Solidaritätskundgebung: Vereint mit Mitarbeitern der Firma Fema protestierten gestern Ettlinger Kommunalpolitiker gegen die Kündigungswelle bei Fema. | Foto: Johannes-Christoph Weis

Kritik an Konzernmutter

Solidaritätskundgebung für Ettlinger Mitarbeiter von Fema

Für die Mitarbeiter war klar: Die Solidaritätsdemonstration in der Junkerstraße vor dem Sitz der Firma Fema in Ettlingen wird die ferne Firmenzentrale in den USA allenfalls registrieren. „Die Würfel sind schon längst gefallen“, so der Tenor vieler der Versammelten. Sie hatten sich zusammen mit Geschäftsführer Michael Bayer, Gewerkschaftsvertretern und Repräsentanten aus Stadtverwaltung sowie Kommunalpolitik mit Transparenten eingefunden, um ihr Missfallen darüber auszudrücken, dass ein solch florierendes Unternehmen einfach platt gemacht wird. Anlass der Kundgebung war, dass 85 Mitarbeiter am Ettlinger Standort – im Außendienst sind es weitere knapp 35 – ihre schriftliche Kündigung erhielten (wir berichteten).
Organisiert hatte die Kundgebung der SPD-Stadtverband Ettlingen gemeinsam mit Frank Ohl und anderen Mitarbeitern der Fema-Belegschaft. Und der Einladung folgten nicht nur viele Mitarbeiter des Unternehmens, sondern auch OB Johannes Arnold und Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen.

Viele Kommunalpolitiker bei Fema

Mehr als die Hälfte aller Mitglieder des Ettlinger Gemeinderats von CDU über FE bis FDP waren gekommen, um ihre Verbundenheit mit dem Fema-Beschäftigten zum Ausdruck zu bringen. „Wir sind der Meinung, dass man mit seinen Mitarbeitern nicht so umspringt“, meinte René Asché, Sprecher der SPD-Gemeinderatsfraktion, wohl auch im Namen der anderen anwesenden Repräsentanten des Gemeinderats. Es sei ein Zeichen großer Überheblichkeit, dass das amerikanisches Mutterunternehmen seine Ettlinger Mitarbeiter von einem Tag auf den anderen vor die Türe setze. „Was uns eint, ist die Betroffenheit über die Entscheidung aus den USA“, meinte OB Arnold. Er habe zwar nochmals Kontakt mit der übergeordneten Geschäftsführung in Düsseldorf aufgenommen, sei aber auf Granit gestoßen. So habe er nur noch die Art und Weise des Umgangs mit den Fema-Mitarbeitern missbilligen können. Arnold hofft jetzt auf eine sinnvolle Nachnutzung auf dem Fema-Areal: „Wir brauchen industrielle Arbeitsplätze.“ Die Landtagsabgeordnete Barbara Saebel meinte, man lebe in einer der wirtschaftsstärksten Regionen des Landes. Sie sei überzeugt, dass die Chancen nicht schlecht seien, viele der jetzt gekündigten Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Ein Azubi etwa kommt bei den Stadtwerken unter. Frank Ohl dankte im Namen der Belegschaft für die Solidarität durch die kommunalpolitischen Mandatsträger.

„Das ist doch alles ganz bitter“

„Das ist doch alles ganz bitter“, meinte Ohl. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass durch eine Unternehmerentscheidung im fernen Amerika eigentlich sicher Jobs verloren gingen. Ohl, der seit 25 Jahren bei Fema beschäftigt ist, meinte zu den BNN, aktuell sei die Lage so gut, dass man bis zum letzten Tage hart arbeiten müsse, um wirklich alle aufgelaufene Aufträge abzuarbeiten. Das Verhalten des Unternehmens sei schon deshalb irritierend, weil erst vor kurzer Zeit ein neuer Betriebsleiter, ein neuer Leiter der Entwicklungsabteilung eingestellt beziehungsweise ein teueres neues Regalsystem angeschafft worden sei. Ohl meinte auch, jetzt räche sich, dass man keinen Betriebsrat habe. Sozialplan oder Abfindungen für die Betroffenen gebe es nicht. Am Mittwoch gebe es eine Informationsveranstaltung der Arbeitsagentur im Unternehmen.

So hatten die BNN im Vorfeld berichtet: