Im Kleiderfundus der Schlossfestspiele muss Platz geschaffen werden. Deshalb versteigern sie am 25. Januar im Schloss Kostüme. | Foto: Bentz

Festspiele versteigern Kostüme

Wer will das Mieder von Frank N. Furter?

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Wie wäre es  mit dem Mieder von Frank N. Furter, dem Transvestit  aus der Rocky Horror Show? Oder lieber dem Outfit  von Papageno, dem Vogelhändler aus Mozarts Zauberflöte? Ein  grasgrünes Tabaluga-Kostüm  ist auch noch da und obendrein ein päpstliches Gewand.

Von all diesen Schätzen und einigen mehr wollen sich die Ettlinger Schlossfestspiele trennen. Nicht einfach so, sondern, wenn sie am 25. Januar Kostüme versteigern.  Um 16 Uhr heißt es im Rittersaal des Schlosses „Zum Ersten, zum Zweiten und zum …“.

Intendantin Bauer schwingt den  Hammer

Intendantin Solvejg Bauer wird in die für sie ungewohnte Rolle der Auktionatorin schlüpfen und persönlich den Hammer schwingen; ihr zur Seite steht bei der Kostümversteigerung  Regisseur Max Koch („Herzog Blaubarts Burg“). „Wir müssen in unserem Fundus Platz schaffen, deshalb trennen wir uns von Festspielgarderobe aus vier Jahrzehnten“, erzählt Solvejg Bauer.

Models von der Urban  Dance School

Sie hofft auf zahlungsfreudiges Publikum, gerade „im Vorfeld von Fasnacht“ und verspricht: „Alle Teile sind gut erhalten, zudem gereinigt“. Als Models gewonnen hat Solvejg Bauer junge Leute von der Ettlinger Urban Dance School. Der Erlös aus dem ein- bis zweistündigen Spektakel im Schloss fließt direkt an die Festspiele, die davon wieder Anschaffungen machen können.

Im Fundus wird Ordnung gemacht

Dass im Fundus unter der Aula das Eichendorff-Gymnasiums nicht nur Platz geschaffen, sondern auch renoviert wird, ist dem Ettlinger Gemeinderat zu verdanken, der im Herbst 2019 das Geld dafür genauso genehmigte wie für die äußerst bescheiden untergebrachte Näherei. Die ziemlich tristen Arbeitsplätze dort sollen erneuert und freundlicher gestaltet werden. Auch wollen die Festspiele ihre alten Waschmaschinen im Nebenraum durch eine Lösung, wie es sie für die Industrie gibt, ersetzen. „Diese Maschinen kann man dann rund um die Uhr laufen lassen“, nennt die Intendantin den wichtigsten Vorteil.

Kathrin Engel sichtet die Kostüme

Schon seit ein paar Monaten ist Kathrin Engel, Leiterin der Kostümabteilung, in Bauers Auftrag dabei, die Festspiel-„Kleiderkammer“ zu sichten und zu ordnen. Engel war nach ihrer Ausbildung in der Modedesign-Schule Manuel Fritz (Mannheim) unter anderem am Thalia Theater Hamburg und bei den Salzburger Festspielen unter Vertrag, Solvejg Bauer kennt sie, wie sie sagt, „aus gemeinsamer Zeit am Staatstheater Saarbrücken“. Es sei „gar nicht so einfach gewesen“, sich zunächst mal einen Überblick zu verschaffen, „was wir so alles in unserem Fundus haben.“

Es gibt auch Echthaarperücken

Der sei zwar ausgezeichnet bestückt, doch eine wirkliche Systematik, wo was deponiert ist, wo welche Kleidergröße hängt und wo welche Schuhe für welchen Anlass stehen, existierte nicht. Das hat Kathrin Engel inzwischen geändert: Unzählige Perücken – teilweise Echthaar – unterschiedlicher Farbe und Größe hat sie auf Styroporköpfe gesteckt, jede Menge Hüte – vom Zylinder bis zum Panama-Strohhut – in Regale gestapelt, Krawatten sortiert und Gürtel aufgehängt. Bei Kleidern ist sie dabei, nach Epochen und Ländern zu ordnen (hier was für eine Inszenierung, die in Asien spielt, da was für ein Musical mit Schauplatz Amerika).

Erst sortieren, dann inventarisieren

Auch die „Kinderecke“ mit den Röcken, Hosen, Jacken, Schuhen, die der Nachwuchs auf der Bühne trägt, will Engel schöner gestalten. „Erst sortieren, dann inventarisieren“, ist die Reihenfolge. Bis zum Start des Theatersommers 2020, so das Ziel, soll auch die letzte Kiste mit wahllos abgelegter Garderobe in den „Katakomben“ des Eichendorff-Gymnasiums geleert und ihr Inhalt auf Weiterverwendung geprüft sein.

Informationen zum Spielplan 2020 der Schlossfestspiele Ettlingen gibt es hier. Tickets bei der Stadtinformation im  Ettlinger Schloss, Telefon (0 72 43) 10 13 33.