Nikolas Karanikolas aus Rheinstetten begleitet die deutsche Delegation im Herbst zur UN-Generalversammlung nach New York. Er wird dort auch eine Rede halten. | Foto: Niklas Benninghof

Nikolas Karanikolas

Rede vor der UN-Generalversammlung

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Vor einer Woche wurde Nikolas Karanikolas als Kandidat der SPD in den Gemeinderat seiner Heimatstadt Rheinstetten gewählt. Wenn er dort vielleicht bald seine erste Rede halten wird, dann kann er schon ein bisschen üben für einen Auftritt, der womöglich noch etwas aufregender sein wird: Im Oktober darf der 20-jährige Student als einer von zwei deutschen Jugendvertretern einen Vortrag in New York halten. Und zwar nicht irgendwo in New York, sondern in der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Sieben bis acht Minuten lang wird sein Auftritt dauern und in diesen paar Minuten wird Nikolas über die Wünsche und Vorstellungen der Jugendlichen in Deutschland reden – er ist praktisch „die Stimme der in Deutschland lebenden Jugend bei den Vereinten Nationen.“

Schon als Kind aktiv

Schon vor zwei Jahren berichtete der SONNTAG über das bemerkenswerte ehrenamtliche Engagement des jungen Mannes, der bereits als Kind gegen Not und Armut in der Welt gekämpft und als Schüler das Projekt „Childhood For Children“ gegründet hat. Unter anderem wegen dieses Projekts wurde er nun – gemeinsam mit der 19-jährigen Josephine Hebling aus Freiburg – zum offiziellen Jugenddelegierten ernannt. Das Programm wird von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) und dem Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) organisiert und vom Auswärtigem Amt und dem Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt. Die Träger unterstützen die Jugenddelegierten in ihrer Arbeit organisatorisch, inhaltlich und finanziell, beispielsweise bei anfallenden Reisekosten. Darüber hinaus steht die DGVN den Jugenddelegierten mit Expertisen zu den Vereinten Nationen zur Seite und das DNK bietet den Kontakt zu Jugendverbänden in Deutschland.

Große Deutschland-Tour

„Ich glaube, wir sind die zwei jüngsten Jugenddelegierten, die es jemals gab“, sagt Nikolas, der in den kommenden Wochen gemeinsam mit Josephine auf große „Deutschland-Tour“ geht. „Wir wollen erfahren, was junge Leute in Deutschland bewegt und was sie zu verschiedenen politischen Themen zu sagen haben. Letztendlich müssen wir die Anliegen der deutschen Jugendlichen kennen, um diese auch angemessen bei der UN vertreten zu können“, erklärt der gebürtige Karlsruher, der sein Studium in Frankfurt (Politik, Wirtschaft und Philosophie) während dieser Zeit etwas „zurückfahren“ muss.

Workshops und Diskussionen

„Auf unserer Tour treffen wir uns mit Schulklassen, Pfadfinderverbänden, politischen und kirchlichen Jugendorganisationen, Gruppen in Jugendzentren“ – sprich: mit einer vielfältigen Bandbreite an jungen Menschen. Für ihre Treffen bereiten Josephine und Nikolas jeweils einen Workshop, eine Diskussion oder einen Vortrag vor, bei dem Themen wie Bildung, Chancengerechtigkeit oder soziale Benachteiligung im Mittelpunkt stehen: „Themen also, von denen junge Menschen auf der ganzen Welt in besonderem Maße betroffen sind.“ Ziel der Tour ist es, Forderungen von jungen Menschen in Deutschland zu sammeln, die dann bei den Vereinten Nationen in New York zur Sprache gebracht werden. „Außerdem schaffen wir uns durch die Deutschlandtour eine Legitimation, um bei den UN das Sprachrohr der Jugendlichen sein zu können“, sagt Nikolas. Deshalb arbeiten die beiden auch an einer Resolution mit, die am Ende verabschiedet werden soll.

Rede in New York

Hinter der Rede vor der Generalversammlung steckt übrigens ganz schön harte Arbeit. Nach der inhaltlichen Entscheidung für bestimmte Themen zirkulieren endlose Versionen zur sprachlichen Korrektur zwischen den Jugenddelegierten und den Trägern. Zuletzt wirft noch die für die Jugenddelegierten verantwortliche Diplomatin einen Blick auf das Dokument. Einige kleine sprachliche Änderungen müssen im Zweifel noch gemacht werden, schließlich darf und will man ja keinen anderen Staat unnötig brüskieren.
Die Amtszeit der beiden deutschen Jugenddelegierten dauert genau ein Jahr und endet am 29. Februar 2020. „Unsere letzte Amtshandlung wird dann sein, bei der Auswahl unserer Nachfolger mitzuwirken“, sagt Nikolas.

Info: Schulklassen, Jugendverbände oder Jugendzentren, die eine Station während der Deutschland-Tour von Nikolas und Josephine werden wollen, können sich im Internet bewerben: www.jugenddelegierte.de. Weitere Infos gibt es auf www.dgvn.de.