Samstags badete die ganze Familie! Daran erinnern sich etliche Besucher noch gut, erzählt die Ettlinger Museumsleitern Daniela Maier. Auch an Kinderwannen aus Zink, emaillierte Modelle oder Hochstühle mit Abdeckung fürs Töpfchen (hier aus den 1920er Jahren). | Foto: abw

Zur Ausstellung in Ettlingen

„Samstag ist Badetag“ – Kurioses und Wissenswertes zur Geschichte der Körperhygiene

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Ein Badezimmer? Für die meisten Haushalte in Ettlingen war ein eigens für die Körperhygiene reservierter Raum bis in die 1950er Jahre hinein Luxus. Reinlichkeit war den Menschen trotzdem wichtig. „Samstag ist Badetag“. Diese Devise galt in vielen Familien – nicht nur in der Stadt an der Alb. Altertümliche Wannen und Zuber, die im Ettlinger Schloss ausgestellt sind, wecken bei etlichen älteren Museumsbesuchern Erinnerungen.

Ab in die Wanne!

Es habe Spaß gemacht, als Kind zusammen mit den Geschwistern zu baden, erzählen manche. Jüngere Besucher schlucken eher, wenn sie in der Ausstellung „Sauber?“ erfahren, dass sich oft die ganze Familie im selben Badewasser reinigte – gemeinsam oder nacheinander. Aber es muss ja auch sehr mühsam gewesen sein, das Wasser im Kessel zu erhitzen, in die Wanne umzufüllen und am Ende die schmutzige Brühe wieder auszuschöpfen. Immerhin waren Wannen aus Metallblech vielseitig einsetzbar: Beim Schweineschlachten etwa konnte man sie gut gebrauchen.

Streifzug durch die Geschichte der Körperhygiene

Der Abort befand sich im Treppenhaus oder auf dem Hof. Bisweilen auch im Hühnerstall, wie bei einer Ettlingerin, die in einem Video aus ihrer Kindheit berichtet. So lange ist das gar nicht her. Die Ausstellung „Sauber? Kulturgeschichte des Badens in Ettlingen“ schlägt freilich einen viel größeren Bogen – von den ersten Siedlungsspuren an der Alb vor 4 000 Jahren bis in die Gegenwart. Dabei verquickten Museumsleiterin Daniela Maier und ihr Team stadtgeschichtliche Besonderheiten geschickt mit dem Blick auf allgemeine Entwicklungen in Sachen Körperhygiene. Das macht die Schau auch für Besucher aus der Region zum lohnenden Ausflugsziel.

Geselligkeit im Römerbad – und auf der Latrine

Ettlingen wird von der Alb geprägt. Jahrhundertelang versorgte das Flüsschen die Menschen mit Trink- und Brauchwasser. Später ergänzten Grundwasserbrunnen das Angebot. In unmittelbarer Nähe der Alb, wo heute die Martinskirche steht, wurde in römischer Zeit eine farbenprächtig ausgemalte Badeanlage errichtet. In Kalt- und Warmbaderäumen mit Fußbodenheizung ließen die Menschen es sich gut gehen. Einen Eindruck davon vermittelt ein eigens für die Ausstellung angefertigtes Modell. Nicht nur das Baden war ein gesellschaftliches Ereignis. Bei der Entleerung des Körpers gab es zu römischer Zeit ebenfalls ein fröhliches Miteinander. „Einer Badeanlage war meist eine Latrine angegliedert“, erzählt Daniela Meier. „Bis zu 20 Plätze reihten sich aneinander – ohne Trennwände.“

Körperhygiene vor 2000 Jahren: Blick auf das Modell des Ettlinger Römerbades in der Ausstellung „Sauber?“ | Foto: abw

Badegeld für den Lehrling

Geselligkeit wurde auch in mittelalterlichen Badestuben hoch gehalten. Lehrlinge erhielten von ihren Meistern oft sogar ein „Badegeld“. Auch sie sollten sich die regelmäßige Körperhygiene und Gesundheitsvorsorge leisten können. „Die Ordnung der Tuchscherer von Ettlingen aus dem Jahr 1548 sah das alle 14 Tage vor“, weiß Daniela Meier.

