Ein Camp hatten die Teilnehmer des Streiks vor dem real-Supermarkt in der Ettlinger Zehntwiesenstraße aufgebaut | Foto: jcw

Kundgebung in Ettlingen

Streik: Mitarbeiter der real GmbH wollen keinen „Billigtarifvertrag“

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Beschäftigte von real-Supermärkte legten bundesweit am Freitag für einige Stunden die Arbeit nieder.  Grund: Sie wollen nicht länger finanzielle Einschnitte hinnehmen. Betroffen von dem Streikaufruf  bei  der real GmbH waren in der Region Karlsruhe die Ettlinger  Niederlassungen am Huttenkreuz und Zehntwiesenstraße sowie in Karlsruhe die Niederlassungen Bulach und Durlacher Allee. „Seit 2015 haben Real-Mitarbeiter ihren finanziellen Beitrag für das Unternehmen geleistet und wollen sie sich der Tarifbindung mit uns entziehen“, meinte Thomas Schark, ver.di Handel Sekretär aus Karlsruhe am Freitagmorgen vor Ort bei einer zentralen Kundgebung in Ettlingen auf dem Parkplatz vor dem Markt in der Zehntwiesenstraße.

Gegen einen Billigtarifvertrag

Durch den Betriebsübergang von real Warenhaus GmbH in die real GmbH sei die Firma in einen Billigtarifvertrag geflüchtet. Unzumutbare Gehaltskürzungen von 20 bis  40 Prozent  und Kürzungen des Urlaubsgeldes um 600 Euro und das Weihnachtsgeld um 1360 Euro für eine Kassierin wolle real für alle Neueingestellten umsetzten. „Dies spaltet die Belegschaft und kann nicht hingenommen werden,“ erklärte ver.di Handel Sekretär Thomas Schark aus Karlsruhe.

Viele folgen bei real GmbH dem Streikaufruf

Gabriele Kühn, Betriebsratsvorsitzende vom Ettlinger real Markt Zehntwiesenstraße, beschwerte sich über „Lohndumping“ und geringe Wertschätzung der Mitarbeiter durch das real-Management. Gleichzeitig freute sie sich darüber, dass so viele Kolleginnen und Kollegen dem Streikaufruf gefolgt seien. Vor dem Markt hatte die ver.di-Mitglieder ein großen Camp aufgebaut. Und es herrschte zwar Verärgerung darüber, dass die  Arbeitgeber jetzt mit Hilfe der kleinen DHV-Gewerkschaft versuchten tariflich schlechtere Bedingung für ihre Beschäftigten durchzusetzen, gleichzeitig waren viele der Streikenden  zuversichtlich, dass am Ende der Auseinandersetzung die real GmbH  wieder mit ver.di  Tarifverträge abschlösse.

Druck auf Arbeitgeber wird erhöht

„Die Arbeitgeber  wollen von uns unzumutbare Gehaltsabsenkungen, das machen wir nicht mit. Es ist eine Freude zu sehen, wie viele Kollegen in den Ausstand getreten sind“, betonte Gabriele Kühn weiter. Und ver.di-Sekretär Schark: „Heute ist nicht das Ende..“ Nach der Sommerpause, wenn das real-Management nicht einlenke, werde man den Druck auf die Arbeitgeber verstärken. Und  nicht wenige Mitarbeiter im Einzelhandel hätten die Zeichen der Zeit verstanden, dass jetzt Solidarität wichtig sei: Man verzeichne nicht wenige Neueintritte.

Verstärkung aus Freiburg

Um 10 Uhr traf dann noch per Bus eine Verstärkung aus Südbaden in Ettlingen ein: Beschäftigte von Freiburger Niederlassungen schlossen sich den Ettlinger und Karlsruher Mitarbeitern auf dem Camp an. Sie wurden freudig begleitet von Geräuschen vieler Trillerpfeifen und Trommelwirbel begrüßt. Sie hatten eine Vielzahl an Transparenten mitgebracht, auf denen sie ihr „Nein zu Armutslöhnen“ zum Ausdruck bringen wollten. Trotz des Streiks hatte der Ettlinger real-Markt auf der Zehntwiesenstraße geöffnet, womit die Geschäftsleitung  nach außen Handlungsfähigkeit demonstrierte.