Bunte Truppen: Die DLRG-Ortsgruppe Malsch baute ein ganzes Spielcasino auf ihren Umzugswagen und zog damit die Blicke auf sich. | Foto: Foto: Röwer

Freud und Leid nah beisammen

Fröhlicher Jubiläumsumzug in Malsch und Polizeieinsatz gegen Gewalttäter

Von Rainer Obert und Sabine Röwer

„Jetzt geht’s rund“ – so hieß beim  Umzug der GroKaGe Malsch zu ihrem 88-jährigen Bestehen am Sonntag nicht nur der Wagen des TV Malsch, das Motto war Programm bei vielen Umzugsteilnehmern. Dass es rund geht, haben offensichtlich Gruppen von Jugendlichen auch gewollt, jedoch auf gewalttätige Art und Weise. Wie die Polizei mitteilt, gab es am Rande des Umzug diverse Gewalttätigkeiten, insbesondere Jugendlicher untereinander, sowie Widerstand gegen die Staatsgewalt. Die Polizei musste Verstärkung aus Karlsruhe anfordern, um der Lage Herr zu werden.

114 Gruppen ziehen friedlich durch Malsch

114 Gruppen zogen durch den Ort, wobei das gute Wetter die halbe Miete war. Darunter 84 Fußgruppen mit farbenprächtigen Hästrägern und schaurigen Hexen sowie 17 Festwagen, die mit Stimmungsmusik beschallten. Dem Verein lagen noch mehr Anfragen umzugswilliger Gruppen vor, die Kapazitätsgrenze ist mit 114 jedoch erreicht. Angeführt vom Musikverein Malsch folgte der Gastgeber mit seinem großen Narrhalla-Wagen, von dem aus der Elferrat, Präsident Klaus Kassel, Vorsitzender Wolf-Günter Lieb, das Prinzenpaar Katja I. und Stefan II. sowie Bürgermeister Elmar Himmel Süßigkeiten ins Narrenvolk warfen.

Hingucker gab es genug: Einer davon waren die Narren der "Kibbl-Schisser" aus Renchen im Ortenaukreis.
Hingucker gab es genug: Einer davon waren die Narren der „Kibbl-Schisser“ aus Renchen im Ortenaukreis. | Foto: Röwer

Teils mit lauten Rätschen oder Saublasen ausgestattet, trieben die zahllosen Hästräger mit den entlang der gesamten Strecke stehenden Besuchern allerlei Schabernack und malten etwa die Gesichter an. Außer aus Malsch waren viele aus dem südlichen Landkreis Karlsruhe wie die Ettlinger Moschdschelle und Narrengilde, Froschbacher Moorteufel, Spessarter Eber und Welschkornnarren Forchheim mit dabei. Während unter anderem Buschbachgugge Oberweier und Chaos Moggel Schöllbronn für laute Musik sorgten, war unter den Teilnehmern der GroKaGe Ettlingenweier auch eine Pferdekutsche mit dem Prinzenpaar am Start. Hinzu kamen viele Gruppen, die von weiter weg angereist waren, wie die Narrenzunft Appenweier oder die Mohopser Göttelfingen aus dem Kreis Freudenstadt.

20 Platzverweise und Gewalt gegen Polizisten

Weniger schön waren die Ausschreitungen am Rande des fröhlichen Treibens. Dass insbesondere im Bereich Adlerkreuzung alkoholisierte Jugendliche teils massiv gewalttätig wurden, bekamen viele friedliche Fastnachtsfreunde gar nicht mit. Laut Polizei stammen die Gruppen der Unruhestifter (in der Regel bestehend aus je fünf bis 15 Personen im Alter von 15 bis 20) gar nicht aus Malsch, sondern aus dem weiteren Umfeld – speziell aus Rastatt und bis nach Bad Herrenalb. Wobei viele der auffällig Gewordenen durchaus aus vermeintlich gutem Haus stammten, so die Polizei. Der Umzug startete gegen 11.11 Uhr, zwischen 12 und 15 Uhr habe man Unterstützung aus Karlsruhe anfordern müssen, erklärte Andreas Dreiseitel vom Polizeirevier Ettlingen. Schlägereien mit Körperverletzungen, Rumgeschubse und Pöbeleien wurden vermerkt. Zwei Beamte wurden durch Widerstand gegen die Polizei verletzt. 20 Platzverweise wurden ausgesprochen, sechs Personen in Gewahrsam genommen. In der Regel stritten die unter Alkohol stehenden Jugendgruppen untereinander. „Das war nicht so, wie man sich Fasching vorstellt.“ Eigentlich habe man mehr Präsenz zeigen wollen, zusätzliche Kräfte seien aber vor dem Umzug nicht zur Verfügung gestellt worden. So waren anfangs nur elf Polizisten vor Ort.

Mädchen landet mit 1,88 Promille in Klinik

Aufgrund der Gefahrenlage mussten zehn Streifenwagen aus Karlsruhe anrücken, zehn weitere Kollegen wurden vom KSC-Spiel nach Malsch beordert. DRK und Jugendschutzteam hatten vor Ort rund 50 Einsätze, eine 15-Jährige wurde mit 1,88 Promille Alkohol im Blut ins Krankenhaus gebracht. Bei der GroKaGe ist man letztlich froh, dass die Polizei eingegriffen hat und der Umzug nicht durch Gewalt beeinflusst wurde. „Das kommt leider immer wieder vor“, bedauert GroKaGe-Pressemann Ralf Taubert im BNN-Gespräch die Auswüchse auch bei anderen Umzügen in der Vergangenheit. „Diese Leute suchen sich einfach eine Party, wo sie Randale machen können.“ Um die Fastnacht gehe es da überhaupt nicht.