Pest, Syphilis und Cholera

Die Seuchen, die das Land im 14. und 15. Jahrhundert heimsuchten, führten zur Schließung vieler Badestuben – der Ansteckungsgefahr wegen. In Ettlingen hielt man an den Einrichtungen allerdings relativ lange fest. Bis 1735 ist der Betrieb einer Badestube nachgewiesen.

Trockene Toilette

Zu dieser Zeit hatte sich längst ein neuer Trend  bei der Körperhygiene durchgesetzt. Im Barockzeitalter setzte man auf die „trockene Toilette“. Feine Leute ließen sich die Haut mit Blütenblättern oder parfümierten Seidentüchern abreiben. Sauber? Aus Sicht der Zeitgenossen schon. Das stellten Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden und vornehme Besucher des Ettlinger Schlosses durch makellose Kleidung unter Beweis. Die Leibwäsche aus weißem Leinen sollte statt des „schädlichen Wassers“ Schweiß und Schmutz von der Haut entfernen. Sie wurde mehrmals täglich gewechselt. Mit kunstvoll geschnitzten Flohfallen versuchte man, sich Parasiten vom Leib zu halten.

Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden und ihre barocken Zeitgenossen versuchten, sich mit Flohfallen in der Kleidung vor Parasiten zu schützen. | Foto: abw

Entsorgung über die  „Gräbele“

Wenig einladend sind die Zustände in der Stadt, wie sie der Arzt P. J. Schneider im Jahr 1818 beschreibt. Er berichtete von Gassen, in denen sich Unrat und Fäkalien auftürmten und von „mephitischen Dünsten“. Der schlimmste Dreck wurde in privaten Sickergruben entsorgt oder über „Gräbele“ in die Alb geleitet. (Die kleinen Wasserrinnen verschwanden erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Stadtbild.)

Blick in die Ausstellung „Sauber?“ im Ettlinger Schloss: Nur wohlhabende Leute konnten sich Toilettenkommoden wie die 1805 von Carl Riemann geschreinerte leisten. Oben war Platz für Kämme, Bürsten und Puder, unten waern Nachttopf und Bidet untergebracht. | Foto: abw

Privatsache

Immerhin wurde in Folge der Aufklärung dem Wasser bei der Körperreinigung wieder ein höherer Stellenwert beigelegt. Wohlhabende bürgerliche Familien integrierten Wannen und Badeöfen in ihre Schlafzimmer – im prüden 19. Jahrhundert wollte man intime Angelegenheiten nicht mehr unter den Augen von Dritten erledigen.

Im „Küchenbad“

Weniger begüterte Leute griffen auf Eimer oder Blechschüsseln sowie mobile Badewannen aus Metallblech zurück. Die unterschiedlichsten Modelle wurden angeboten – bis hin zur Schaukelwanne, in der man per Muskelkraft ein „Wellenbad“ erzeugen konnte. Noch um 1900 war allerdings nur ein kleiner Teil der Häuser in Ettlingen ans Wassernetz angeschlossen. Man wusch sich vorzugsweise in der Küche. Die war in der Regel der einzig beheizte Raum in der Wohnung.

Wellness den eigenen vier Wänden: Die „Schaukelbadewanne“ machte um 1900 mit Muskelkraft betriebene „Wellenbäder“ möglich. | Foto: abw

Vom wöchentlichen Bad zur täglichen Dusche

Standardmäßig mit einem Badezimmer ausgestattet wurde die Wohnungen erst mit dem Wirtschaftswunder ab den 1950er Jahren. „Samstag ist Badetag“? Mit dem steigenden Bedürfnis nach täglicher Hygiene lief allmählich die Dusche dem Wannenbad den Rang ab.

Zugleich machte das Badezimmer, gerne prestigeträchtig durchgestylt, als Ort der Erholung und der Entspannung Karriere. „In Ettlingen liegt der tägliche Wasserverbrauch pro Tag und Person heute im Durchschnitt bei 120 Litern“, sagt Daniela Meier. Die badelustigen Römer hingegen brachten es Tag für Tag auf 400 Liter. Aber die legten ja auch noch keinen gesteigerten Wert auf wassersparende Technik.

Die Ausstellung „Sauber? Kulturgeschichte des Badens in Ettlingen“ ermöglicht bis 12. Januar 2019 Einblicke in die Vergangenheit und Gegenwart der Körperhygiene. Geöffnet ist die Schau im Museum Ettlingen (Schloss) mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Weitere Infos gibt es hier.