Gefährlicher Überweg: Ein Springfrosch blickt auf die Straße, die er überqueren muss, um zum Laichgewässer zu gelangen. In Rheinstetten hat die Krötenwanderung bereits begonnen - in Ettlingen fällt sie dieses Jahr vermutlich aus.
Gefährlicher Überweg: Ein Springfrosch blickt auf die Straße, die er überqueren muss, um zum Laichgewässer zu gelangen. In Rheinstetten hat die Krötenwanderung bereits begonnen - in Ettlingen fällt sie dieses Jahr vermutlich aus. | Foto: Stadt Rheinstetten

Amphibienwanderung

Früher 400, heute nur noch zwölf: Experte sieht Krötenpopulation in Ettlingen bedroht

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Wenn das Thermometer nachts mehr als fünf Grad Celsius anzeigt und es noch dazu regnet, beginnt die große Wanderung der Kröten zu den Laichgewässern, wo sich die Tiere fortpflanzen. Vielerorts werden Zäune aufgestellt, um die Amphibien vor dem Tod auf der Straße zu bewahren – so war es viele Jahre auch in Ettlingen. Doch seit einiger Zeit bleiben die Krötenbewegungen aus.

So auch in diesem Jahr. Trotz milder Temperaturen und Regen wurden auf der Hauptwanderstrecke der Amphibien auf der B3 zwischen Ettlingen und Wolfartsweier bislang nur zwei tote Frösche sowie ein lebendiges Tier entdeckt, wie der BUND-Umweltexperte Rainer Quellmalz berichtet.

Aus 400 Kröten wurden zwölf

Er sieht die Krötenpopulation bedroht. Vor 20 Jahren hätten er und weitere Ehrenamtliche pro Saison noch bis zu 400 Kröten an Amphibienzäunen aufgesammelt, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal zwölf. „Die Population ist dermaßen niedrig, dass es sich nicht lohnt, einen Amphibienzaun aufzustellen“, sagt Quellmalz.

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Ein Grund für den Rückgang seien die inzwischen weitestgehend trockenen Tümpel im Gewann Horberloch, in denen sich die Kröten traditionell fortpflanzten. Der Populationsschwund sei auch in den Kommunen rund um Ettlingen spürbar – von einem „Aussterben“ will Quellmalz aber nicht sprechen. „Es besteht immer noch die Chance, dass da im Wald welche sind“, sagt er.

Auch in Karlsbad ist Krötenpopulation geschrumpft

Dass die Krötenpopulation sich wieder erholen kann, zeigt das Beispiel der Gemeinde Karlsbad. Dort ist die Zahl der Tiere von zeitweise rund 3.000 in den vergangenen Jahren auf weniger als 100 gesunken – inzwischen liegt sie aber wieder bei 600, wie Umweltamtsleiter Klaus Rösch berichtet.

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Wanderungen haben jedoch, anders als im wärmeren Tal, in Karlsbad noch nicht richtig begonnen. „Ich weiß von einer Kröte“, sagt Rösch. Traditionell brechen die Karlsbader Amphibien immer erst Ende Februar in Richtung Laichgewässer auf, erklärt er.

Gemeinde lagert Krötenzäune

Für den Startschuss sei man vorbereitet: Die Gemeinde hat Krötenzäune gelagert. Sobald Schwarzwaldverein und BUND Beobachtungen melden, werden sie an der L622 auf Höhe der Baumschule Jansen aufgestellt. Zwei bis vier Ehrenamtliche transportierten die Tiere jeden Tag über die Straße, sagt Rösch.

Taxi bitte: Weil sie größer und stärker sind, transportieren die weiblichen Kröten die Männchen zum Paarungsort am Gewässer.
Taxi bitte: Weil sie größer und stärker sind, transportieren die weiblichen Kröten die Männchen zum Paarungsort am Gewässer.

In Rheinstetten beginnt Wanderung früher als sonst

In vollem Gange ist derweil schon die Krötenwanderung in Rheinstetten. Wegen der milden Temperaturen hat sie so früh begonnen wie nie in den vergangenen zehn Jahren. Bereits in der zweiten Januarwoche haben sich nach Angaben des Stadtbetriebs die ersten Amphibien auf den rund 2,5 Kilometer langen Weg zu ihren Laichgewässern im Naturschutzgebiet Dreispitz gemacht.

Doppelt so viele wie im Vorjahr

„Am 10. Januar ging’s los“, berichtet der stellvertretende Leiter des Stadtbetriebs, Stefan Eisenbarth. 300 Springfrösche und 50 Erdkröten haben Mitarbeiter der Stadt bislang an den Zäunen aufgegriffen, die zum Schutz der Tiere an der Hauptwanderstrecke der Tiere, der L566 zwischen Ettlingen und Mörsch, aufgestellt wurden.

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Das seien schon doppelt so viele wie 2019, als die Anzahl der wandernden Tiere überall stark zurückgegangen sei, berichtet Eisenbarth: „In Rheinstetten waren es damals 50 Prozent weniger als 2018, in Gernsbach, wo ich in der Amphibiengruppe aktiv bin, sogar 70 Prozent“.

Zäune auf beiden Straßenseiten bewahren Tiere vor dem Verkehrstod

Auf rund 500 Metern stehen die Barrieren, die die Tiere vor dem Verkehrstod bewahren sollen. Auf der Straße laufen sie Gefahr, überfahren zu werden, außerdem können sie durch den Überdruck sterben, der durch vorbeirauschende Autos entsteht. An den Zäunen sind Eimer befestigt, in die die Kröten fallen, bevor sie die Straße betreten können.

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Jeden Morgen um sieben kommt ein Mitarbeiter der Stadt, um die Behälter zu leeren und die Amphibien über die Straße zu tragen. Die Zahl der Tiere, die trotz der Zäune überfahren werden, sei „verschwindend gering“, so Eisenbarth.

Volles Haus: In den Eimern, die in Rheinstetten an den Amphibienzäunen befestigt sind, landen schon seit Wochen Kröten und Frösche.
Volles Haus: In den Eimern, die in Rheinstetten an den Amphibienzäunen befestigt sind, landen schon seit Wochen Kröten und Frösche. | Foto: Stadt Rheinstetten

Springfrösche machen den Auftakt

Bislang seien vor allem Springfrösche unterwegs gewesen, die sich schon ab sechs Grad Celsius hinauswagten, erklärt Eisenbarth. Mit dem Ansturm der Erdkröten rechnet er erst in zwei bis drei Wochen. Sie bevorzugten Nachttemperaturen um die zehn Grad.

Eisenbarth schätzt, dass dieses Jahr insgesamt rund 2.000 Tiere zu den Laichgewässern aufbrechen und nach der Paarung in ihre Sommerquartiere im Wald zurückkehren werden. Auch beim Rückweg unterstützt die Stadt die Amphibien: Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, wurden auf beiden Seiten der Landstraße Zäune aufgebaut – einer für den Hinweg, einer für die Rückkehr.