Haben schon bessere Zeiten gesehen: Michael Gißler vom Fußballverein (hinten) und Dominik Hauck sowie Felicitas Schuder vom Turnverein Malsch.
Haben schon bessere Zeiten gesehen: Michael Gißler vom Fußballverein (hinten) und Dominik Hauck sowie Felicitas Schuder vom Turnverein Malsch. | Foto: Trauden

Einnahmen brechen weg

Malscher Vereine in der Corona-Krise: „Eigentlich müsste ich den Schlüssel umdrehen“

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Veranstaltungen fallen aus, Pachteinnahmen sinken. Gleichzeitig verursachen der eingeschränkte Trainingsbetrieb und die Unterhaltung der Liegenschaften weiter Kosten. Einige Malscher Vereine trifft die Corona-Krise hart. Sie ärgern sich, dass der Gemeinderat einen Antrag auf Anpassung der Vereinsförderrichtlinien abgelehnt hat.

Hätte Michael Gißler gewusst, dass Corona kommt, hätte er mit der Anschaffung des neuen Rasenmähers für 40.000 Euro vermutlich noch gewartet. Oder mit der Platzsanierung für 12.000 Euro, für die noch an dem Tag, an dem die Ausgangsbeschränkungen verkündet wurden, 100 Tonnen Sand in die Erde eingebracht wurden. Aber rechnen konnte damit niemand, und so stehen Gißler und sein FV Malsch wie andere Vereine im Ort gerade vor großen finanziellen Problemen.

Veranstaltungen waren Haupteinnahmequelle

Sportfeste und andere Veranstaltungen, die Geld in die Kassen gespült haben, fallen aus. Pachteinnahmen – beim FV Malsch durch das Clubhaus am Fußballplatz – sinken. Auch das Geld, das der Fußballverein sonst durch die Vermietung seiner Halle, etwa für Boxveranstaltungen oder eine Mallorca-Party, bekommen hat, bleibt.

Wir haben dieses Jahr keine größeren Investitionen getätigt – zum Glück.

Dominic Hauck, TV Malsch

20.000 Euro fehlen dem Verein voraussichtlich am Jahresende, um etwa die Kosten für die Liegenschaften zu decken, schätzt Gißler. Wenn jetzt auch noch das Oktoberfest des Vereins ausfalle, wisse er nicht mehr weiter: „Betriebswirtschaftlich gesehen, müsste ich dann den Schlüssel umdrehen.“

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Nicht ganz so düster sind die Aussichten beim Malscher Turnverein. „Wir haben dieses Jahr keine größeren Investitionen getätigt – zum Glück“, sagt Präsidiumsmitglied Dominik Hauck. Dennoch rechnet er mit Verlusten von 10.000 Euro zum Jahresende.

Mietzahlungen wurden ausgesetzt

2020 werde man noch überstehen – wenn 2021 aber wieder die Mietkosten für die drei Hallen dazukommen, in der etwa die Handballer und Tischtennis-Spieler trainieren, wird’s eng. Derzeit sind die Mietzahlungen ausgesetzt, weil Sport in der Halle nicht möglich ist.

Auch wenn Indoor-Aktivitäten ab 2. Juni wieder erlaubt sind, müsse Kontaktsport wie Handball weiter ausfallen, erklärt Felicitas Schuder, ebenfalls Mitglied im Vereinspräsidium des TV Malsch. Derzeit trainierten draußen nur die Aerobic-Gruppe und die Kunstturner.

Freie Wähler wollten Anpassung der Vereinsförderrichtlinien

Ärger bereitet den Vereinsvertretern die Ablehnung eines Antrags der Freien Wähler zur Änderung der Vereinsförderrichtlinien im Gemeinderat. Kurz gefasst sollte dadurch eine fairere Mittelverteilung erreicht werden. „Ein Musikverein hat andere Bedürfnisse als ein Sportverein“, erklärt Michael Gißler.

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Bei dem einen verursache die Beschaffung von Instrumenten und die Bezahlung von Dirigenten die größten Kosten, bei anderen seien es die Instandhaltung und Pflege von Plätzen und Liegenschaften. Zudem überlasse die Gemeinde einigen Vereinen ihre Hallen kostenlos, andere müssten Miete zahlen.

Workshops und Umfrage unter Vereinsvertretern

Mit einer Umfrage unter den Vorsitzenden von 30 Vereinen in Malsch (sie vertreten rund 5.600 Mitglieder) sowie zwei Workshops hatten die Freien Wähler versucht, herauszufinden, wo der Schuh drückt – schließlich gibt es nicht erst seit Corona finanzielle Engpässe.

Keine Förderung „mit der Gießkanne“

Im Prinzip kamen sie zum selben Ergebnis wie der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung: Eine Förderung „nach dem Gießkannenprinzip“, bei der zum Beispiel nur pauschal die Summe der Jugendförderung verdoppelt werde, sei nicht die ideale Lösung. 2019 hatte man dies bereits einmal getan und dafür die Förderrichtlinien angepasst.

Es ist die Schlussfolgerung einiger Räte aus dieser Erkenntnis, die die Vereinsvertreter sauer macht. In Corona-Zeiten sollten mit Soforthilfe nur die gefördert werden, die wirklich existenzbedroht sind. Für Förderrichtlinien bleibe später Zeit.

Schöner Wohnen wird es bei uns nicht geben.

Thomas Kastner, Fraktionsvorsitzender CDU

Ein Satz von CDU-Fraktionschef Thomas Kastner stört sie besonders: „Wir müssen verantwortungsvoll mit Steuermitteln umgehen. Schöner Wohnen wird es bei uns nicht geben.“ Solche Aussagen zeigten, welchen Stellenwert Vereine tatsächlich für die Räte hätten, meint Gißler. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass der Antrag so abgeschmettert wird“, sagt Dominik Hauck.