Voll war die Innenstadt beim 39. Marktfest in Ettlingen. Der Samstagabend war von der Gästezahl her am stärksten. | Foto: Bentz

Musik bis spät in die Nacht

Nicht nur die Temperaturen passen: Menschenmassen beim Ettlinger Marktfest

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Menschenmassen beim Ettlinger Marktfest in der historischnr Altstadt: Die Sause  von Vereinen und Gastronomie findet ihr Publikum. Vor allem am  Samstag ging bis spät in die Nacht die Post ab.

Von Jürgen Hotz

Am Hugo-Rimmelspacher-Platz beim Schloss geht es skandinavisch zu. Steffen Niederhöfer und Ralf Beierlein vom Hundesportverein Ettlingen kontrollieren am Samstagabend  beim Marktfest den Garverlauf ihrer Flammlachse, die auf Buchenbrettern am Feuer schmoren. 50 Kilo Lachs am Tag gehen weg, die lange Schlange am Stand ist Beweis dafür.

Lange Schlangen: Gäste haben Hunger

„Das Marktfest wird kleiner, weniger Vereine engagieren sich“ ist Niederhöfers Eindruck. Es sei schließlich der Sinn der Sause, dass Vereine die Möglichkeit haben, ihre Kasse aufzubessern. Im Vergleich zur lokalen Gastronomie könnten sie sich keine teure Band leisten. Dennoch seien sie sehr zufrieden. Denn die Besucher kommen in Massen und sie haben Hunger… Und der Festanfang schon freitags habe sich bewährt. Dann spießt er den nächsten Lachs auf.

Klänge von Deep Purple

Hinter der Martinskirche dreht sich ein Kinderkarussell mit Las-Vegas-reifer Glühbirnenausstattung und bietet Runde um Runde Spaß für die ganz Kleinen beim Marktfest. Gleich daneben beim Albgau-Musikzug Ettlingen lüftet die Formation HardCover ordentlich das Zelt mit „Woman from Tokyo“ von Deep Purple. „Die Tanzfläche werden wir auf die Straße verlegen!“ kündigt Bassist Waldemar an. Das Zelt ist voll besetzt – vom jungen Mann mit Siebzigerjahre-Mittelscheitel und langen Haaren bis zur Endfünzigerin im Pailetten-Top. „Wir sind ein Insidertipp!“ freut sich Michael Hutt, der Musikervorstand, „wer gut Champignons essen will, kommt zu uns.  Aus dem Rund des Stadtgartens erklingen derweil stampfende Trommeln: Der Hit der 1970er-Jahre „In Zaire“ wird da gesungen von der Band „In-Kognito“ mit ihrer kraftvollen Sängerin Susanne, die unzählige Gäste zum Tanzen bringt.

Sicherheitsdienst hat Lage im Griff

Es komme schon vor, dass jemand in die gesperrte Zone fahren wolle, aber, so der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes am Stadteingang, „heute Abend ist es aber ruhig“. Er hat die Lage im Griff.  Die Formation 6th Element aus Pforzheim mit perfektem Sound, die vor dem Rathaus die Menge mit Billy Idols „Rebel Yell“ aufpeitschen, verteilen Leuchtstäbe und sorgen für Festivalstimmung. Man fühlt sich wohl. Alles passt bei diesem Marktfest – auch die spätsommerlichen Temperaturen.

Jugendliche mögen die Kegelbahn

„Wir zeigen unseren Sport“ sagen Heidi Speck und Vorsitzender Klaus Kübel vom Keglerverein, die neben ihrer Bar eine Kegelbahn aufgebaut haben, die von Jugendlichen gut angenommen wird. Ihr Wunsch: „Mehr Toiletten im Zentrum und mehr Unterstützung der Vereine durch die Stadt.“Am Neuen Markt kann man Elvis’ Stimme hören. The Hot Rolls aus Karlsruhe in Bowling Shirts drehen richtig auf. Brillen in Schmetterlingsform, die Röcke nach außen gestellt: Gleich fliegen die Petticoats! Und dann wirbeln stilecht gekleidete Paare übers Pflaster zu „Great Balls of Fire“.

Partnerstädte servieren Spezialitäten

Im Schlosshof auf der „Europäischen Meile“ serviert Brian Chislett aus Clevedon in Butlerlivree „Pimm’s“- mit Gurke und Zitrusfrüchten, einen Drink,  den auch die Queen gern hat. Vera de Cock und Freddy Deschacht aus Middelkerke zapfen derweil belgisches Bier. Cristina und Antonino Montalbano vertreten Menfi mit biologischen Artischocken und Olivenöl. Präsidentin Marie Choquet und Winzerin Joelle Hennequin aus Epernay kredenzen Champagner, der  wie immer beim Marktfest  hervorragend nachgefragt ist. Piroggen und Wodka offeriert die Deutsch-Russische Gesellschaft mit Reinhard Zinburg, Gabriele Umbach-Kuhnke, Valeria Pianykh, Liudmila Sergeeva und Karina Iakovleva. „Wir mussten eine Riesenmenge Kaviar-Kanapees herrichten“ sagt Liudmila und lacht. Bald geht es multilingual hin und her. Eins ist klar: Das mit Europa läuft.

Meile des Ehrenamtes gut besucht

Am Sonntag dann werden vor allem Familien mit Kindern auf den Straßen und Plätzen gesichtet- an den Spielständen, etwa der Liebenzeller Gemeinde, oder auch auf der Meile des Ehrenamtes, die entlang der Leopoldstraße aufgebaut ist. Soziale Organisationen wie Diakonie, VdK, Caritas oder kirchliche Sozialstation informieren über ihre Arbeit, der Jazzclub sorgt für die passenden Töne. Und wer kein Infomaterial mitnimmt, der greift zumindest bei den give aways zu.