EIne unglaubliche Vielfalt an Fahrzeugen bietet das Museum von Wolfgang und Hubert Reichert (von links) in Marxzell. Darin finden sich Massen an Oldtimern – vom Feuerwehrauto über Feuerstühle bis zum Rennflitzer. | Foto: Klaus Müller

Unvergleichliche Sammlung

Oldtimer ohne Ende locken seit 50 Jahren ins Fahrzeugmuseum Marxzell

Von Klaus Müller

Pech für Karlsruhe, Glück für Marxzell: In Kurzform lässt sich so – sicherlich auch etwas abhängig vom Blickwinkel – die Gründungsgeschichte des Fahrzeugmuseums Marxzell zusammenfassen. Nicht einmal eine Aktion mit 5.000 Unterschriften schaffte es, das eigentlich in der Fächerstadt vorgesehene Museum auch dort zu etablieren. In der Fächerstadt wollte ihr Vater Bernhard ein Fahrzeugmuseum aufbauen, erinnern sich dessen Söhne Hubert und Wolfgang Reichert. Und zwar etwa an der Stelle (ehemalige Markthalle), wo sich heute das Badische Staatstheater befindet. Nein, einige Politiker der Stadt wollten nix von alten Autos wissen.

Das Abgeben fällt den Reichert-Brüdern schwer

Nur wohin mit all den vielen Fahrzeugen und anderen Exponaten, die Bernhard Reichert in den Jahren zuvor gesammelt hatte? Das übrigens zu einer Zeit, in der fast alle Altes wegwarfen, um es gegen Neues zu ersetzen. Reichert Senior dachte anders. Erst allein, dann mit seinen Söhnen fuhr er durch die Lande und sammelte so ziemlich alles ein, was sich sammeln ließ, und was seiner Meinung nach für die „Nachwelt“ erhalten werden sollte. Unglaublich, was sich da alles in alten Scheunen, auf Schrottplätzen oder vergleichbaren Geschichtsschrotthöfen fand, erinnern sich die Reicherts zurück an die Sammlertätigkeit des Vaters. Und für all das brauchte er natürlich eine Ausstellungsfläche. Fündig wurde Bernhard Reichert, tatkräftig von seiner Frau Klara unterstützt, schließlich in Marxzell im Albtal.

Sein ganzer Stolz: Museumsgründer Bernhard mit seiner Frau Klara Reichert vor dem Marxzeller Fahrzeugmuseum im Jahr 1979. | Foto: Klaus Müller

Er übernahm das alte Sägewerk an der Albtalstrecke. Das Hauptgebäude, in dem nun die Exponate Platz fanden, war aus dem Jahr 1938. Jahrzehnte später, im Jahr 2008, konnten die Reichert-Brüder eine neue Halle eröffnen.

Hunderte historische Autos und Motorräder im Fahrzeugmuseum

Nein, Zeit spielt im Fahrzeugmuseum keine Rolle. Sie ist vielmehr in den teilweise äußerst seltenen Fahrzeugen und Ausstellungsstücken festgehalten und will erst gar nicht in die viel zu hektische Gegenwart entweichen. Und das soll so bleiben. Hubert und Wolfgang haben das Sammelcredo des Vaters quasi in die Wiege gelegt bekommen: „Vieles muss einfach erhalten bleiben.“ 140 alte Autos, 170 Motorräder und sonstige Zweiräder, 23 Traktoren, 16 Feuerwehrfahrzeuge und viele historische Raritäten mehr finden sich im Museum. Als Starthilfe – und darauf sind die Reicherts heute noch stolz – gab’s vom vormaligen Landkreis Karlsruhe ein zinsloses Darlehen in Höhe von 50.000 D-Mark. Mehr Unterstützung sei ihnen jedoch nie zuteilgeworden. „Der Landrat erkannte damals schon, was für eine Bedeutung so ein Museum für die Region haben könnte“, betonen die Brüder weiter.

Sammler-Gen in die nächste Generation vererbt

In der Tat: Aus ganz Deutschland und Europa kommen die Besucher nach Marxzell, um nicht nur die unzähligen Exponate zu bestaunen, sondern auch, um die außergewöhnliche Atmosphäre des Fahrzeugmuseums zu erleben. Weggeworfen wird bei den Reichert-Brüdern eh nichts. Und verkaufen wollen sie eigentlich auch nichts – dann wäre es ja für immer weg. Das Reichert-Sammler-Gen findet sich mittlerweile ebenso in der dritten Generation. Gut so, dann kann die Geschichte des Fahrzeugmuseums und ihrer Gefährte ja weitergehen… .

Am kommenden Samstag, 2. Juni, ab 19 Uhr, wird das Jubiläum direkt im Museum mit Live-Musik sowie Speis und Trank würdig gefeiert. Tickets gibt es noch an der Abendkasse für zwölf Euro. Alle Informationen zum Marxzeller Museum im Internet auf www.fahrzeugmuseum-marxzell.d