Eine Naturidylle ist der Robberg. Aktuell werden auf vielen Grundstücken Trockenmauern saniert. | Foto: Werner Bentz

Zwist in der Naturidylle

Oberbürgermeister-Wein auf dem Ettlinger Robberg ist eine „nette Idee“

Anzeige

Viele Ettlinger lieben ihren Robberg. Direkt vor der „Türe“ der Stadt gelegen, dient er zu Spaziergängen in herrlicher Natur. Um ihn ranken sich auch viele Anekdoten. Nicht zuletzt Goethe soll mit einem humorvollen Beitrag zum dortigen Weißen Häusle dazu beigetragen haben. Auch der Genuss von  Wein mag dabei mit im Spiel gewesen sein. Aktuell gibt es dort etwas Zwist wegen Arbeiten auf einem Grundstück und „Wein-Ideen“ des Ettlinger Oberbürgermeisters.

Weite Rebfelder vor der Stadt wie auch am Robberg prägten einst den Blick auf Ettlingen für den sich nähernden Reisenden. Dokumentiert ist dies durch eine Stadtansicht kurz vor der Zerstörung Ettlingens im Jahr 1689. Nach Jahrhunderten des Niedergangs des Weinbaus, es gibt am Robberg noch einige wenige Freizeit- und Hobbywinzer, träumen einige vom kleinen Aufstieg der Weinkultur.

Drei Akteure sind aktuell dabei, auf dem durch Bismarckturm, Weißes Häusle und Panoramaweg markanten Gebiet Reben und den daraus fließenden edlen Säften zu neuer Blüte zu verhelfen: Der etwas im Dornröschenschlaf versunkene Verein Robbergfreunde ist aufgewacht. Er hat eine Weinbau AG gegründet. Sie hat sich einiges an dem Steilhang mit den von Pflanzen überwucherten, manchmal zusammengebrochenen Trockenmauern vorgenommen.

Auch interessant: Für eine Entscheidung über das Denkmal Landratsamt Karlsruhe fehlen noch immer Beschlüsse

Drei Akteure träumen von Weinkultur

Ein Neueinsteiger ist dort Sebastian Fritsche mit seinem Betrieb Weincampus. Der Ettlinger Weinbauer und Önologe träumt davon, mit Wein vom Ettlinger Robberg mit Weinorten in Kraichgau und Ortenau qualitativ mitzuhalten. Der Weinexperte will beste Tropfen aus dem Ettlinger Terroir gewinnen.

Schon eigenen Honig erzeugt

Sein Ziel: Mit edlem Saft von Lagen aus dem Weißenberg, Oberberg und Mittelberg die Spitzen-Restaurants in der Region zu beliefern. Und da wäre noch ein denkbarer Mitbewerber: Oberbürgermeister Johannes Arnold und seine Stadt. Sie liebäugeln damit, wie man hört, nach dem eigenen Honig auch den eigenen Wein erzeugen zu lassen. Das neue Leben am Robberg führt zu erstem Zwist.

Peter Burgert ärgert sich am Robberg über seinen Grundstücksnachbarn, die Stadt Ettlingen.                                                                                                 Foto: Werner Bentz

Peter Burgert, Motor der Robbergfreunde, streitet sich mit der Stadt wegen Arbeiten für Trockenmauern auf den städtischen Flurgrundstücken 1333 und 1334. Dort wolle die Stadt später einen „Oberbürgermeister-Wein“ kreieren.

Die Stadt sollte nicht
noch als Winzer auftreten.

Das geht Burgert zu weit. Tenor: Eine Stadtverwaltung habe andere Aufgaben. Die Stadt solle nicht noch selbst als „Winzer“ am Robberg auftreten, sondern dies Privaten oder Vereinen/Genossenschaften überlassen. Flurstücke für das neue städtische Vorhaben und die Burgert-Grundstücke liegen direkt beim Weißen Häusle, zwischen und nebeneinander. Für die Bearbeitung der zwei Flurstücke fuhr die Stadt beziehungsweise die beauftragte Firma über den Grund und Boden von Burgert.

