Züge am Bildschirm: Thomas Batton vom Schachklub Ettlingen misst sich momentan im Internet mit seinen Vereinskollegen.
Züge am Bildschirm: Thomas Batton vom Schachklub Ettlingen misst sich momentan im Internet mit seinen Vereinskollegen. | Foto: pr

Online-Schach

Schachvereine aus Ettlingen und Waldbronn duellieren sich übers Internet

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Viele Freizeitsportler müssen momentan auf ihr Hobby komplett verzichten, an Kontaktdisziplinen wie Fußball oder Kampfsport ist wegen der Corona-bedingten Auflagen noch nicht zu denken. Anders sieht es beim Schach aus. Auch hier dürfen sich die beiden Spieler wegen der Abstandsregel nicht direkt gegenübersitzen, doch stattdessen nutzen die Denksportler verschiedene Internet-Plattformen. Auch Weltmeister Magnus Carlsen mischt sich gerne unter dem Pseudonym DrNykterstein unter die Online-Schachfreunde.

Beim Schachklub 1926 Ettlingen trifft sich seit einigen Wochen eine Gruppe von rund zehn Leuten, um sich auf dem Schachserver LiChess zu duellieren. Auch die Trainingseinheiten unter Anleitung des ukrainischen Großmeisters Vladimir Gurevich, in der Bundesliga für den SV Hockenheim aktiv, wurden vom Clubheim ins Internet verlegt, berichtet Spielleiter Thomas Batton. Online-Schach bezeichnet er als „schöne Geschichte“, die er gerne auch in der Badewanne sitzend am Notebook betreibt.

Ich habe dauernd verloren, weil überall die Zeit ablief.

Thomas Batton, Spielleiter Schachklub Ettlingen

Auf einem anderen Server, Playchess, richtete Batton ein Blitzturnier für seine Vereinskollegen ein. An seinem Schreibtisch mit vier Bildschirmen testete er den Modus. „Ich habe dauernd verloren, weil überall die Zeit ablief“, sagt Batton. Für die Spitzenspieler des SK Ettlingen aus der Oberliga-Mannschaft ist das Online-Schach nichts Neues. Der badische Meister Jonas Rosner nahm beispielsweise zuletzt an der deutschen Internet-Meisterschaft teil.

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Stadtmeisterschaften eventuell online

Alles auffangen kann das weltweite Netz freilich nicht. So musste der SK Ettlingen seine Ende März geplanten Jugend Open absagen, und auch der Ende Juli in der Stadthalle angesetzte baden-württembergische Schulschach-Pokal mit rund 600 Teilnehmern fällt wohl der Corona-Pandemie zum Opfer.

Ob die Ettlinger Stadtmeisterschaften, vorgesehen am 24. April, eventuell online ablaufen können, soll mit den Teilnehmern abgestimmt werden.

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Variante Bullet mit extrem kurzer Bedenkzeit

Auch die deutsche Meisterschaft in der Variante Chess 960, die der Schachclub Waldbronn am 5. Juli im Kurhaus ausrichten möchte, steht auf der Kippe, wie der Vereinsvorsitzende Thomas Kapfer mitteilt. Kapfer ist einer der besten Spieler seines Clubs, beim Online-Spiel hält er sich aber zurück. „Mir ist das Persönliche lieber“, sagt Kapfer. Dennoch ist die spendenbasierte Plattform LiChess auch in Waldbronn verbreitet.

„Wir haben eine Gruppe gegründet, zehn von unseren insgesamt 50 Vereinsmitgliedern sind dabei“, berichtet Bernd Kuppinger, Pressereferent und Leiter der zweiten Mannschaft. Meist wird Schnell- oder Blitzschach gespielt, auch die Variante Bullet mit einer Bedenkzeit von lediglich einer Minute pro Partie ist im Netz populär.

Das Schöne am Schach ist: Am Ende gewinnt man immer, entweder das Spiel oder an Erfahrung.

Wolfhart König, Vorsitzender Schachfreunde Bad Herrenalb-Dobel

Bei den Schachfreunden Bad Herrenalb-Dobel, mit zwei Teams im Bezirk Pforzheim aktiv, spielt Schach mit wenig Bedenkzeit schon lange eine Rolle. Auch in diesem Jahr ist im November das traditionelle Schnellschachturnier im Kurhaus geplant, eine tatsächliche Ausrichtung nach aktuellem Stand jedoch fraglich.

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Eine Entscheidung hätte auf der abgesagten Vereinsversammlung am 30. März fallen sollen. Zum Online-Schach verabreden sich derzeit zahlreiche Akteure der Schachfreunde – trotz des recht hohen Altersschnitts von rund 70 Jahren.

„Es gibt auch die Möglichkeit, gegen fremde Spieler anzutreten“, sagt der Vereinsvorsitzende Wolfhart König, der dabei auch die Abwechslung zwischen über Wochen andauernden und schnell abgewickelten Partien schätzt. „Man kann sehr lange sehr viel denken oder aus dem Bauch heraus entscheiden. Und das Schöne am Schach ist: Am Ende gewinnt man immer, entweder das Spiel oder an Erfahrung.“