Am Horbachpark steigen Schüler am Mittag in den Bus nach Hause. Die nächsten fünf Wochen müssen sie den Unterrichtsstoff von zuhause aus pauken.
Am Horbachpark steigen Schüler am Mittag in den Bus nach Hause. Die nächsten fünf Wochen müssen sie den Unterrichtsstoff von zuhause aus pauken. | Foto: Werner Bentz

Schul- und Kitaschließungen

Nur wenige Eltern in Ettlingen beantragen Notbetreuung wegen Coronavirus

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In keiner Kommune in Ettlingen und dem Umkreis wurden bislang mehr als 20 Kinder für die Notbetreuung angemeldet, die wegen Schul- und Kitaschließungen eingerichtet wird. Schulen bauen derweil ihre Online-Lernplattformen aus, damit die Jugendlichen auch von zuhause aus lernen können.

Es war der letzte Tag vor der Schließung von Kitas und Schulen wegen des Coronavirus: Am Montag hatten Lehrer und Betreuer in den Schulen und Kindertagesstätten in Ettlingen und Umkreis alle Hände voll zu tun. Es galt, Eltern und Schüler zu informieren und vorübergehende Lösungen für die schul- und betreuungsfreie Zeit zu finden, die zunächst bis 19. April dauern soll.

Ärzte, Polizisten oder Apotheker haben Anspruch

Die Notbetreuung, die Kommunen für Kinder von Eltern aus sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen, also beispielsweise Ärzte, Pfleger, Apotheker, Polizisten und Feuerwehrleute bieten, ist noch nicht stark nachgefragt. Bei der Ettlinger Telefon-Hotline, die bereits am Samstag besetzt war, gingen laut Oberbürgermeister Johannes Arnold bis Sonntagabend nur 16 Anfragen ein.

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Ähnlich niedrig war die Anzahl in Karlsbad: Hauptamtsleiter Benedikt Kleiner berichtet am Montagnachmittag von zehn Schülern von der ersten bis einschließlich der sechsten Klasse, die in die Notbetreuung kommen. „Die Kindergärten vermelden nach ersten Telefonaten ähnliche Anfragezahlen.“

20 Kinder in Rheinstetten, zwölf in Bad Herrenalb

In Rheinstetten wurden laut Oberbürgermeister Sebastian Schrempp 20 Kindergartenkinder für die Notbetreuung angemeldet. In Malsch sind es laut Hauptamtsleiter Heribert Reiter sieben Kindergartenkinder und ein schulpflichtiges Kind, in Bad Herrenalb wurde nach Angaben der Stadtverwaltung für zwölf Kindergartenkinder die Notfallbetreuung beantragt.

Die Jungen und Mädchen werden dort im Kinderhaus Regenbogen während der regulären Öffnungszeiten betreut. In der Falkenhausschule, wo sich die Notbetreuung auf die Unterrichtszeit erstreckt, ist laut Verwaltung noch keine Anfrage eingegangen.

Strenge Kriterien für Notbetreuung

Einige Rathäuser erklären sich die geringe Nachfrage auch durch die strengen Kriterien für die Notbetreuung: Beide Elternteile müssen nachweislich in oben genannten Berufen tätig sein und keine andere Betreuungsmöglichkeit vorhanden sein.

Aus Ettlinger Kindergärten ist Ähnliches zu hören: Markus Trunk, Erzieher im Kindergarten Regenbogen II, rechnet damit, dass voraussichtlich nur ein bis drei Kinder die „Notgruppe“ nutzen werden, die ab Dienstag angeboten wird.

Weniger als ein Drittel der Kinder besuchte die Kita am Montag

Nur in den wenigsten Fällen seien beide Eltern in systemrelevanten Berufen. Außerdem hätten viele durch die Anordnung ihres Arbeitgebers, Home-Office zu machen, auch die Möglichkeit, ihre Kinder zuhause zu betreuen. Zahlreiche Eltern hätten ihren Nachwuchs schon am Montag nicht in die Kita gebracht – von den sonst 45 Kindern waren nur 13 da. „Bei vielen passt’s, aber in einzelnen Fällen ist es eine Herausforderung“, fasst Trunk zusammen.

Einzelne Fälle sind problematisch

Als Beispiel nennt er den Fall einer Alleinerziehenden, die in einem systemrelevanten Beruf arbeitet und sich das Sorgerecht mit ihrem Ex-Partner teilt. Eigentlich wäre sie als Alleinerziehende berechtigt, das Angebot zu nutzen. Jedoch sei die Situation durch das geteilte Sorgerecht nicht ganz klar, weil theoretisch auch der Mann das Kind betreuen könnte.

Als „sehr überschaubar“ bezeichnet Lukas Bogacki, Leiter des Ettlinger Kindergartens Wiesenzwerge, die Anzahl der Kinder, die in die Notgruppe kommen. „Die meisten Eltern reagieren den Umständen entsprechend gelassen“, kommentiert er die Neuregelung.

Am Eichendorff-Gymnasium verteilt Lehrer Max Führinger am Montagvormittag Passwörter für den Zugang zum virtuellen Klassenzimmer.
Am Eichendorff-Gymnasium verteilt Lehrer Max Führinger am Montagvormittag Passwörter für den Zugang zum virtuellen Klassenzimmer. | Foto: Julia Trauden

Schulen nutzen Lernplattform Moodle

Für die Schüler, die die Notbetreuung nicht nutzen, bedeuten die Schulschließungen derweil keinen verfrühten Ferienbeginn. Die Aufgaben, die sie sonst in der Schule bearbeiten, müssen sie nun zuhause erledigen. Zahlreiche Schulen nutzen die Digital-Plattform „Moodle“, um Aufgaben und Lernmaterialien hochzuladen. So auch das Eichendorff-Gymnasium in Ettlingen. Am Montagmorgen vergab der stellvertretende Schulleiter Max Führinger dort Moodle-Passwörter an Schülerinnen und Schüler, die ihres vergessen hatten.

Diese Umstellung kann auch eine Chance sein, die Möglichkeiten zu erkennen,
die die digitale Welt uns bietet.

Max Führinger, Lehrer am Eichendorff-Gymnasium Ettlingen 

Für die verschiedenen Fächer und Klassenstufen hat Führinger Module angelegt, die jede Lehrkraft mit Unterrichtsmaterialien befüllen soll. Dazu zählen nicht nur Texte und Aufgabenblätter, sondern etwa auch Erklärvideos.

Zu jedem Modul gibt es ein Forum, in dem die Schüler Fragen stellen können. „Diese Umstellung kann auch eine Chance sein, die Möglichkeiten zu erkennen, die die digitale Welt uns bietet“, sagt Führinger. Für die 77 Abiturienten biete man auch Videokonferenzen, in denen der Lernstoff besprochen werden kann.

Weitere Informationen zum Coronavirus und der Notbetreuung gibt es auf den Internetseiten der Kommunen: www.ettlingen.de/corona; www.malsch.de; www.karlsbad.de; www.rheinstetten.de; www.badherrenalb.de. Zudem gibt es folgende Info-Telefone zum Coronavirus: Stadt- und Landkreis Karlsruhe: (07 21) 1 33 33 33.  montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 16 Uhr. Landesgesundheitsamt: (07 11) 90 43 95 55, täglich zwischen 9 und 18 Uhr.