Regelrecht arbeitswütig wurde von Stadtvertretern, Lokalpolitikern und dem Ettlinger Investor Hans Bretz (Zweiter von rechts) der Abriss des Tribünengebäudes im Albgaustadion symbolträchtig in Angriff genommen. | Foto: Rainer Obert

Baugenehmigung ist erteilt

Tribünenbau-Projekt Ettlingen: „Naturschutz wurde missbraucht“

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Ein Tag der Freude für die Sportler und ein Tag der Abrechnung für die Initiatoren des Projekts Tribünen-Neubau im Ettlinger Albgaustadion war die Übergabe der Baugenehmigung durch die Stadt an Investor Hans Bretz am Montagabend. Nachdem jede Menge Querelen um Artenschutz und der Mieterstreit mit dem Bewohner der ehemaligen Platzwart-Wohnung hinter der Tribüne zu einer Hängepartie geführt hatten, sahen mehr als 100 Menschen vor Ort nun mit Freude dem anvisierten Abriss und Neubau im kommenden Jahr entgegen. 19 geschützte Mauereidechsen sind aus dem Tribünenbereich „umgesiedelt“ worden, erklärte Ettlingens Umweltkoordinator Peter Zapf. Dieser Tage wurde erstmals eine Zwergfledermaus gesichtet. Eine Spezialanfertigung werde installiert, zudem 32 Nistkästen im Stadion platziert. „Wir hatten hier ein Stuttgart 21 in klein“, befand Zapf.

Ich passe auf, was ich sage

Bekanntlich gingen und gehen Bürger gegen das Neubauprojekt vor. „Ich passe auf, was ich sage“, schickte Oberbürgermeister Johannes Arnold voraus. „Einige Wenige haben versucht, uns viele Prügel zwischen die Beine zu werfen“, erklärte er in seiner Ansprache. Das werde sich aber alles in Luft auflösen. „Der Naturschutz wurde missbraucht“, doch es habe sich eine Jetzt-erst-Recht-Einstellung etabliert. Dem schloss sich auch Investor Bretz an, der durch sein finanzielles Engagement als künftiger Namensgeber für das Stadion einen früheren Tribünenbau ermöglicht und daraus einen Steuervorteil hat. Bretz beklagte Attacken, „von anonymen Schreiben bis zu polizeilichen Vernehmungen“. Erst vor kurzem mussten er, OB Arnold, Bürgermeister Heidecker und weitere Verwaltungsmitglieder bei der Polizei aufgrund einer Anzeige aussagen. Zwischendurch habe er „fast die Lust verloren“ am Projekt, so Bretz. Doch er stehe weiter „voll dahinter“ und blickte voraus auf „ein richtig attraktives Stadion mit Tribüne – ohne Größenwahn“. Im Frühjahr soll der Neubau starten.

Tribüne wird „vorsichtig abgerissen“

Eigentlich sollte seit Mitte des Jahres die Tribüne schon in Bau sein, für die Leichtathleten eine unbefriedigende Situation, sie wichen teils nach Beiertheim ins Stadion aus. „Es wird eine Stätte der Begeisterung“, freute sich der Vorsitzende des Fördervereins „Freunde der Leichtathletik“, Olaf Sauer. Für die Sportler in Ettlingen sei es ein Meilenstein. Viele Sportler waren zum Termin am Montag gekommen, gegenüber auf der Tartanbahn trainierten die Mehrkämpfer, und unter Applaus griffen dann Stadtvertreter, Gemeinderäte und sonstige Projektbeteiligte zu Vorschlaghämmern und Bohrern, um dem Tribünenbau öffentlichkeitswirksam zu Leibe zu rücken. Seit vielen Jahren kann die Tribüne aus Sicherheitsgründen keine Besucher aufnehmen. Laut dem SSV-Ehrenvorsitzenden Werner Füger jubelten dort zuletzt in den 1980er-Jahren Zuschauer. Man werde laut Baubürgermeister Moritz Heidecker nun „vorsichtig abreißen“, um sich ja nichts zuschulden kommen zu lassen. Abklopfen, Schadstoffsanierung und dann rollen die Abrissbagger.

Mieterstreit nicht beendet

Beim Mietstreit gibt es noch keine Einigung. Der Bewohner hat bisher alle angebotenen Wohnungen abgelehnt. Es stehe ein weiterer Gerichtstermin vor der Tür. Die Stadt hoffe auf eine Einigung. Die aktuelle Forderung liege leider „weit außerhalb des Darstellbaren“. Zum rückwärtigen Gebäude werde für die Zeit des Abrisses ein fester Bauzaun errichtet, so Heidecker.