Napoleon an der Brust einer Frau. So stellt ihn Peter Lenk in seiner Plasttik dar.
DER GROSSE NAPOLEON ist als kleiner Korse auf dem Schoß einer Frau an die Kriegsstraße zurückgekehrt. Die Schauspielerin Maria Falkenhagen diente als Modell. | Foto: jodo

Kriegsstraße diente als Umgehung des Fächers

Napoleon liegt an der ersten Südtangente

Wenn der Frühling kommt, wird die Kriegsstraße umgestaltet: Auf ihrem Abschnitt zwischen Mendelssohnplatz und Karlstor verändert sich bis Ende 2021 das Stadtbild einschneidend. Nur die Lage und der Namen der Straße werden bleiben.

Napoleon im Garten

Auch Napoleon behält seine Position im Garten einer Villa an der Kriegsstraße. Dort liegt der Imperator in Bronze an der Brust einer Frau. Peter Lenk, der berühmte Kunstprovokateur vom Bodensee, ist der Schöpfer dieser verfremdeten Pieta. Zwei Höllenhunde bewachen den Kaiser auf dem Schoß einer schönen Badenerin hinter dem Gartenzaun der Altersresidenz an der Kriegsstraße.

 

Zwei Höllenhunde bewachen Napoleon
DIE HÖLLENHUNDE machen an der Kriegsstraße nicht den Lärm. Der Künstler Peter Lenk hat sie Napoleon als Wachen zugeordnet. | Foto: jodo

Tunnel nach 218 Jahren

Spielt doch Napoleon, der Kaiser und größte Kriegsherr der Franzosen, von Anfang an und auch in Zukunft eine wichtige Rolle für Karlsruhes heutige City-Autobahn. Die Geschichte der Kriegsstraße beginnt vor 218 Jahren als Umgehung des Fächers. Sie war die erste Südtangente Karlsruhes. Damals grenzte die Fächerstadt im Süden am Karlstor, am Ettlinger Tor und am Rüppurrer Tor an Feld, Wald und Wiese. Die Kriegsstraße wird 2017 in aller Munde sein, was sich 2016 mit über zwei Jahren Verspätung angebahnt hat: Ab April wird am Autotunnel für den Durchgangsverkehr gearbeitet.

Die Kriegsstraße wird ab April umgebaut. Auf Höhe des Nymphengarten geht es los.
DIE BRÜCKE am Bundesgerichtshof steht nur noch diesen Winter. Im Frühling beginnt dort der Bau des Autotunnels für den Durchgangsverkehr in der Kriegsstraße. | Foto: jodo

Bis 2021 soll sich die City-Autobahn von einer 50 Jahre alten Betonschneise in einen grünen Stadtboulevard verwandelt haben. Diese zweite Komponente der Kombilösung kommt bei den Bürgern schon immer viel besser an als die U-Strab. Trotz der enormen Verkehrsbehinderungen auf der City-Autobahn in den kommenden fünf Jahren scheint sicher, dass die Karlsruher gerne ihren Frieden mit dem Ende der den Stadtkern teilenden Kriegsstraße schließen.

 

Das Ettlinger Tor ist schon eine Baustelle.
DIE UMGESTALTUNG der Kriegsstraße in einen Boulevard mit verminderter Trennwirkung steht bevor. Am Ettlinger Tor herrscht noch U-Strab-Bau-Betrieb. | Foto: jodo

Warum den Krieg im Namen?

Warum dann aus der Kriegsstraße nicht eine Straße des Friedens machen? Immer wieder hadern seit Ende des Zweiten Weltkriegs Menschen damit, warum ausgerechnet in ihrem doch friedliebenden Karlsruhe von heute die Hauptachse unverändert Kriegsstraße heißen muss. Nur noch die Kenner der Stadtgeschichte wissen heute, dass der Begriff „Kriegsstraße“ nicht einem kriegerischen Geist der Briganden selbst entspringt. Diese Straße sorgte vielmehr dafür, dass Kriegerisches an der Fächerstadt vorbeizog. Wie war das also eigentlich vor über 200 Jahren mit der Kriegsstraße – und warum heißt sie überhaupt so?
Im Sog Napoleons
Napoleon veränderte damals Europa. Der Alleinherrscher setzte mit militärischer Macht und dynastischer Diplomatie die von der Französischen Revolution geerbte Idee vom modernen Staat im Eilmarschtempo auf dem Kontinent durch. Baden – Verbündeter bis kurz vor dem Sturz Napoleons 1815 – profitierte im Windschatten seines Siegeszuges bis vor Moskau. Aus der Markgrafschaft wurde das Großherzogtum. Das Land zahlte aber auch einen hohen Preis. Tausende badische Soldaten starben für Napoleons Größenwahn in den Schlachten: Aus seinem Russlandfeldzug kehrten nur 144 von 6 700 Mann nach Karlsruhe zurück. Damit das ständige Marschieren der Truppen reibungslos an Stadt und Schloss Karlsruhe vorbeigehen konnte, wurde zwischen 1799 und 1805 sowie 1809/1810 außerhalb der Stadttore die Kriegsstraße als Umgehungsroute für die durchziehenden Kriegstruppen angelegt. Nach Einschätzung der Stadthistoriker „diente sie dem Schutz der Bevölkerung“.

Peter Lenk sorgt für Aufsehen

Seit zwölf Jahren hat auch der Kaiser, der selbst natürlich im Karlsruher Schloss abstieg, wie seine Soldaten vor über 200 Jahren die Kriegsstraße gefunden. Dort ruht Napoleon in den Armen einer Frau, direkt am Eingang zur „Seniorenpflege in der Residenz“.

Napoleon an der Brust
Napoleon ruht an der Brust. | Foto: jodo

Acabelle de Fleur heißt die Herberge für Karlsruher Veteranen in der ehemaligen Krupp-Villa an der Ecke von Kriegs- und Leopoldstraße. Inhaberin Christel Amann hat den Napoleon zusammen mit ihrem verstorbenen Ehemann bei dem von ihnen verehrten Bildhauer Lenk am Bodensee entdeckt. „Das erste Exemplar aus Stein steht im Garten des Gasthauses Krone in Überlingen“, berichtet Amann. „Der Napoleon hat mir sofort so gut gefallen – und dann passt er doch auch so gut zur Kriegsstraße“, erklärt sie. Lenk provoziert mit seinen längst berühmten Werken wie der Riesenplastik von der Hure Imperia am Konstanzer Hafen. Mancher Bürger nimmt an Lenks zotiger Plastik Anstoß, doch sehr viele Menschen fühlen sich von der freizügigen Monumentalkunst stark angezogen.