Das Dach am Gebäudeensemble Alte Schmiede ist vor einigen Monaten eingestürzt. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes steigen dadurch weiter. | Foto: Trauden

Verein will Gebäude sanieren

Rettungsversuch oder „Lobbyismus“? Zweifel an Engagement der Freien Wähler für Alte Schmiede in Malsch

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In einem neuen Verein, der sich für den Erhalt der Alten Schmiede in Malsch einsetzt, sind auch zwei Vertreter der Freien Wähler im Gemeinderat. Das sorgt bei anderen Kommunalpolitikern für Verwunderung – schließlich hätten die Freien Wähler das Projekt doch jahrelang blockiert.

 „Vom Saulus zum Paulus in nur einem Jahr“, kommentiert der ehemalige SPD-Gemeinderat Erich Fehr auf Facebook. Der plötzliche Sinneswandel lasse vor allem Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Markus Bechler, aufkommen, so Fehr weiter: „Für den neuen Verein ist dies sicherlich nicht hilfreich!“

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Was war geschehen? 2008 hatte die Verwaltung das leer stehende Gebäudeensemble in der Kreuzstraße, zu dem neben der alten Schmiedewerkstatt auch ein benachbartes Wohnhaus mit Scheunentrakt gehört, für 123.500 Euro gekauft.

Ein Gebäude mit Geschichte: Für die Alte Schmiede in Malsch wurden schon viele Zukunftsmodelle diskutiert – weil die Kosten am Ende die Erwartungen aber deutlich überstiegen, beschloss der Gemeinderat im September 2019 den Verkauf. | Foto: Trauden

Mehrere Ideen für Nutzung

Es folgten mehrere Konzeptionen für die zukünftige Nutzung. Unter anderem wollten die Heimatfreunde dort ein Museum einrichten, der CulturClub meldete Interesse an einem Veranstaltungsraum an.

Kosten stiegen immer weiter an

Der Architekt Volker Friedmann wurde mit einer Entwurfsplanung beauftragt, die der Gemeinderat 2013 beschloss. Man ging damals von 670.000 Euro Investitionskosten aus. Mit einem neuen Planungsentwurf kletterten die zu erwartenden Kosten 2016 auf 970.000 Euro.

Hier ging der Schmied, der das Gebäude in Malsch einst bewohnte, bis in die 1960er-Jahre hinein seiner Tätigkeit nach. | Foto: Heimatfreunde Malsch

Antrag der Freien Wähler zu Sanierungsende (2018)

Im Juni 2018 stellen die Freien Wähler im Gemeinderat den Antrag auf Ende der Sanierung der Kulturscheuer. CDU, SPD und BfU/Grüne lehnten ihn ab. Die Christdemokraten regten einen Kostendeckel von 1,2 Millionen Euro an.

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Neun Monate später war aber auch ihre Geduld erschöpft. Als im April 2019 über Vergabe von Rohbauarbeiten an der Alten Schmiede/Kulturscheuer in Höhe von 230.000 Euro entschieden wurde, votierten die CDU-Räte zusammen mit den Freien Wählern dagegen.

Bewilligungszeitraum für Fördergelder lief aus

Die Landesförderung, mit der man fest gerechnet hatte, war nicht mehr zu bekommen. Der Bewilligungszeitraum endete im April 2020, der Bau hatte immer noch nicht begonnen. Eine erneute Fristverlängerung? Ausgeschlossen.

Im September 2019 schließlich kam die Kapitulation: Auf Antrag der CDU stimmte der Gemeinderat bei sechs Enthaltungen zähneknirschend für den Verkauf des Gebäudeensembles.

Das ist Lobbyismus,
das ist Propaganda.

Thomas Kastner, CDU-Fraktionschef

„Der Kostendeckel ist weit überschritten worden, außerdem gab es kein Betreiberkonzept“, erinnert sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Kastner.

Zweifel an Erfolgsaussichten des neuen Projektes

Dass es dem neu gegründete Verein, zu dem neben Vertretern der Freien Wähler auch der Chef des Malscher SPD-Ortsverbands sowie Mitglieder der Vereine Heimatfreunde und CulturClub zählen, gelingen wird, die Alte Schmiede zum Leben zu erwecken, bezweifelt er.

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Zu groß seien die baulichen und finanziellen Herausforderungen. „Das hat mit der Realität nichts zu tun“, sagt er, „das ist Lobbyismus, das ist Propaganda.“ Den Aussagen des SPD-lers Fehr stimmt Kastner voll und ganz zu: „Da gibt es nichts zu beschönigen.“

Wir haben immer die Trennung des Projektes gefordert: Alte Schmiede erhalten, aber nicht die Kulturscheuer.

Jahn Beichel, Gemeinderat (Freie Wähler)

Jahn Beichel, einer der Freien Wähler in dem neuen Verein, wirft Fehr indes vor, nicht die ganze Wahrheit zu erzählen. „Wir haben immer die Trennung des Projektes gefordert: Alte Schmiede erhalten, aber nicht die Kulturscheuer.“

Zu dieser Trennung sei es aber nie gekommen – und so habe man eben angesichts der Kostensteigerung die Beendigung des gesamten Projektes gefordert. „Das konnten wir dem Steuerzahler nicht zumuten.“

So sieht die alte Schmiedewerkstatt heute von außen aus. | Foto: Trauden

Sanierung des Wohngebäudes verursacht hohe Kosten

Die Sanierung des Wohnhauses mit Scheunentrakt sei wegen der schlechten Bausubstanz schlicht zu teuer, erklärt Beichel, warum die Freien Wähler diese Trennung unbedingt wollten.

Der neue Verein „K15 – Alte Schmiede“ schließt die Sanierung des Wohnhauses, in dem inzwischen ein Teil des Dachs eingestürzt ist, aber nicht aus. „Wenn wir die Möglichkeit und die finanziellen Mittel haben – dann warum nicht?“, sagt Beichel.

Das Dach ist inzwischen verreckt.

Ein Bürger in der Einwohnerfragestunde

Sorgen um den Zustand des Gebäudes machen sich derweil andere: Das Dach des Gebäudes sei „verreckt“, merkte ein Malscher jüngst in der Fragestunde im Rat an – wann die Gemeinde denn vorhabe, Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen?

Auftrag an die Handwerker Anfang des Jahres erteilt

„Das sind über 100 Jahre alte Eichenbalken, die gehen nicht so schnell kaputt“, beschwichtigte Bauamtsleiter Klaus Litzow. Der Auftrag sei Anfang des Jahres an die Handwerker erteilt worden – weil die momentan sehr gefragt seien, dauere es aber, bis er erfüllt werde.

 

Im Bieterverfahren soll auch das Konzept entscheiden

Zum Stand des Bieterverfahrens für den Verkauf des Gebäudes erklärte Litzow, dass man das Thema demnächst angehen werde. „Wir arbeiten die Dinge nach Priorität ab“, sagte er mit Blick auf die Corona-Situation.

„Da ist die Alte Schmiede etwas hintendran.“ Wichtig war ihm, zu betonen, dass im Bieterverfahren nicht nur der Preis entscheide, sondern auch das Konzept. „Das Paket zählt.“

In einer früherenFassung dieses Artikels wurde der erwähnte Facebook-Beitrag dem ehemaligen Malscher SPD-Gemeinderat Klaus Jung zugeschrieben. Sie stammen jedoch von seinem Parteikollegen Erich Fehr. Jung hat in seinem Beitrag auf der Facebook-Seite der SPD-Malsch lediglich die Chronologie des Projektes Kulturscheuer/Alte Schmiede wiedergegeben.