Offiziell verabschiedet wird Bürgermeister Norbert Mai am Freitag im Kurhaus Bad Herrenalb. | Foto: Archivfoto BNN

Gespräch mit Norbert Mai

Scheidender Bad Herrenalber Bürgermeister: „Ohne Siebentälertherme fehlt uns ein Magnet“

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Norbert Mai war 16 Jahre lang Bürgermeister in Bad Herrenalb. Er war für die städtebauliche Erneuerung der Siebentälerstadt verantwortlich, die im Vorfeld der Gartenschau 2017 umgesetzt wurde. Die Fragestellung „Zukunft oder Ende der Siebentälertherme?“ als ungelöstes Problem hat Mai schon von seinen Vorgängern übernommen. Er wird sie an seinem Nachfolger Klaus Hoffmann weiterleiten.

Nach 16 Jahren Norbert Mai brennt diese Fragestellung aber mehr als zu Beginn der Stadt Bad Herrenalb, insbesondere den Stadtwerken und dem städtischen Haushalt, auf den Nägeln. Mai erinnert sich daran, dass am Anfang seiner Amtszeit das Bad wegen des neuen Klangbad-Angebots auf der Prioritätenliste nicht ganz oben stand. In Verwaltung und Gemeinderat seien sich die Verantwortlichen, so Mai in seinem Abschiedsgespräch mit unserer Redaktion, aber einig gewesen, dass die Therme zum Erhalt seiner Stammkundschaft „regelmäßig neue Attraktionen braucht“.

So habe man 2008 eine Dampfsauna gebaut. Dann seien mit zwei Millionen Euro 2010 die technische Anlage des Bades saniert worden. „Die Therme hat eine Chance, wenn in die richtigen Angebote investiert wird“, so Mai. Mit mehr Becken, mit größeren Wasserflächen, sei aber kein Geld zu verdienen: „Wir brauchen eine größere Saunalandschaft.“ Zur Steigerung der Zahl der Badegäste sei eine ordentliche Gastronomie angesagt.

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Therme wichtig für Wettbewerb

Bad Herrenalb sei durch seine Therme regional bekannt geworden, so Mai. „Hätten wir das Thermalbad nicht mehr, dann fehlt ein Magnet“, betont der scheidende Bürgermeister. Die gute und intakte Natur allein helfe nicht. Die Therme sei wichtig, um im Wettbewerb mit anderen Kur- und Tourismusstädten. Ein Gast, der in ein Heilbad- und in einen heilklimatischen Kurort komme, erwarte auch eine Therme.

Dass die Rechtsaufsicht in Calw regelmäßig angesichts schlechter Haushaltszahlen zwischen den Zeilen empfiehlt, die Therme zu schließen, ficht Mai nicht an: „Wir schauen uns immer nur den Haushalt an. Aber nicht die Jahresrechnung. Das sind die relevanten Zahlen.“ Die Jahresergebnisse seien in den vergangenen Jahren immer besser als die Zahlen im Haushaltsplan gewesen. Allein 2017 und 2018 habe man zwei Millionen Euro erwirtschaftet und damit Schulden bei den Stadtwerken getilgt.

Bevölkerung in Bad Herrenalb hat sich im Schnitt verjüngt

Den Vorhalt, viele kommunale Straßen seien in keinem guten Zustand, räumt er ein. Er verweist aber darauf, dass die meisten Straßen noch nicht endgültig hergestellt sind. Die Erschließungsbeiträge hätten zu 95 Prozent die anliegenden Grundstücksbesitzer, wie bei ihm selbst, im Peter-Beuscher-Weg, zu tragen und nicht die Stadt. Sorgen, dass am Ende dies zu Lasten der Stadtkasse gehen könnte, hat er trotz eines beim Bundesverfassungsgericht zu der Thematik anhängenden Verfahrens nicht: „Bei der Straßenerschließung kann bis zur Fertigstellung nichts verjähren.“

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Stolz ist Mai darauf, dass sich in seiner Amtszeit der Bevölkerungsdurchschnitt in Bad Herrenalb verjüngt habe. Dafür sei mit dem Kindergartenneubau im Dobeltal, den Vollsortimentern im Dobeltal und dem Neubaugebiet Rennberg die nötige Infrastruktur geschaffen worden. „Herrenalb muss dringend den Rennberg erschließen“, sei ihm zu Beginn seiner Bürgermeister-Tätigkeit angeraten worden. „Gesagt, getan“, sagt Mai dazu.

Problem dabei: In den ersten Jahren sei ihm vorgeworfen worden, viel städtisches Geld in das Neubaugebiet „vergraben“ zu haben. „Ich habe für den Rennberg viel Prügel bezogen“, sagt Mai. Erst nach Jahren sei das Gebiet erfolgreich vermarktet worden. 2019 fragten die Immobilienmakler ständig nach einem neuen Baugebiet.

„Bad Herrenalb gehört zum Albtal“

Und die leer stehenden Hotels? Das Mönchs Posthotel und die Investoren aus der Ukraine sieht Mai nicht negativ: „Das schmucke Haus trägt mir keiner weg. Ich bin enttäuscht, dass die Umnutzung des Hotels am Kurpark zum Seniorenwohnen keine Mehrheit im Gemeinderat gefunden hat.“ Mai hatte zwei Bürgerentscheide: Das Großprojekt „Bäderlandschaft“ und den „Landkreiswechsel“. Es gebe keine Kommune, die einem Investor wie im Falle „Bäderlandschaft“, so den roten Teppich ausgelegt habe wie die Kurstadt. Um so enttäuschender sei, dass die Investoren am Ende mehr oder weniger weg waren.

Und „Kreiswechsel“? „Man kann es sehen wie man will, Bad Herrenalb gehört zum Albtal“, meint Mai. „Die Kreiszugehörigkeit spielt keine Rolle. Ob sich eine Kommune weiterentwickelt, hängt allein von der Bürgerschaft, dem Gemeinderat und seinem Bürgermeister ab“.

„Ich muss danke sagen, an alle, die mich bei der Gartenschau unterstützt haben“, sagt Norbert Mai zu dem wichtigsten Ereignis seiner Amtszeit. Die 2017er Gartenschau sei ein Glückstreffer gewesen. „Wir haben nicht nur Blümchen gepflanzt und Beete angelegt, wir haben die kleine Gartenschau genutzt, um die Infrastruktur von Bad Herrenalb nachhaltig zu erneuern.“ Davon profitierten die Menschen immer noch.