Spaß an Strapazen: Simon Rupp (links) und Oliver Faas quälen sich auf ihren Rädern beim Anstieg in Richtung Schömberg – die Höhe des Mount Everest ist das Zie
Spaß an Strapazen: Simon Rupp (links) und Oliver Faas quälen sich auf ihren Rädern beim Anstieg in Richtung Schömberg – die Höhe des Mount Everest ist das Zie | Foto: Meister

Virtuell auf den Mount Everest

Sportler des Skiclub Karlsbad fahren 33-mal denselben Berg hoch und runter

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„Ist es schlau mit 95 km/h einen Berg auf 21 Millimeter breiten Reifen und einer klassischen Seilzugbremse runter zu fahren?“, fragte einst Radprofi Rolf Aldag. Für Normalsportliche ist diese Frage einfach zu beantworten, doch zahlreiche Rennradfahrer neigen zu Nervenkitzel und Herausforderung. „Natürlich war das eine verrückte Idee“, verrät Simon Rupp, Leiter des Rennradteams des Skiclub Karlsbad.

Von unserem Mitarbeiter Stefan Meister

Zusammen mit zwei weiteren Radsportlern des Clubs hat er am vergangenen Samstag 8.848 Höhenmeter, die Höhe des Mount Everest also, absolviert. Im Vergleich hierzu hat der legendäre Ötztaler Radmarathon „lediglich“ 5.500 Höhenmeter. Dabei legten die Sportler 33-mal die Strecke von Calmbach, vorbei an der ehemaligen Lungenklinik Charlottenhöhe, bis nach Schömberg zurück.

Auf 3,7 Kilometern wurden pro Runde 270 Höhenmeter mit bis zu zehn Prozent Steigung bezwungen. Bereits im Winter gab es in Reihen des Skiclubs Überlegungen, sich solch einer Herausforderung zu stellen. „Da wir aufgrund der Corona-Krise keine Veranstaltungen fahren können, haben wir uns auf dieses Ziel fokussiert“, erklärt Rupp.

Natürlich habe ich mich gefragt, warum ich das mache.

Simon Rupp, Everesting-Radsportler

Spezielle Trainingseinheiten haben die Drei nicht eingelegt. Rupp kommt im Jahr auf rund 10.000 Kilometer. Bernhard Becker fährt bereits seit 20 Jahren Radmarathons und Oliver Faas war als Triathlet zweimal auf Hawaii. Beim sogenannten Everesting müssen die Strecken für Anstieg und Abfahrt identisch sein, was Rundkurse ausschließt. „Mit der autofreien Strecke bei Calmbach hatten wir optimale Bedingungen“, so Becker. Denn laut Rupp könne sich eine längere Abfahrt als trügerisch herausstellen, da zu schnell der Erholungseffekt eintritt.

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Während sich das benachbarte Calmbach noch im Tiefschlaf befand, machten sich die drei Fahrer um 4.50 Uhr zu ihrer „Erstbesteigung“ auf. Im Tal standen die Autos mit Nahrung und Wechselkleidung bereit. „Im Berg ist es wichtig, das eigene Tempo zu fahren. Deshalb sind wir immer nur kurze Passagen zusammen gefahren“, erklärt Rupp. Nach gut 2.000 Höhenmetern sorgte ein Regenschauer für eine weitere mentale Herausforderung. „Natürlich habe ich mich gefragt, warum ich das mache“, gab Rupp zu verstehen.

Aufgeben war keine Option

Doch Aufgeben war für keinen der Drei eine Option. „Aufgrund meiner Erfahrung kann ich mir solche Strecken einteilen“, erläutert Faas. Bereits vor dem Everesting hatte er sich eine konstante Rundenzeit vorgenommen. Im Gegensatz zu Becker und Rupp hat er auf feste Nahrung verzichtet. Hochkonzentriertes Trinken mit Kartoffelstärke und zwischendurch eine Salztablette sei seit Jahren sein Geheimrezept.

Becker und Rupp hingegen setzten neben flüssiger auch auf feste Nahrung, wie belegte Brötchen, Bananen oder Hefezopf. „Irgendwann heißt es sich zu zwingen Nahrung aufzunehmen. Wenn dies vergessen wird, dann ist es zu spät“, stellt Becker klar.

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Jeder verbraucht rund 10.000 Kalorien

15 Getränkeflaschen verbrauchte Becker. Gut 10.000 Kalorien haben die Drei jeweils verbrannt. Gegen 21.30 Uhr beendeten die Sportler erfolgreich das Projekt. „Die letzten 15 Runden waren hart und ich musste nur noch funktionieren“, resümiert Rupp. Becker und Faas legten dar, dass trotz intensiven und langjährigem Training ohne unbedingte Leidensfähigkeit nicht mehr möglich ist. „Irgendwann macht die Muskulatur zu und es heißt zu beißen“, so Becker.

Durchhalteparolen bekamen die Gipfelstürmer von ihren Vereinskollegen. Auf Grund Corona war das Everesting zwar keine offizielle Vereinsveranstaltung, dennoch kamen immer wieder Anfeuerungsrufe vom Streckenrand. „Das Ganze hat dem Verein gut getan“, freut sich Faas.

Schließlich waren gemeinsame Fahrten in größeren Gruppen zuletzt wegen Corona nicht möglich. Erst seit Dienstag dieser Woche kann wieder in Gruppen trainiert werden. Obwohl das Treppenlaufen nach der Everesting-Tour zur Tortur wurde, so haben die Radfahrer für die kommenden Wochen eine 600 Kilometer lange Tour geplant.