So viel Spinat müsste man täglich essen, um einen Kraftzuwachs zu erzielen. Diese Menge entspricht dem Inhalt von zwei Extraktkapseln, hier angedeutet von Bernhard Wüst und Maria Parr. | Foto: Klaus Müller

Studie von Agilent Waldbronn

Spinat als Doping?

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Wie sage ich es „meinem Kinde?“ Die Sache mit dem Spinat – und zwar ohne dass nach dem Lesen dieser Zeilen ein Run auf das grüne Gemüse einsetzt. Das wäre fatal und nicht ungefährlich. Die Kurzform: Spinat, in rauen Mengen zu sich genommen, fördert die sportliche Leistungsfähigkeit.

Von Klaus Müller

Allerdings müsste man dann 1,5 bis vier Kilogramm Spinat täglich essen, bis der im Spinat vorkommende natürliche Inhaltsstoff Ecdysteron seine Wirkung zeigt.

Spinat enthält gefährliche Oxalsäure

Bevor freilich der Leistungseffekt eintreten könnte, würden unter anderem die Nieren versagen. Spinat enthält Oxalsäure, ein Giftstoff, der in hoher Konzentration üble Nebenwirkungen hat. Nun gibt es nicht erst seit gestern einen Spinatextrakt, der in konzentrierter Form Ecdysteron enthält.

Ecdysteron ist leistungssteigernd

Auch das ist bekannt – und dass das Hormon leistungssteigernde Wirkung haben kann. In den Fokus geriet das Extrakt bei einer Studie, die von Agilent Technologies Waldbronn begleitet wurde. „Zum Einsatz kamen dabei unsere Messinstrumente“, berichtet Bernhard Wüst, „Agilent Global Marketing Manager“ für Sportdoping und Sportmedizin.

Ergebnis der Studie überascht

An der Untersuchung waren Forscher aus Berlin, Köln, Rom und Sydney beteiligt. Das Ergebnis der Studie überraschte alle. „Wir gingen schon davon aus, eine Leistungssteigerung zu sehen“, berichtet Maria Parr, Professorin an der Freien Universität Berlin. „Aber dass die so groß sein würde, das hatten wir nicht erwartet.“

Kommt Spinatextrakt auf Dopingliste?

Die Spezialistin für pharmazeutische Analytik und Metabolismus (Stoffwechsel), die seit etlichen Jahren das Extrakt auf ihrer Forschungsagenda hat, empfahl daraufhin der WADA (World Anti-Doping Agency), das im Spinatextrakt vorkommende Ecdysteron auf die Liste der verbotenen Substanzen im Sport mit aufzunehmen. Soweit freilich ist es noch nicht. In den nächsten Tagen will die WADA darüber befinden, ob das anabole Steroid mit seiner muskelaufbauenden Wirkung auf die sogenannte Monitoringliste gesetzt wird. Falls ja, steht das Extrakt – vereinfach ausgedrückt – unter Beobachtung. Finden sich weitere Auffälligkeiten, wird es nachweislich zur Leistungssteigerung genutzt, kann die WADA Ecdysteron als Dopingmittel einstufen und damit verbieten.

Massenspektrometer von Agilent hilft WADA

Für die entsprechenden Nachweise kommen Agilent-Messgeräte zum Einsatz. Bernhard Wüst brachte als Co-Autor der Studie sein Wissen im Bereich der Massenspektrometrie sowie der Metaboliten-Identifizierung ein. In der eigentlichen Studie nahmen laut Maria Parr die Probanden das Extrakt als Kapsel ein oder eben (als Vergleich) ein Placebo – ohne zu wissen, wer zu welcher Gruppe gehört. Das Ergebnis war in der Tat heftig. Von einem „deutlichen Kraftzuwachs“, und das binnen zehn Wochen, spricht die Wissenschaftlerin.

Wusste Zeichner von Popeye von der Wirkung?

Und nun kommt der Part mit dem, „wie sage ich es meinem Kinde?“ – eben dass das Extrakt alles andere als harmlos ist, dass man es trotz seiner Wirkung nicht „einschmeißen“ sollte. Spinat als Kraftmacher! Da gab’s doch bereits mal was? Genau. Popeye, die Spinat essende Zeichentrickfigur mit den mächtigen Unterarmen, die vor 100 Jahren den Bleistift der Welt erblickte.

Mächtige Unterarme schon vor 100 Jahren

Nein, dass damals schon jemand um die Wirkung von Spinatextrakt wusste, hält Wüst für unmöglich. Die lockende Versuchung, Kraft auf die Schnelle zu gewinnen, bleibt. Das im Spinatextrakt vorkommende Ecdysteron lässt sich schnell und problemlos im Internet bestellen. Doch Vorsicht, mahnen Wüst und Parr. Was sich am Ende tatsächlich alles in dem Extrakt befindet, das mitunter als „Nahrungsergänzungsmittel“ oder als „pflanzliches, natürliches Anabolika“ beworben wird, ist keineswegs immer so eindeutig.

Nebenwirkungen noch völlig unbekannt

Auf eine „Kontaminationsproblematik“ weisen die beiden hin, zumal die Nebenwirkungen bei häufiger Einnahme derzeit noch unbekannt sind. „Daran muss noch geforscht werden“, so die Wissenschaftlerin weiter. Ob die Botschaft wirklich abschreckt?

Normaler Spinat darf verzehrt werden

Und was ist mit dem normalen Spinat? Keine Sorge, der darf getrost verzehrt werden. Es müssen ja nicht vier Kilogramm täglich sein … .