Endlich wieder schaukeln: Die fünfjährige Ella schwingt sich auf dem Spielplatz im Ettlinger Horbachpark in luftige Höhen.
Endlich wieder schaukeln: Die fünfjährige Ella schwingt sich auf dem Spielplatz im Ettlinger Horbachpark in luftige Höhen. | Foto: Trauden

Begrenzte Besucherzahl

Nach Wiedereröffnung: Ansturm auf Spielplätze in Ettlingen bleibt bislang aus

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Spielen und toben – aber mit Abstand: Seit dem 6. Mai dürfen die Spielplätze in Baden-Württemberg wieder öffnen. Viele Kommunen haben eine Maximalzahl an Besuchern berechnet, damit die Kinder sich nicht zu nahe kommen. Ordnungsämter kontrollieren die Einhaltung der Richtlinien – wissen aber auch um die Grenzen des Umsetzbaren.

Eigentlich, sagt die fünfjährige Ella, hat sie den Spielplatz gar nicht so sehr vermisst. Von der Schaukel im Horbachpark ist sie am Dienstagnachmittag, dem ersten sonnigen Tag nach dem verregneten Wochenende, dennoch kaum wegzubekommen.

Papa hilft mit, damit sie genug Schwung bekommt, und nebenan steht Ellas Mutter, die sich die Zeit der Spielplatzschließung selbst schlimmer vorgestellt hatte: „Wir hatten genug Ausweichmöglichkeiten“, blickt die Ettlingerin auf die rund acht Wochen zurück, in denen Rutschen, Klettern, Wippen und den städtischen Spielplätzen wegen Corona tabu war. Beim Radeln oder Inliner-Fahren habe man fast vergessen, dass etwas fehlt.

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Sandkasten, Trampolin und Radfahren können Spielplatz nicht ersetzen

Nicht allen Kindern und Eltern ist der Verzicht so leicht gefallen: Lias, der im Juli seinen dritten Geburtstag feiert und einige Meter von der Schaukel entfernt durch Wasser und Schlamm watet, hat seine Mutter in den vergangenen Wochen mehrmals gefragt, ob er auf den Spielplatz kann: „Immer, wenn wir an einem vorbeigelaufen sind“, erzählt Jessica Schiffer.

Zwar haben sie und ihr Mann zuhause einen Sandkasten und ein Trampolin für den kleinen Sohn aufgestellt. Dennoch empfindet auch Schiffer die Öffnung der Spielplätze als Erleichterung: „Man sieht mal was anderes als die eigenen vier Wände“, sagt die 26-jährige aus Straubenhardt.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Sorgen, dass sich zu viele Kinder auf den Spielplätzen tummeln könnten und dadurch die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus steigt, hat Schiffer nicht. „Wenn ich einen Spielplatz sehe, auf dem schon zehn Kinder mit ihren Eltern sind, dann gehe ich eben zu einem anderen.“

Den Kindern fehlen die Kontakte

„Definitiv ein Segen“ sei die Öffnung, meint ein Familienvater, der mit seinen beiden drei- und fünfjährigen Söhnen in den Horbachpark gekommen ist. Seinen Jungs hätten vor allem die Kontakte zu anderen Kindern gefehlt. Er habe zwar viel mit ihnen unternommen, zum Beispiel Fahrradtouren, „aber irgendwann hat sich alles wiederholt“, sagt der 37-Jährige.

Verstöße wurden, wahrscheinlich auch aufgrund der Witterung, bislang nicht festgestellt.

Kristian Sitzler, Leiter des Ordnungsamts in Ettlingen

Ein Kind pro zehn Quadratmeter Fläche

Die Landesregierung hat den Kommunen Empfehlungen zu Abstands- und Hygieneregeln mit auf den Weg gegeben. So sollte sich nur ein Kind pro zehn Quadratmeter auf den Plätzen aufhalten. Außerdem dürfen die Kinder nur in Begleitung Erwachsener dort spielen. An den rund 70 Spielplätzen in Ettlingen und den Stadtteilen hat die Verwaltung Schilder angebracht, die auf die Empfehlungen hinweisen.

Mit vereinten Kräften am Wasserspiel: Nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern (wie dieser Familienvater rechts im Bild) freuen sich über die wieder geöffneten Spielplätze.
Mit vereinten Kräften am Wasserspiel: Nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern (wie dieser Familienvater rechts im Bild) freuen sich über die wieder geöffneten Spielplätze. | Foto: Trauden

Ettlinger Ordnungsamt kontrolliert regelmäßig

Zudem kontrolliert das Ordnungsamt laut Amtsleiter Kristian Sitzler regelmäßig die Einhaltung von Abstandsregeln, an einigen Standorten sogar mehrmals täglich. „Verstöße wurden, wahrscheinlich auch aufgrund der Witterung, bislang nicht festgestellt“, berichtet er. Die Spielplätze würden zurzeit noch nicht besonders stark frequentiert.

Bei „größerem Spielbetrieb“, sagt Michael Rindfuß vom Ettlinger Stadtbauamt, seien die Abstandsregeln zwischen den Kindern sowieso schwer einzuhalten: „Wenn die im Spieltrieb sind, dann ist das nicht umsetzbar. Da muss man manchmal sicher einschreiten.“

Wir werden nur sporadisch rausgehen,
wenn uns Bürger Verstöße melden.

Ronald Daum, Ordnungsamtleiter Rheinstetten

Ronald Daum, Ordnungsamtsleiter in Rheinstetten, rechnet nicht mit Problemen, was die Einhaltung der Empfehlungen angeht. 24 Spielplätze haben in der 20.000-Einwohner-Stadt vergangene Woche geöffnet, kontrolliert wird nicht gezielt. „Wir werden nur sporadisch rausgehen, wenn uns Bürger Verstöße melden.“

„Zurückhaltender Besucherzulauf“ in Malsch

Der Malscher Ordnungsamtsleiter Frederik Layh meinte, eine „detaillierte Kontrolle“ der Abstandsregeln sei in der Praxis nicht umsetzbar und „auch nicht lebensnah“. Bei den bisher vorgenommenen Kontrollen hätten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zudem „einen eher zurückhaltenden Besucherzulauf“ festgestellt, „sodass keinerlei Eingriffe erforderlich waren“.

Spielgeräte bestimmen maximale Zahl an Kindern

In Karlsbad hat die Gemeinde laut Bürgermeister Jens Timm anhand der vorhandenen Spielgeräte auf den rund 20 Spielplätzen eine maximale Besucherzahl bestimmt. Zwischen zwei und 14 Kindern dürften sich je nach Ausstattung dort aufhalten. Schilder an den Zugängen weisen darauf hin.

Die Quadratmeter-Vorgabe (ein Kind pro zehn Quadratmeter) hält Timm für zu ungenau. „Wir haben einen Spielplatz mit fast 5.000 Quadratmetern. Nach den Empfehlungen dürften dort also theoretisch 500 Kinder drauf – was natürlich viel zu viel ist.“

Appell an die Vernunft der Eltern

In Karlsbad kontrolliert der Gemeindevollzugsdienst, ob die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Auch Essen ist auf den Spielplätzen nach den neuesten Regelungen nicht erlaubt. „Wir fahren sporadisch an den Plätzen vorbei“, so Timm. Er appelliert auch an die Vernunft der Eltern, die am Ende für die Sicherheit ihrer Kinder verantwortlich seien.