Zum Ersten,zum Zweiten, zum Dritten -Obstversteigerung in Neuburgweier. | Foto: jho

40 Bieter in Neuburgweier

Obstversteigerung – Walnüsse sind gesucht

Anzeige

Obstversteigerung  in Rheinstettens Stadtteil Neuburgweier: 40  Interessierte kamen in den frühen Morgenstunden und boten mit. Am Ende war der Ernteertrag von knapp 100 Bäumen weg.

Von Jürgen Hotz

Der Morgen  ist noch ist frisch, der Himmel bedeckt. Etwa 30 Leute haben sich am Treffpunkt Friedhof Neuburgweier versammelt, etliche mit Fahrrädern, wetterfester Funktionskleidung oder auch in T-Shirt und mit Shorts. Später werden es um die 40 Menschen sein, denn viele warten direkt am Baum ihrer Begierde. Die taunassen Wiesen empfehlen gutes Schuhwerk. Die Stimmung ist prächtig, die meisten kennen sich.

So mancher inspiziert die Bäume vorab

Herbert Tropschug ist zum 20. Mal mit dabei. Der Steigerer erwerbe das Recht, die Bäume, die der Stadt gehörten, abzuernten, danach gehe es an die Stadt zurück, erläutert er das Prinzip der Obstversteigerung. „Es lohnt sich schon, einen gescheiten vollen Baum zu ersteigern“ sagt Wolfgang Weber, der die Bäume vorab inspiziert hat. Jeder, der mitsteigern  wollte, konnte einen Nummernschein im Rathaus abholen,auch noch am Tag selbst.

Bezahlt wird an Ort und Stelle

Um 8 Uhr setzt sich die Karawane der Obstliebhaber nach kurzer Begrüßung durch Ortsvorsteher Gerhard Bauer zügig in Bewegung. Mit dabei sind zwei städtische Bedienstete.  André Giebelhaus als Schreiber, notiert die Nummer des Bieters, die Baumnummer und zu welchem Preis der Baum ersteigert wurde sowie Peter Merder als Kassierer, denn bezahlt wird an Ort und Stelle.

Der erste Baum geht für 50 Cent weg

Im Gewann Stockäcker, am Rande des Naturschutzgebietes, steht der erste Baum mit der Nummer acht, in Weiß auf den Stamm gepinselt. „50 Cent“ ruft es aus der Gruppe. Weil kein weiteres Gebot erfolgt, ruft Ortsvorsteher Bauer – in Personalunion Auktionator – in die Runde „50 Cent zum Ersten, … zum Zweiten, … und zum Dritten!“ Der imaginäre Hammer ist gefallen. Dann geht es Schlag auf Schlag weiter.

Brettacher ist ein guter Saftapfel

Baum Nummer 47 geht für 5,50 Euro weg. „Gut 300 bis 400 Liter Apfelsaft“ bräuchten sie schon über den Winter, sagt Dieter Hähnel. Immer wieder wird in die Äpfel kraftvoll hineingebissen, um zu wissen, wofür man steigert. Nummer 36 geht sogar für neun Euro weg. Tropschug schwört auf Brettacher („bis Ostern lagerbar“), der „ein guter Saftapfel“ sei. Das sieht auch Harry Burkart so, für den der Brettacher der „Formel 1-Apfel“ ist.

Ein Walnussbaum ist ziemlich teuer

Franz Grüner dagegen hat den Rheinischen Bohnapfel für seinen Most im Auge.
„Auf dem Balkon trocknen, knacken, einfrieren und für Kuchen oder zum Knabbern wieder herausholen“, umreißt Michael Ganßmann, den Weg der Früchte seines ersteigerten Nussbaums. Walnussbaum 120 geht nach kurzem Bieterwettstreit für 25 Euro an einen Herrn, der ihn schon etliche Jahre in Folge steigert. Nussbaum 125 dagegen, auf den ersten Blick fast identisch, bringt kurioserweise nur zwei Euro ein.

Auch jüngere Leute steigern mit

Margot Deck zahlt neun Euro für Nussbaum 128. „Die Ernte bekommen meine vier Enkel – die studieren schon.“ Leider meinten viele, die Bäume gehörten niemand und sammelten – meist im Morgengrauen – die Nüsse ein, so Bettina Mohr. Gerhard Bauer freut sich, dass „etliche jüngere Leute mit dabei sind.“ So wie Markus Knepper, der die Birnenbäume Nummer 79 und 80 am Seeufer ersteigert hat und die Früchte zu Schnaps verarbeiten will. Gegen 9.30 Uhr sind die Ernteträge von 92 Bäumen verkauft. Er rechne mit dem Ende der Auktion gegen 13 Uhr, so Bauer, denn rund 400 Bäume wollen auch erlaufen sein.

Die nächste Obstversteigerung ist in Rheinstetten-Mörsch am Samstag, 24. August, um 7 Uhr. Treffpunkt ist bei der Ampelanlage Sonnenstraße/Umgehungsstraße.