Bezaubernd: Die „Illuminierten Sternen-Reisende: Die Beleuchter“ sorgten im Schlosshof für stimmungsvolle Hingucker für Groß und Klein. | Foto: Werner Bentz

Ettlinger Kulturnacht-Premiere

Pralles Leben im Schloss: Magische Stelzenläufer und Charleston im Rittersaal

Anzeige

Zu Beginn zog die Percussionstruppe „Drums and more“ von der Musikschule lautstark ins Schloss ein, danach bespielten neun Saxofonisten das Treppenhaus. Um Mitternacht beschloss die Gruppe „Agua Nova“ mit Swing und Bossa nova den Abend.

Dazwischen lagen sechs Stunden prall gefülltes Programm mit hundert Mitwirkenden an zehn verschiedenen Spielorten. Die erste „SchlossKulturnacht“ in Ettlingen, angekündigt als „Crossover“ aus Kunst, Musik, Kabarett, Tanz und Kulinarik, übertraf alle Erwartungen.

Mehr als 800 Besucher strömen

Dies gilt nicht nur für das Gebotene, sondern auch für den Besuch: Mehr als 800 Gäste sorgten bei diesem kulturellen Marathon für ein volles Schloss. Bei der Eröffnung gab Kulturamtsleiter Robert Determann, der mit seinem Team das Konzept entwickelt hatte, die Richtung vor. Man wolle alle Räume des Schlosses in der besonderen Nachtatmosphäre erlebbar machen. Den roten Faden, der alle Darbietungen inhaltlich verband, verlegte Determann 100 Jahre zurück: „Wir wollen ein kleines Kaleidoskop der Kunst aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg präsentieren, mit den damals neuen Ausdrucksformen etwa beim Chanson, dem Ausdruckstanz und der Kunst.“

Charleston im Rittersaal

Obwohl die meisten Auftritte zweimal stattfanden, konnten die Zuschauer kaum alle Stationen schaffen. Aber das war ja der Reiz: Man konnte sich sein eigenes Kulturprogramm zusammenstellen und sich zwischendurch auch beim gastronomischen Angebot stärken.
Eine Erkenntnis lieferte der Abend auf alle Fälle: In Ettlingen und der Region ist ein großes künstlerisches

Tänzchen gefällig? Die Charleston-Tänzerinnen „Anika Kopfüber und die Chorus Girls“ unter Einbeziehung des Publikums im Rittersaal. | Foto: Werner Bentz

Potenzial abrufbar. Das klassische Quartett „Revoiced“ der Karlsruher Musikhochschule entdeckte mit 15 verschiedenen Blockflöten den Reiz der Wiederholung, etwa beim „Kanon“ von Pachelbel. Die Jazzformation präsentierten allesamt Musiker aus nächster Nähe und der Ettlinger Jazzchor war mit swingenden Vokal-Nummern für sein Konzert am nächsten Samstag in der Stadthalle. Es gab aber auch stille, eindrucksvolle Momente. Freia Leonhardt aus Ettlingen erinnerte im Rittersaal mit Cellistin Isabel Eichenlaub an den Ausdruckstanz, der vor 100 Jahren seine große Zeit hatte. An gleicher Stelle bewies dann „Anika Kopfüber“ mit acht munteren jungen Damen, dass damals auch andere Tänze angesagt waren: nach einer Charleston-Einlage ließ sie die Stühle wegräumen und animierte das amüsierte Publikum zu einer Tanzstunde in Sachen „Cakewalk“.

Damen werden angeschmachtet

Die eingeladenen Gäste passten sich nahtlos in dieses Konzept ein. Das Trio „Bad Mouse Orchestra“ aus Freiburg zitierte mit Gitarre und zwei Ukulelen die Anfänge des Swing. Parallel dazu sorgte die „Live on street“ aus Hamburg mit Lichteffekten und Stelzenfiguren für magische Momente im Schlosshof. Ein Höhepunkt war sicher der Auftritt des Entertainers Jo van Nelsen aus Frankfurt mit seinem Pianisten Bernd Schmidt. Er erinnerte in seiner Show an die frechen Chansons der „Goldenen Zwanziger“. Mit „Darf ich um den nächsten Tango bitten?“ wurden die Damen angeschmachtet.
Es ist unmöglich, an dieser Stelle alle Stationen aufzuführen. Bei ihrem Schloss-Spaziergang werden die Besucher sicher auch in den Museen vorbeigekommen sein. Oder sie landeten in der archäologischen Sammlung, wo es bei Karsten Dittrich und seinen „Ettlinger Sagen“ gruselig zuging. OB Johannes Arnold erklärte, Ettlingen habe mit der „SchlossKulturnacht“ ein „neues, sehr spannendes Format“. Angesichts des Zuspruchs und der begeisterten Reaktion der Besucher ist das Fazit einfach: Premiere gelungen.

von Henner Klusch