Andrea Nahles und ihr Vorgänger Martin Schulz stehen beim Außerordentlichen Bundesparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) auf der Bühne. | Foto: Rössler dpa

SPD-Basis zu Nahles Rücktritt

„Nie das Herz der Partei gewonnen“

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Kalt erwischt hat der Rücktritt von SPD-Chefin Andrea Nahles nur wenige sozialdemokratische Funktionsträger. Eine Kurzumfrage an der Basis  bei sozialdemokratischen Funktionären im südlichen Landkreis Karlsruhe ergab dies.

Kurzumfrage bei SPD-Funktionären in Ettlingen und Umgebung

Simon Hilner, SPD-Stadtrat in Ettlingen: „Wir haben in den vergangenen Tagen schon mitverfolgt wie es in der SPD-Bundestagsfraktion rumort. Ein Blick in die Social Media hat doch gezeigt, dass die Hälfte der Fraktion schon gegen Andrea Nahles eingestellt ist. Nahles Entscheidung ist richtig, weil sie zu viele Fehler gemacht hat.“ Das Thema Klimaschutz sei von den großen Parteien, das gelte auch für die CDU, richtig verschlafen worden. Hilner: „Die Zeiten sollten vorbei sei, in denen man für 50 Euro und zurück nach Malle fliegt.“

Simon Hilner 20198, neuer SPD-Vorsitzender Stadtverband Ettlingen

Die Zeiten sind vorbei, in denen man für 50 Euro nach Malle und zurück fliegt

René Asché, Sprecher der SPD-Fraktion im Ettlinger Stadtrat, wurde nur insoweit kalt erwischt, dass er am Sonntag urlaubshalber die Nachricht vom Rücktritt von Nahles erst von den BNN Ettlingen erfuhr: Er sei von der Art und Weise, wie die SPD-Vorsitzende in seiner Partei behandelt worden sei, persönlich getroffen. „Das geht schon ans Herz. Ich hätte mir gewünscht, dass mit offenem Visier mit ihr umgegangen wird“, bekräftigt Asché.

Wurde Nahles schlecht behandelt?

Nahles habe mit der Übernahme von Partei- und Fraktionsvorsitz in äußerst schwieriger Zeit für die Sozialdemokratie große persönliche Verantwortung getragen. Dies sei anerkennenswert und erfordere Respekt. Gleichwohl habe sie nie das Herz der Partei gewonnen, dies gelte auch bei ihm als einfaches Mitglied. Die SPD habe in der Vergangenheit einiges für den Klimaschutz getan. Ein Stichwort sei das „Erneuerbare Energien Gesetz“.

René Asché, Vorsitzender der Ettlinger Gemeinderatsfraktion | Foto: Archiv BNN

Das geht schon ans Herz

 

 

Im Gegensatz zu den Grünen habe bei der SPD aber das Soziale Priorität. Es komme in Zukunft auf eine gute Kombination mit dem Klimaschutz an, der sofort an zweiter Stelle folge.
Gerhard Bauer, Stimmenkönig bei der Kommunalwahl 2019 in Rheinstetten und SPD-Stadtrat: „Wenn wir Politik nah am Bürger machen und ideologisch nicht zu aufgeladen sind, geht es auch wieder aufwärts.“ Mit dem Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ könne man große Teile der sozialdemokratischen Klientel zurückgewinnen. Die SPD müsse die Sorgen der Bürger noch ernster nehmen.

Gerhard Bauer SPD Rheinstetten | Foto: Archiv BNN

Es geht auch wieder aufwärts

 

 

Franz Masino, SPD-Bürgermeister aus Waldbronn: „Die SPD hat keine schlechte Arbeit geleistet. Wir zeigen nur zu wenig Kante.“ Worauf es jetzt ankomme, sei ein richtiger personeller Neuanfang. Und „klarer Kante“ versteht Masino, der für die Einführung der Grundrente ist, dass den Menschen gesagt wird, was sie konkret in „Heller und Pfennig“ bekommen. Und das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ müsse viel konkreter angegangen werden.

Franz Masino , SPD-Bürgermeister von Waldbronn | Foto: kdm

Wir zeigen zu wenig klare Kante

 

 

Reinhard Haas, SPD-Fraktionsvorsitzender im Karlsbader Gemeinderat, meinte zum Rücktritt von Nahles: „Wir sind erleichtert. Das war die richtige Entscheidung.“ Der oder die neue Vorsitzende müsse viel Lebens- und Berufserfahrung mitbringen. Nahles könne man zubilligen, dass unter ihr der Erneuerungsprozess der Partei angestoßen worden sei. Aber der müsse jetzt entschieden zu Ende geführt werden, auch unter dem Gesichtspunkt, dass es die typischen Arbeiter, „die uns fast 150 Jahre gewählt haben, eigentlich kaum noch gibt.“

Reinhard Haas, Sprecher der SPD-Gemeinderatsfraktion | Foto: Gustl Weber

Die typischen Arbeiter, die
SPD gewählt haben, gibt es kaum noch

Ihn stimme hoffnungsfroh, dass trotz der politischen Großwetterlage für die Grünen und der herben Verluste der SPD bei den Europawahlen man hier vor Ort einigermaßen bei den Kommunalwahl stabil geblieben sei. Wichtig sei für die SPD wie auch für die übrige Gesellschaft die Themen „Gemeinsinn und Zusammenhalt der Menschen“ stärker in den Mittelpunkt der politischen Diskussion zu stellen.