„Über den Beginn der Arbeiten bin ich nicht informiert worden. Im Gegenteil, ich fand einen niedergerissenen Zaun und die Rampe für den Bagger auf meiner privaten Parkbucht auf meinem Robberg-Gelände vor. Seitdem ist der Streit eskaliert“, sagt Peter Burgert.

Auch interessant: Corona bremst Ettlinger Vereine und Kunsthandwerker aus

Zwist mit der Stadtverwaltung

Dabei habe der Umweltkoordinator der Stadt, Peter Zapf, ihm am 4. November geschrieben: „Der Beginn von Sanierungsarbeiten an den Trockenmauern dieser Grundstücke ist derzeit nicht absehbar, ….. sobald die Maßnahmen beginnen, werde ich Sie informieren.“ Nachdem Arnold im November eine nachbarschaftliche Vereinbarung bezüglich der Planungen und weiteren Arbeiten abgelehnt hatte, schrieb Burgert Ende Februar erneut an den Umweltkoordinator wegen der zwei städtischen Flurstücke.

Nachbar fühlt sich zu wenig informiert

Er wolle als Nebenlieger Auskunft erhalten. Er beklagte sich darüber, dass die dort stehende, einsturzgefährdete städtische Hütte ein Sicherheitsrisiko darstelle, Müllablagerungen von dem früheren Pächter dort lägen. Von dort verteilten sich viel Abfall auf sein Grundstück. Er verbat sich die Nutzung seiner Parkbucht für die auf dem städtischen Grundstück tätigen Firmen.

 Die Arbeiten am
Robberg bewegen sich im
rechtlichen Rahmen.

Im März antwortete der Umweltkoordinator: „Wie von Herrn Oberbürgermeister Arnold mit Schreiben vom 19. November dargelegt, gibt es keine Verpflichtung, schriftliche Vereinbarungen mit Ihnen als Nachbarn zu treffen, da sich die Arbeiten voll und ganz im rechtlich zulässigen Rahmen bewegen. Die Errichtung der neuen Trockenmauern wird ausschließlich von den städtischen Grundstücken aus geschehen.“

Burgert hat jetzt Anzeige wegen des niedergewalzten Zauns gestellt. Um die Stadt zu gut nachbarschaftlichem Verhalten zu zwingen, hat er einen Anwalt mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt. Vom Amt des Vorsitzenden der Robbergfreunde ist er zurückgetreten: „Ich will keinen Interessenkonflikt.“

OB Johannes Arnold stellte sich am Montag vor seine Mitarbeiter, insbesondere seinen Umweltkoordinator Peter Zapf: „Sie haben sich völlig korrekt verhalten.“

Auch interessant: Besuchsverbot in Pflegeheimen in Ettlingen und Umgebung wird nur zögerlich gelockert

Stadt baut auf ihrem Grundstück Trockenmauern

Die Stadt sei verpflichtet, ein komplett verwahrlostes Grundstück, das sie vom vorherigen Pächter in Eigenregie übernommen habe, wieder in einen korrekten Zustand zu bringen und die Trockenmauern instandzusetzen. Er entschuldige sich dafür, dass die mit den Arbeiten beauftragte Baufirma auf dem Gelände Burgerts mit ihren Maschinen Fahrspuren hinterlassen habe und durch die Arbeiten vermutlich der Zaun eingedrückt worden sei. Die Stadt sei bereit, dies reparieren zu lassen, beziehungsweise für während der Bauarbeiten aufgekommene Schäden aufzukommen.

Bislang ist das nur eine Idee.

Angesprochen auf den „OB-Wein“: „Natürlich hat die Stadt nicht vor, dort Weinbau größerer Art zu betreiben.“ Er habe nur einmal die Idee geäußert, Rebsetzlinge aus den Partnerstädten Epernay oder Menfi anzupflanzen. „Bislang ist dies nur eine Idee, eine nette wie ich finde“, so Arnold. Aber Grund der aktuellen Arbeiten sei der schlechte Zustand der Trockenmauern.