EINE NEUE ORTSCHRONIK schufen Neuburgweierer Autoren mit Unterstützung von Journalist Klaus Müller (dritter von rechts). Das Werk „800 Jahre Neuburgweier“ wurde jetzt vorgestellt. | Foto: jcw

Buch von Klaus Müller

Neue Ortschronik Neuburgweier

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„Eine Dorfchronik von Bürgern für Bürger“, auf diesen kurzen Nenner kann das neue „Geschichtsbuch“ über Neuburgweier gebracht werden. Es ist eine gelungene Gemeinschaftsleistung. Die eindrucksvolle Vorstellung des knapp 100 Seiten umfassenden Werkes am Donnerstagabend in der Festhalle Neuburgweier zeigte dies. Klaus Müller, in der Region bekannter Journalist und Mitarbeiter der BNN, hat sein Ziel erreicht, eine etwas andere Ortschronik zu verfassen.

Eine etwas andere Chronik

Dies führte Ortsvorsteher Gerhard Bauer schon bei den einführenden Worten zur neuen Chronik aus Anlass des 800-jährigen Bestehens aus: „Es war von Anfang an Ziel Klaus Müllers für die neue Ortschronik, eine Mischung aus Historie sowie interessanten und humorvollen Geschichten über Neuburgweier zu entwickeln“. Dem Werk tue es gut, dass der Autor Müller nicht in trockenem Geschichtsdeutsch geschrieben habe, sondern in unterhaltsamen und informativen journalistischem Stil. Was dem Lesebuch über das Dorf, das erstmals 1219 urkundlich erwähnt worden ist, nicht allein gut tut. Ähnlich gut ist für das im Verlag Regionalkultur erschienene, reich illustrierte und bebilderte Buch das aktive Mitwirken vieler Rheinstettener, insbesondere Neuburgweierer Persönlichkeiten, mit ihren Aufsätzen, Geschichten und Anekdoten. Beispielhaft standen dafür an dem Abend, den ein Septett des Musikvereins Neuburgweier musikalisch begleitete, die kurzen Lesungen von Autoren wie Bürgermeister a. D. Kurt Roth, Hans Bodrogi, Pius Schwarz, Gerhard Bauer und Doris Wesseling.

Rheinstettener Persönlichkeiten schreiben eigene Beiträge

Roth las seine Geschichte von den „Knitze Weierern“ und den „verkappten Pfälzern“. Der Menschenschlag zeichne sich durch Bodenständigkeit und Weltoffenheit gleichermaßen aus. Und Bodrogi trug seine zu Herzen gehende Familiengeschichte vor – von Flucht aus Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg und Ankommen in Neuburgweier mit vielen Hindernissen.
Pius Schwarz, familiär schon immer in dem kleinen Rheinstettener Stadtteil zu Hause, berichtete wie die Lettenlöcher bei Neuburgweier zu ihrem Namen gekommen sind. Und von Wesseling, frühere Leiterin der Rheinwaldschule, erfuhren die Zuhörer über pädagogische Neuausrichtungen in der seit rund 100 Jahren bestehenden Schule. Und manche nette Kindheitsgeschichte aus der Zeit der ehemaligen Milchzentrale auf dem Rathausplatz wusste Bauer zu präsentieren.

Klaus Müller befasst sich mit dem „Schremppe Karl“

Zu guter Letzt hatte sich Autor Klaus Müller der Figur des „Schremppe Karls“, bürgerlich Karl Schindele, angenommen, dem letzten Ortsbüttel von Neuburgweier. Dessen „Schell“ von damals hatte er dabei, als er erzählte wie in den 50er und 60er Jahren die Neuburgweierer Bürger mangels Amtsblatt noch die amtlichen Bekanntmachungen durch einen „Ausrufer“ erhielten.
Die neue Ortschronik ist schlüssig gegliedert in die Teile „Historie“, „Schlaglichter“, „Rhein“, „Nationalsozialismus“, „Schule“, „Vereine“, „Wirtschaften“ „Kirche“, „Gemeindereform“ und „Personen/Ereignisse“.

Heimatgedichte lockern Inhalt auf

Sie ist gespickt mit einigen netten Heimatgedichten, so von Gertrud Schindele aus dem Jahr 1975. Sie zeichnet sich durch hervorragende historische Beiträge von Stadtarchivarin Annelie Lauber aus. Es ist nicht nur für einheimische Bürger lesenswert, sondern für Menschen aus der ganzen Region, die Spaß an historisch Unterhaltsamen haben und Zusammenhänge gesellschaftlicher Entwicklungen besser verstehen wollen. Bleibt noch anzumerken, dass die vielen privaten historischen Bilder, Zeichen für das große Interesse der Neuburgweierer an ihrer 800-jährigen Geschichte sind.

Service
Klaus Müller – 800 Jahre Neuburgweier Herausgeber: Stadt Rheinstetten; 96 Seiten mit 112, zumeist farbigen Fotos, ISBN 978-3-95505-141-9, Euro 14,90.