Jede Hilfe zu spät kam am Bahnhof Ettlingen-West (das Gebäude befindet sich links) für einen 83-Jährigen aus Karlsruhe, der die Gleise querte, ins Stolpern kam und von einem Zug getötet wurde. | Foto: Werner Bentz

83-Jähriger wird erfasst

Tödlicher Unfall durch verbotene Gleisquerung an Ettlinger Bahnhof

Ein schreckliches Bild erwartete gestern Mittag die Helfer von Feuerwehr und Rotem Kreuz am Bahnhof Ettlingen-West. Dort fand ein 83-jähriger Mann den Tod, der nach Angaben der Polizei die Gleise querte und dann von einem durchfahrenden Güterzug erfasst wurde. Die Rettungskräfte waren nach der Alarmierung durch die Notfallzentrale der Deutschen Bahn schnell vor Ort – für den Mann kam aber jede Hilfe zu spät.
Auch die Bundespolizei war vor Ort, die für Bahnhöfe und Gleisanlagen zuständig ist. Schnell stellte sich aufgrund von Augenzeugenberichten heraus, dass es sich nicht um einen Suizid handelt.

Augenzeugen berichten der Polizei

Die Zeugen, die das Unglück mit ansehen mussten, bestätigten die Gleisquerung durch den 83-Jährigen, nachdem die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen hatte. Nach den bisherigen Erkenntnissen wollte der Mann kurz vor 12 Uhr von der Mittelinsel aus verbotenerweise die Schienen direkt in Richtung Bahnhofsgebäude passieren. Der Zugführer eines aus Richtung Rastatt einfahrenden, mehrere hundert Meter langen Güterzugs, erkannte die gefährliche Situation. Er gab noch Signal und leitete sofort eine Notbremsung ein. Der 83-Jährige sei jedoch auf den Gleisen ins Stolpern gekommen und wurde vom Zug erfasst. Bei dem Toten handelt es sich um einen gebürtigen Bulgaren, der in Karlsruhe wohnte. Die Bahnstrecke war gesperrt worden, die Stadtbahnlinie S 81 zwischen Karlsruhe und Rheinstetten-Forchheim umgeleitet. Die Feuerwehr Ettlingen war mit 14 Leuten sowie mehreren Fahrzeugen vor Ort. Bei der Ettlinger Polizei kennt man die verbotene Abkürzung über die Gleise in Ettlingen-West, berichtet der stellvertretende Revierleiter Andreas Dreiseitel. Leider werde der direkte Weg immer wieder über die Schienen genommen, statt die nahe Unterführung zu nutzen. Das sei nun mal lebensgefährlich.

Polizei appelliert an Vernunft

Kopfschütteln auch bei der Bundespolizeiinspektion Karlsruhe. Das Queren der Gleise komme leider häufig vor. „Viele Leute sagen, sie würden doch die Fahrpläne kennen – aber die Güterzüge stehen da nicht drauf“, erklärt Sprecherin Carolin Bartelt. Man sehe den Zug je nachdem spät, je nach Windrichtung höre man ihn kaum kommen. Eine Gleisquerung koste ein Bußgeld von 25 Euro. Bei gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr, wenn also eine Notbremsung nötig wird, habe man einen Straftatbestand, der auch eine Schadenersatzklage nach sich ziehen könne. Man könne nur immer wieder an die Vernunft appellieren.