Verkauft: Die Fachklinik Falkenburg über den Dächern Stadt Bad Herrenalb wird als eine von drei Kliniken künftig der SRH Holding angehören. Sie ist auf kardiologische, angiologische und orthopädische Rehabilitation spezialisiert. | Foto: BNN

Paukenschlag im Albtal

SRH Holding übernimmt die Ruland Kliniken

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Von Birgit Graeff-Rau und Rainer Obert

Paukenschlag in der Klinik-Landschaft des Albtals: Die SRH-Kliniken Betriebsgesellschaft übernimmt die Ruland Kliniken in Waldbronn, Dobel und Bad Herrenalb. Die SRH Holding mit Sitz in Heidelberg betreibt im Albtal bekanntlich schon seit langem erfolgreich das Akut- und Fachkrankenhaus in Karlsbad-Langensteinbach mit mehr als 1 000 Mitarbeitern. Für das Personal der Ruland Kliniken endet nun eine Zeit der Ungewissheit nach einem Bieterprozess über neun Monate.Paukenschlag in der Klinik-Landschaft des Albtals: Die SRH-Kliniken Betriebsgesellschaft übernimmt die Ruland Kliniken in Waldbronn, Dobel und Bad Herrenalb. Die SRH Holding mit Sitz in Heidelberg betreibt im Albtal bekanntlich schon seit langem erfolgreich das Akut- und Fachkrankenhaus in Karlsbad-Langensteinbach mit mehr als 1 000 Mitarbeitern. Für das Personal der Ruland Kliniken endet nun eine Zeit der Ungewissheit nach einem Bieterprozess über neun Monate.„Nach dem Bieterprozess, deren Ziel es war, einen Investor auf Augenhöhe zu finden, haben wir mit der SRH Holding einen optimalen Partner gefunden“, sagte der im Zuge des Eigenverwaltungsverfahrens eingesetzte Sanierungsgeschäftsführer Timm Hartwich.

SRH bietet jetzt gesamte Palette

Immerhin bietet die SRH nun räumlich noch dazu nah beisammen die gesamte Versorgungskette im Albtal an: Ambulante und stationäre Versorgung sowie private und auch berufliche Rehabilitation. „Alle drei Häuser sind traditionsreiche Unternehmen mit hohem Stellenwert in der regionalen Gesundheitsversorgung“,

Überbringer der Nachrichten: Von links SRH-Geschäftsführer Werner Stalla, Sanierungsgeschäftsführer Timm Hartwich und SRH Vorstandsvorsitzender Professor Christof Hettich. | Foto: Graeff-Rau

bewertete Christof Hettich, Vorstandsvorsitzender der SRH. Zusammen verfügen diese über 795 Betten und beschäftigen 650 Mitarbeiter. Zudem entspräche der Indikationsbereich der drei Häuser den medizinischen Schwerpunkten der bereits bestehenden SRH Kliniken. Mit der Übernahme wird die SRH Holding zu einem der größten Rehabilitationsanbieter in Baden-Württemberg.„Ein großes Plus ist die immense Einsatzbereitschaft und Loyalität der Mitarbeiter, auch in der zurückliegenden schwierigen Zeit,“ erklärte SRH Geschäftsführer Werner Stalla, der in den kommenden Monaten auch die Geschäftsführung der Häuser in Waldbronn, Dobel und Bad Herrenalb übernimmt. Dadurch sei es gelungen, die Patientenzahlen bei 10 000 pro Jahr stabil zu halten. „Es gibt keine Entlassungen oder Sozialpläne, alle Mitarbeiter werden in ihren bestehenden Arbeitsverhältnissen übernommen“, unterstrich Stalla.

25 Millionen werden investiert

Bei der Betriebsversammlung gestern in Herrenalb herrschte eine positive Stimmung.In konkreten Vertragsverhandlungen stehe man bereits mit einem erfahrenen Reha-Experten für die künftige Geschäftsführung, so Stalla. Geplant sind in den drei Häusern Investitionen in Höhe von 25 Millionen Euro. „Schwerpunkte werden dabei die älteren Häuser in Dobel und Waldbronn sein, die zeitgemäß umgebaut werden sollen“, so Stalla. Ändern wird sich der Name der Häuser, die künftig SRH Gesundheitszentrum, verbunden mit dem jeweiligen Ortsnamen, heißen sollen.In Zukunft wolle man die Profile der Häuser schärfen und stärken. So sei eine Erweiterung in stark nachgefragten Leistungsbereichen wie der neurologischen Rehabilitation geplant sowie Etablierung zukunftsweisender Fachrichtungen, etwa der Geriatrie. „Weiter wollen wir ambulante Reha-Maßnahmen sowie Prävention und Nachsorge ausbauen“, erklärte Werner Stalla.

Übernehmen keine Altlasten

Man setze auf Kontinuität und Weiterentwicklung der Häuser. Über den Kaufpreis bewahrt man Stillschweigen. Klar sei: „Wir übernehmen keinerlei Altlasten“, so SRH-Kommunikationsdirektor Nils Birschmann. Gläubiger zu befriedigen sei Sache der alten Kommanditgesellschaft. Die ausstehende Genehmigung der Übernahme durch das Bundeskartellamt sieht man als Formsache an – eine marktbeherrschende Stellung nehme man schließlich nicht ein.

Der Kommentar:
Von einem Albtalklinikum unter Einschluss des zu einem Akutkrankenhaus entwickelten Langensteinbacher Klinik träumte schon Hans Ruland, der Gründer der drei Reha-Kliniken Waldbronn, Herrenalb und Dobel. Umgekehrt stellte, so wird kolportiert, der frühere SRH-Chef Klaus Hekking in seiner Zeit hin und wieder Planspiele an, die drei Reha-Häuser zu übernehmen. Bei der Charakterstruktur der beiden Alpha-Tiere Hekking und Ruland – die Rivalität der beiden war jahrzehntelang spürbar – schlossen die meisten Betrachter der Branche aus, dass sich unter ihrer Ägide der alte Traum erfüllen könnte. Dabei waren die wirtschaftliche Vorteile eines Zusammengehens schon lange offensichtlich. Nicht nur die kurzen Wege für den Patienten vom Operationstisch zur Reha. Der Einsatz von Mitarbeitern, vom Arzt bis zum Pflegepersonal, kann deutlich flexibler gestaltet werden. Es ist eine effiziente Nutzung und Auslastung von medizinischen Geräten möglich. Die Liste ließe sich fortsetzen. Zudem befindet sich die SRH-Gruppe schon seit einiger Zeit auf Kliniken-Einkaufstour und scheint erfolgreich kommunale Krankenhäuser zu sanieren. Für die Mitarbeiter der Ruland-Kliniken gibt es mit der Übernahme einen Silberstreif am Horizont. Denn die SRH-Kliniken zahlen Tariflöhne und sind auch in der Zusatzversorgung, um deren Erhalt die Ruland-Mitarbeiter bangen. Anders wären die Sorgen, wenn beispielsweise die chinesischen Investoren, die das zur Acura-Ruland-Gruppe gehörende Baden-Badener Rheumakrankenhaus übernommen haben , zum Zuge gekommen wäre. Hier hätte mancher Ruland-Mitarbeiter gefragt, ob es da nicht nur um Know-how-Transfer, sondern auch um Investitionen in die Zukunft der drei Albtal-Kliniken und damit ihrer Arbeitsplätze geht. Streng nach dem alten Werbeslogan des Persil-Mannes gilt für die Übernahme durch die SRH: „Da weiß man, was man hat.“           Johannes Christoph Weis