Roxie Hart, die im Gefängnis mit der Matrone Morton und Kollegin Velma Kelly zusammentrifft – eine Mischung aus Liebe und Lüge, Ruhmsucht und Eitelkeit, Betrug, Verrat und Verbrechen. „Mitreißende Songs und witzige Charaktere“, fasste Schürmer zusammen. Keine Probleme hatte man auch mit dem vergnüglichen Kinderstück „Das kleine Gespenst“ von Ottfried Preußler.

Teils Bedenken beim umstrittenen „Kaufmann von Venedig“

Einige Augenbrauen wurden im Ratssaal hochgezogen beim Schauspiel-Vorschlag „Der Kaufmann von Venedig“ von Shakespeare. Das Stück um den Kaufmann Antonio, der sich Geld vom reichen Juden Shylock leiht, der wiederum festschreiben lässt, dass er ein Pfund Fleisch aus dem Körper des Schuldners schneiden darf, falls dieser nicht zurückzahlt. An der Figur des Juden Shylock entzünden sich seit Jahrzehnten Antisemitismus-Diskussionen. OB Johannes Arnold betonte mehrfach, dass der Intendant für seine Entscheidung gegebenenfalls künstlerisch gesehen auch den Kopf hinhalten müsste – später stimmte er gegen das Shakespeare-Stück als Schauspiel. „Es geht um Liebe und Anerkennung, und nicht um Antisemitismus“, betonte der Intendant. Eine rassistische Verfilmung in der NS-Zeit habe auch zu Vorbehalten gegen den „Kaufmann von Venedig“ geführt – die Verständigung, nicht das Anprangern sei Botschaft des Stücks. Am Ende gab es drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen bei neun Zustimmungen. Somit war das Alternativ-Stück Schürmers „Romulus der Große“ als Kleines Schauspiel raus. Zur „großen Lösung“ für 2018 wird zudem eine Schlager-Revue zählen. „Der Schlager ist eine Zeitströmung, von der wir profitieren könnten“, so Schürmer.Der Zuschussbedarf für die Schlossfestspiele 2018 fällt dann freilich höher aus als in diesem Jahr. Hier wird mit einem Zuschlag von 120 000 Euro gerechnet, was insgesamt eine Summe von 928 800 Euro ergibt. Letztlich gedeckt zu etwa einem Drittel durch Sponsoren, die Stadt und die Baden-Württemberg-Stiftung. Vom Land erhofft man sich zur Jubelsaison noch eine höhere Zuschusszusage über die BW-Stiftung.