Ein Programm für sekundenschnelle Transkription von Stimmen in Schrift für Filmuntertitel hat Tim Schlippe entwickelt. | Foto: jcw

Ettlinger besitzt US-Patent

Tim Schlippe revolutioniert mit WaveFont die Untertitel

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Untertitel im Fernsehen oder in Videofilmen sehen eigentlich fast immer gleich aus. Tim Schlippe, ein aus Ettlingen stammender Informatiker, hat jetzt mit „WaveFont“ eine neue Technologie zur Darstellung von Untertiteln entwickelt, mit der er in den nächsten Jahren Furore machen will. Voraussetzung dafür: Seine fast serienreife Software findet Eingang bei Fernsehsendern, PR-Agenturen und Social Media. Die Entwicklung von Schlippe, promovierter Ingenieur für Informatik, fußt auf der Idee, Gehörlosen, Schwerhörigen oder Menschen, die ein leicht eingeschränktes Hörvermögen haben, die Stimmung in filmischen Dialogen mit einer intelligenten Darstellung von Untertiteln zu übermitteln.

WaveFont erleichtert Gehörlosen, Filme zu verstehen

Bislang können diese Menschen Emotionen beim verbalen Austausch von Filmdarstellern nur schwer erfassen. Mit „WaveFont“ ist es dem KIT-Absolventen und CMU Pittsburgh-Masterstudenten gelungen, Eigenschaften der Stimme, beispielsweise Betonung, Geschwindigkeit, Pausen, Lautstärke automatisch und intuitiv in Schrift abzubilden. Entsprechend der Amplitude oder Lautstärke des Tonsignals einzelner Buchstaben werden diese, so Schlippe, bei seinem Untertitel-Schriftprogramm fetter, lang gezogener, dünner, akzentuierter dargestellt, so dass sich über diese Buchstaben-Ausdifferenzierung für das Auge Emotionen darstellen lassen. „Die Gehörlosenorganisationen waren total begeistert, als ich ihnen WaveFont vorgestellt habe“, sagt Schlippe bei einem Gespräch in der Ettlinger Marktstraße, wo er seine neue Technologie in einem Straßencafé mit Hilfe einer filmischen Dokumentation erläutert.

Untertitel wie Comic-Sprechblasen

Bei einem Test mit einer größeren Gehörlosen-Gruppe bestätigten fast hundert Prozent der Angesprochenen „WaveFont“ in Fernsehfilmen wäre eine wirkliche Bereicherung. Tenor: In der neuen Art von Untertiteln „werden Emotionen lesbar“. Wie in Comic-Sprechblasen werden die Emotionen bei der fast sekundengenauen Transkription von Audio in Untertitel umgesetzt.
Schlippe ergänzt: Basierend auf den bestehenden Untertiteln und dem Audio des Gesprochenen könnten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten optimal in emotionale Untertitel generieren. Mittlerweile hat der findige Informatiker für seine zukunftsweisende Technologie ein Start-up mit dem Namen „Silicon surfer“ gegründet. Er verbindet damit die Hoffnung, dass er Geldgeber findet, um sein Programm „WaveFont – Communication of tomorrow“ praxistauglich zu machen und weltweit zu verbreiten.

WaveFont ist als Patent angemeldet

WaveFont ist bereits in Deutschland als Patent angemeldet und um sich seine Rechte weltweit zu sichern, hat der junge Informatik-Ingenieur auch ein teueres US-Patent angemeldet und bereits die Bestätigung dafür erhalten.

Crowdfunding-Kampagne

Um zumindest eine kleine Chance zu haben, WaveFont statt bisheriger Untertitel als Standardtechnologie auf dem Markt zu etablieren, ist er derzeit unterwegs, mittels Crowdfunding etwas Geld einzusammeln. Für dieses Ziel will er in einem ersten Schritt von Juni bis August eine kleine Crowdfunding-Kampagne (Ziel 10.000 Euro) durchziehen (www.startnext.com/wavefont). Ebenso hat er von der L-Bank eine MikroCrowd (Mikrokredit für Unternehmensgründer) zugesichert bekommen. In der vorvergangenen Woche zeigte er seine Technologie beim Programm Latitude 49 bei der Hoepfner-Stiftung in Karlsruhe.

Apropos WaveFont: Da anhand des Schriftbildes die Aussprache rekonstruiert werden kann, profitieren ausländische Mitbürger beim Erlernen der deutschen Aussprache.