Kirchliche Obhut hat die Pfarrei Spielberg (unser Bild zeigt die Kirche im Lutherjahr) einem jungen Gambier gegeben. | Foto: Lauinger

Gegen drohende Abschiebung

Spielberger Pfarrei gibt jungem Gambier kirchliche Obhut

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 Von Klaus Müller und
Johannes-Christoph Weis

Ein Gambier, ein Flüchtling, dem die Abschiebung nach Italien droht, wurde in Spielberg in kirchliche Obhut („Kirchenasyl“) genommen. Wie die BNN berichteten, macht der 20-Jährige eine Ausbildung im Naturkostmarkt „Göpi“ in Langensteinbach. Er lernt Einzelhandelskaufmann.
Unlängst erhielt der Flüchtling ein Brief vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP), in dem seine Abschiebung nach Italien angekündigt wurde; Italien deswegen, weil er dort als Flüchtling registriert wurde und somit das südliche Land für das Asylverfahren zuständig ist.

Abschiebung stand unmittelbar bevor

Da die Abschiebung unmittelbar droht, hat sich der evangelische Kirchengemeinderat in Spielberg für die kirchliche Inobhutnahme ausgesprochen. Darüber wurde laut Pfarrer Theo Breisacher das RP informiert, das sich daraufhin mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Verbindung setzte. Als „widersinnig“ beurteilte der Kirchengemeinderat die geplante Abschiebung nach Italien, da der Gambier für eine „gelungene Integration“ stehe.

Kirchengemeinderat für kirchliche Obhut

Es wurde ein Antrag an das BAMF gestellt, das Asylverfahren möge hier durchgeführt werden; oder wenigstens sollte der junge Mann seine Ausbildung zu Ende bringen dürfen. Wir werden jetzt abwarten, wie das BaMF entscheidet“, so Pfarrer Breisacher gegenüber dieser Zeitung. Der 20-jährige Gambier lebt zurzeit in einem Kirchengebäude. Die BNN wird noch eine Stellungnahme des Bundesinnenministeriums zum vorliegenden Fall  einholen. Thomas de Maiziére, selbst praktizierender evangelischer Christ, hatte sich mehrmals kritisch zum Thema „Kirchliche Obhut“ geäußert.

Gambier ist rechtskräftig abgelehnt

Über den Fall hatte die BNN bereits am 26. Januar 2017 berichtet, nachdem das Schreiben vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) bei dem jungen Gambier eingegangen war. Es hatte folgenden Wortlaut: „Ihre Abschiebung steht unmittelbar bevor. Sie haben sich daher im Zeitraum vom 30. Januar bis zum 3. Februar jeweils von 2.30 bis 4.30 Uhr in der von Ihnen zugewiesenen Unterkunft zur Abschiebung bereitzuhalten.“

Naturkostmarkt: Bester Bewerber seit Jahren

Seit dem Schreiben stand das Leben von Salim auf dem Kopf – und das zu einem Zeitpunkt, an dem der 20-Jährige aus Gambia fest an eine Zukunft in Deutschland glaubte. Salim, der nach eigenem Bekunden in seiner Heimat „politisch verfolgt“ wurde, hat seit September eine Ausbildungsstelle. Im Bio- und Naturkostmarkt „Göpi“ in Langensteinbach lernt er Einzelhandelskaufmann. „Wir konnten es kaum glauben, als wir das Schreiben lasen“, berichtete Göpi-Geschäftsführer Gerd Göhringer. Seit geraumer Zeit kennt er den jungen Mann – und er hält viel von ihm. Er sei mit Abstand der beste Bewerber für die Ausbildungsstelle gewesen. Mehr noch: „Die Initiative, im Markt zu arbeiten, kam von Salim. Und wir sind hochzufrieden mit ihm.“ Vor Beginn der offiziell bei der IHK Karlsruhe angemeldeten, dreijährigen Ausbildung wurde laut Göhringer das Regierungspräsidium darüber informiert. Man habe „grünes Licht“ bekommen. Schriftliches gibt´s allerdings nichts.

Lag mündliche Zusage des RP vor?

Der Geschäftsführer beruft sich auf eine mündliche Zusage. Jetzt kommt der Haken bei der Sache, was am Ende wiederum das RP auf den Plan rief und zu besagtem „Abschiebungsschreiben“ führte: Nach seiner monatelangen Flucht von Gambia nach Europa landete der junge Mann erst in Italien. Dort wurde er registriert. Somit gilt nach dem Dublin-Abkommen Italien als das Land, in dem das Asylverfahren des Gambiers durchgeführt werden muss. Damit begründet das RP die Abschiebung. Nebenbei: Ende 2016 galt Salim noch als „Beispiel gelungener Integration“ – nachzulesen in einer Pressemitteilung des Landratsamts Karlsruhe. Für einen Verbleib des Gambiers – wenigstens bis zum Ausbildungsende – wollen sich Göhringer und etliche Mitstreiter einsetzen. Und Salim: Der sorgt sich um seine Zukunft. „Was soll ich in Italien. Ich weiß ja nicht einmal, wo ich hinkomme. Ich möchte mir hier eine Zukunft aufbauen.“

 Gambier ist seit August ausreisepflichtig

„Seit August ist der junge Gambier vollziehbar ausreisepflichtig“, sagte Uwe Herzel, Pressesprecher des RP im Januar gegenüber den BNN. Schon im Januar 2016 habe das  BAMF  einen ablehnenden Bescheid erteilt. Dagegen habe der Gambier beim Verwaltungsgericht Rechtsmittel eingelegt, mit dem gleichen Ergebnis. Der 20-Jährige habe also schon früh gewusst, dass er ausreisen müsse. Dem stehe eine Beschäftigung bis zum Zeitpunkt des Vollzugs nichts entgegen. Knut Bühler, Erster Landesbeamter, im Landratsamt Karlsruhe steht, so in einer Stellungnahme im Januar, immer noch zu der Bewertung seiner Behörde, dass der Gambier ein Beispiel für eine gelungene Integration sei. Dennoch: Tatsache sei, dass der 20-Jährige unter falschen Voraussetzungen eingereist sei. Mit Spannung wird jetzt in Spielberg darauf gewartet, wie das BAMF auf die kirchliche Obhut reagiert.