Casting für das Musical " Chicago " der Ettlinger Schlossfestspiele. | Foto: Thomas Zimmer

Schlossfestspiele Ettlingen

Casting für Musical „Chicago“

Von Thomas Zimmer

Die gefeierte Varieté-Tänzerin Velma in „Chicago“ ermordet aus Eifersucht. Schwester und Ehemann, kommt ins Gefängnis und nutzt ihren Anwalt Billy Flynn nicht nur als juristischen Beistand, sondern für Publicity und Presserummel. Dann ist da noch das kleine Tanzgirl Roxie, das seinen Liebhaber um die Ecke gebracht hat. Auch sie spannt Flynn ein, weil sie unbedingt Revuestar werden will.

Sex and Crime

So turbulent geht es im Musical „Chicago“ von Bob Fosse zu, das im kommenden Jahr bei den Schlossfestspielen Ettlingen aufgeführt wird.„Sex and Crime“ sind jedenfalls integraler Bestandteil der Handlung, was wiederum besondere Anforderungen an das Ensemble stellt. „Die Darsteller müssen auch Sex-Appeal haben. Crime kann man spielen, Sex nicht.

Schürmer schaut sich Kandidaten an

Entweder man hat es, oder man hat es nicht“, erzählt Schlossfestspiele-Intendant Udo Schürmer am Rande der Audition am Sonntag in der Schlossgartenhalle. Er schaut sich an diesem Tag bis in den Abend hinein zusammen mit Choreograf Bart De Clerq und dem neuen musikalischen Leiter Tobias Leppert die Kandidaten an. Neun potenzielle Darsteller waren bis zur Mittagspause schon da, fünf hatten allerdings wegen Krankheit abgesagt.

Bewerber kommen im Viertelstundentakt

Etwa im Viertelstundentakt kommen die Bewerber für „Chicago“. Für den außenstehenden Beobachter wirkt die Atmosphäre recht entspannt. Eine Kandidatin fragt: „Soll ich auf die Bühne?“, Schürmer rät schmunzelnd: „Wenn Sie auf die Bretter wollen, die die Welt bedeuten …“ Ein anderer Kandidat entschuldigt sich nach seinem zweiten Song, er habe wohl den Text nicht ganz werkgetreu vorgetragen. „So lange es nicht lalala war“, scherzt Udo Schürmer. Trotz solcher kleiner Scherze wird sehr konzentriert gearbeitet. Schaut man sich die drei Gesichter der „Entscheider“ an, erkennt  man außer Freundlichkeit keine Regung, egal was die Bewerber gerade zeigen. Danach unterschreibt jeder, dass er dabei war, ein paar freundliche Worte werden gewechselt und Schürmer weist darauf hin, dass man bitte mittags um fünf Uhr wieder zum Tanz da sein solle.

Man weiß nicht, was noch kommt

„Man versucht, den Leuten nicht eins zu eins zu viel Feedback zu geben, weil man ja nicht weiß, was danach noch kommt. Man will ihnen ein gutes Gefühl geben, damit sie sich gut präsentieren können, man muss sich aber auch nicht in die Karten schauen lassen“, erklärt Bart De Clerq. Nach dem Gesangsvortrag wird jeder Kandidat und jede Kandidatin noch um einen Monolog gebeten.

 Benachrichtigung in zwei Wochen

Ganz Unterschiedliches ist da zu hören. Vom Conférencier einer Musical-Gala bis zu einem wütenden Theatermonolog von Sibylle Berg reicht das Spektrum. Ab 17 Uhr probt der Choreograf mit allen eine Nummer, die allerdings so im Stück nicht auftauchen wird. In einer Stunde wird die Choreografie erarbeitet, bis De Clerq die Qualitäten der Tänzer einschätzen kann. „Es ist eine anspruchsvolle Show, viele Szenen bestehen aus Choreografie“, beschreibt der die Anforderungen von „Chicago“. „Es hat sehr viel mit Haltung und Technik zu tun, und es ist nicht so verspielt wie bei der Rocky Horror Show.“ Insgesamt haben sich an diesem Tag 30 Bewerber vorgestellt. Jetzt heißt es warten. Spätestens in zwei Wochen sollen alle benachrichtigt sein, ob „Ja“ oder “Nein“ in „Chicago“.