Norbert Mai tritt zur Bürgermeisterwahl in Bad Herrenalb nicht mehr an. | Foto: Archivfoto Fabry

Nach 16 Jahren in Herrenalb

Nobert Mai hört als Bürgermeister auf

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Für Bürgermeister Norbert Mai ist nach 16 Jahren ist Schluss. Auf dem Neujahrsempfang am 13. Januar in Bad Herrenalb  will er offiziell erklären, bei der  Bürgermeisterwahl im Herbst  nicht mehr anzutreten. Der 64-Jährige könnte zwar noch einmal eine Amtszeit amtieren, doch  „aus Altersgründen ist Schluss“. Überhaupt meint Mai, dass sein Abgangstermin für die Kommune „ideal“ sei. Denn einige Monate  zuvor sei Kommunalwahl. Damit seien auch neue Entscheidungsprozesse möglich.

Geordnetes Rathaus für Nachfolger

Der alte Gemeinderat habe mit dem jüngst verabschiedeten Stadtentwicklungskonzept mit einer klaren touristischen Ausrichtung eine gute Grundlage dafür geschaffen. Sein letztes Amtsjahr will Mai nutzen, ein möglichst geordnetes Rathaus für seine(n) Nachfolger(in) zu hinterlassen. Positiv sieht er, dass es gelungen sei, 2018 aufgrund von Steuermehreinnahmen bei den Stadtwerken bestehende Schulden (rund 2,2 Millionen Euro) zu tilgen.

Was wird aus der Siebentälertherme?

Ende Januar beabsichtigt er, dem Gemeinderat eine Beschlussempfehlung für die Zukunft der Siebentälertherme vorzulegen. Trotz der brisanten finanziellen Lage bei einem jährlichen Verlust von rund einer Million Euro ist er gegen eine Schließung der Einrichtung. Für Mai ist das Bad ein Teil der Identität des Tourismusstandorts Bad Herrenalb. „Unsere Kurstadt ist durch das Thermalbad groß geworden.“ Deshalb sei es richtig, noch einmal finanziell ins Risiko zu gehen, um die Zukunft der Siebentälertherme zu sichern.

Es gibt keinen privaten Investor

In Hinblick auf einen privaten Investor hat Mai aktuell keine Hoffnungen, fündig zu werden. „Es gibt keinen Investor, der sich Risiken aussetzen möchte. Risiken werden gerne bei den Kommunen abgeladen“, sagt Mai zu der jetzt bevorstehenden Weichenstellung. Er spricht sich dafür aus, kräftig in eine Saunalandschaft und Wellness zu investieren: „Jedes Kuhdorf hat touristisch aufgerüstet. Da darf ein Tourismusstandort wie Bad Herrenalb nicht zurückstehen.“

Investitionen  in Kinderbetreuung

Viel werde die Kurstadt 2019 in die Kinderbetreuung investieren. Allein für den Neubau eines gemeinsamen achtgruppigen Kindergartens für die beiden Ortschaften Neusatz und Rotensol würden Millionen  Euro in den Herrenalber Etat eingestellt. Während das bisherige Neusatzer Schulgebäude, das für einen der beiden alten Kindergärten genutzt wurde, eine erweitere Vereinsnutzung angedacht ist, wird der Kindergarten in Rotensol abgerissen und vermutlich einer Wohnbebauung zugeführt.

Bebauung erworbener Grundstücke

Aktiv möchte sich Mai noch um die Bebauung der beiden jüngst von der Kurstadt erworbenen Grundstücke schräg gegenüber des Kurhauses (Kurpromenade) und oberhalb (ehemaliges Hotel Bonsai) kümmern. Desgleichen um die Nutzung des beim Lacherareal erworbenen Geländes. So müsse auch eine Lösung für die Stellplatzprobleme an Wochenenden gefunden werden. Dann kommen hunderte Naherholungssuchender aus dem Tal mit ihren Autos hoch in die Kurstadt kommen. Sie wollen  die durch die Gartenschau aufgewertete städtische Parklandschaft genießen.

Bürgerforum sieht Zukunft nicht so rosig

Andreas Tockhorn vom Bürgerforum sieht die Zukunft der Siebentälertherme nicht so rosig. Die nackten Zahlen sprächen leider eine andere Sprachen. Man müsse nur das Vorwort zum Haushaltsplanentwurfes der Kurstadt lesen. Stehe doch dort als Resümee: „Dies bedeutet eine äußerst straffe Haushaltsführung und keinerlei Spielraum für Sondermaßnahmen.“ Ohne privaten Investor sieht Tockhorn „vor lauter roten Zahlen die Zukunft schwarz“. Ganz anders sieht den Sachverhalt Christian Romoser von der CDU: „Keiner will das Bad zumachen, ich habe es von keinem gehört.“ Er könne von einer Schließung nur abraten. Die touristische Entwicklung im nahen Schömberg, wo man den Schlüssel umgedreht habe, sei ein warnendes Beispiel. Er plädiert für Mut zum finanziellen Risiko und setzt seine Hoffnungen auf Zuschüsse des Landes für das Bad.

Zenker und Fedrow werden gehandelt

Es sei auch in der Vergangenheit trotz der schwierigen finanziellen Lage der Kurstadt regelmäßig gelungen, die nötigen Gelder zur Fortführung von Einrichtungen wie die Therme zu erhalten. Ob er sich für die Nachfolge Mai interessiere, ließ Romoser  offen: „Die Frage stellt sich aktuell nicht.“ Gehandelt werden in der Gerüchteküche schon länger als potenzielle Bewerber für die Bürgermeisterwahl am 20. Oktober  die  Kämmerin Sabine Zenker, der in Herrenalb wohnende Tourismusfachmann Klaus Hoffmann oder Ettlingens Ex-Bürgermeister Thomas Fedrow.