Kämpfernatur: Heidi Sand wurde vom Krebs geheilt und erfüllte sich den Traum, auf den Mount Everest zu steigen. Jetzt war sie bei einem Benefizabend in Ettlingen zu Gast. | Foto: Kungl

Heidi Sand will Mut machen

Nach Krebserkrankung auf den Mount Everest

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Sie bestieg den Mount Everest, den höchsten Berg der Welt: Heidi Sand. Das Ganze nach einer schweren Krebserkrankung. Bei einem Benefizabend für den Ettlinger Hospizförderverein berichtete die 52-Jährige von ihren „Grenzerfahrungen“. 

Sie war in ihrem Leben schon ganz unten und ganz oben: Heidi Sand, passionierte und erfolgreiche Bergsteigerin aus Stuttgart. Jetzt war sie  im Stephanus-Stift am Ettlinger  Stadtgarten zu Gast, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen – und die ist ebenso außergewöhnlich wie bemerkenswert.

Ich komme aus einer Bergsteigerfamilie

„ und habe  schon immer jede freie Minute im Gebirge verbracht“, erzählt Sand im Gespräch mit den BNN. Auch im Jahr 2010 nimmt sie sich einiges vor: Es soll auf den Mount McKinley (Alaska) gehen. „Alles hat wunderbar geklappt, und auf dem Gipfel ging es mir gut“, erinnert sie sich. Doch beim Abstieg hat sie plötzlich mit heftigen Magenschmerzen zu kämpfen.

Schockdiagnose Darmkrebs

Als die Schmerzen auch zu Hause nicht nachlassen, geht sie zum Arzt. Dort dann die Diagnose: Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. „Ich habe mit vielem gerechnet, aber das hat mir erstmal den Boden unter den Füßen weggezogen“, berichtet Sand.

OP und Chemotherapie

Für die dreifache Mutter beginnt direkt der übliche Behandlungsmarathon mit Operation und Chemotherapie. Viele Menschen geben in so einer Lage auf oder ziehen sich zurück. Heidi Sand jedoch reflektiert intensiv ihr Leben und fragt sich, was sie noch alles erreichen möchte. Dann fasst sie einen Beschluss. „Ich sagte mir: Wenn ich das durchgestanden habe, belohne ich mich mit einem 8000er.“ Gebirge über 8000 Meter hatte sie bis dato immer gemieden, denn eine solche Tour ist teuer und man ist lange weg von der Familie.

Sechs Wochen bis zum Gipfel

Diese gibt ihr jedoch Rückendeckung und ihr ältester Sohn meint: „Mama, wenn du das schon machst, dann steig’ aber auf den Mount Everest.“ Dieses Ziel verfolgt die heute 52-Jährige von da an konsequent. „Die Krankheit hatte jetzt in meinem Kopf nichts mehr zu melden und die restlichen Chemos steckte ich viel leichter weg“, berichtet Sand. Anderthalb Jahre später ist es dann soweit. Nach sechs Wochen Aufstieg steht sie auf dem Gipfel des Mount Everest. „Als ich diese Aussicht sah, spürte ich eine unglaubliche Dankbarkeit und Demut.“

Weitere 8000er Berge folgen

Und sie schwört sich, dass der Everest nur der Auftakt für weitere 8000er sein sollte. In den Jahren darauf besteigt sie den Cho Oyu (Himalaya) sowie als erste deutsche Frau den Makalu (Nepal). „Ich war zwar schon immer ein sehr bewusst lebender Mensch, aber der überwundene Krebs hat mich noch viel dankbarer für jeden dieser Momente gemacht“, sagt Sand.

Anderen Menschen Mut machen

Seither ist die genesene Bergsteigerin jährlich auf verschiedenen Bergen unterwegs, zum Beispiel an der Eiger Nordwand. Daneben betreibt sie ein Skulpturen-Atelier in Stuttgart. Seit acht Jahren hält sie Vorträge und teilt ihre Erfahrungen mit den Menschen. „Ich versuche, Mut zu machen. Denn viele wissen nicht, wie man mit solchen Schicksalsschlägen umgeht.“ Heidi Sand hat mit dem Everest vor Augen den Krebs besiegt. „Ganz egal, was es ist: Jeder braucht ein Ziel, um aus so einem seelischen   Loch herauszukommen“.

Philipp Kungl