Der Tod eines Mäusebussards hatte in Ettlingen ein gerichtliches Nachspiel. Unser Symbolbnild zeigt einen Greifvogel auf einem abgestorbenen Baum. | Foto: Patrick Pleul/dpa

Strafe für Tod von Greifvogel

Verstoß gegen Naturschutz: Bussard in einer Lebendfalle

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Wegen Verstoßes gegen das Naturschutz – Gesetz  verurteilte Richter Jörg Schlachter am Dienstag ein Vorstandsmitglied des Brieftaubenvereins Heimatliebe 01795 Ettlingen zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen à 50 Euro. Der erfolgreiche Brieftaubenzüchter, bekannt für seine schnellen Tauben, die hunderte von Kilometern in wenigen Stunden zurücklegen können, soll hauptverantwortlich für den Tod eines Mäusebussards in einer gesetzwidrig aufgestellten großen Lebendfalle sein.

Gericht verhängt hohe Geldstrafe

Diese Falle stand im November 2016 auf dem Areal des Vereins im Fichtenweg in Ettlingen-West. Wahrscheinlicher Grund: Man ärgerte sich nach Auffassung der Anklage über Greifvögel, die von Zeit zu Zeit in den wertvollen Brieftaubenbeständen seiner Vereins „wilderten“.

Greifvögel wilderten in Brieftaubenbeständen

Kommissar Zufall führte zu der Falle: Eine Mitarbeiterin einer städtischen Arbeitstruppe, die an einem Novembermorgen auf dem in der Nähe befindlichen Spielplatz arbeitete, schlug sich wegen eines dringenden Bedürfnisses in die Büsche. Dabei entdeckte sie die Falle, in der ein Mäusebussard gefangen war.

Der Einsatz von Lebendfallen ohne behördliche Genehmigung ist ein Verstoß gegen das Naturschutz – Gesetz | Foto: dpa

 

Vogel mit toter Taube angelockt

Der Greifvogel war von einer toten Taube angelockt worden, die in der Falle als Köder lag. Die Frau rief andere städtische Mitarbeiter hinzu, um auf die Lage des Vogels, der unverletzt in der Falle saß, aufmerksam zu manchen. Der Leiter der Arbeitsgruppe machte den Angeklagten, der sich gerade auf dem Vereinsgelände befand, darauf aufmerksam, dass er – wenn er den Vogel nicht fliegen lasse – schwer gegen das Naturschutzgesetz verstoße.

Schwerer Verstoß gegen Naturschutz – Gesetz

Mäusebussarde seien streng geschützte Vogelarten. Er bot dem Mitglied des Vereinsvorstands sogar an, den Vogel an eine andere Stelle zu fahren, um ihn dort auszusetzen. Der Angeklagte zeigte sich nicht bereit, den Vogel wieder fliegen zu lassen und beschied dem Leiter der Arbeitsgruppe, so die Zeugenaussage, dies sei seine Sache. Der städtische Mitarbeiter reagierte in Minutenschnelle und erstattete beim Veterinäramt telefonisch Anzeige gegen den Mann und erläuterte die aktuelle Situation auf dem Vereinsgelände. Tierärztin Kerstin Hämmerle beschrieb dem Gericht in Ettlingen, wie überrascht der Angeklagte gewesen sei, als sie 30 Minuten später im Fichtenweg auftauchte und dort von ihm die Herausgabe der Lebendfalle samt Vogel verlangte. „Was ist mit dem Vogel?“, habe sie gefragt.

Angeklagter streitet ab, Falle aufgestellt haben

Der Angesprochene habe zunächst abgestritten, den Vogel gefangen zu haben. Er wollte die Veterinärin mit den Worten abwimmeln, Falle und Vogel seien nicht mehr da. Nachdem die Veterinärin den Verdacht äußerte, der zwischendurch auf das Vereinsgelände gekommene Sohn des Vorstandsmitglieds habe bei dem Verschwinden des Vogels eine Rolle gespielt, habe der Angeklagte eine Kehrtwende vollzogen.

„Ich nehme alles auf mich“

„Ich nehme alles auf mich, ich war es“, habe er gesagt. In einem kleinen Schuppen sei die Falle gefunden worden. Der Greifvogel war bereits tot. Die Veterinärin und die hinzugezogene Polizei vermuteten, das Tier sei mit einer Schaufel, die im Schuppen stand, erschlagen worden. Tierpathologin Birte Strobel, die als Gutachterin hinzugezogen war, kam zu einem anderen Ergebnis: Das Tier war mit drei Kugeln aus einem Luftgewehr erschossen worden. Von wem, förderte die Beweisaufnahme nicht zutage.
Darauf bauten Anwalt Christian Pfeifer und Assessorin Nathalie Dittrich von der Kanzlei Reiss, Karlsruhe, ihre Verteidigung auf. Niemand könne beweisen, wer die Falle aufgestellt habe, noch könne jemand konkret sagen, wer den Vogel getötet habe. Es gelte also der Satz „Im Zweifel für den Angeklagten“ und somit sei der Mann freizusprechen.

Mäusebussard mit drei Luftgewehr – Kugeln getötet

Ganz anders hatte es zuvor Staatsanwältin Kirsten Goetze gesehen. Der Angeklagte habe zum maßgeblichen Zeitpunkt die Tatherrschaft über das Geschehen gehabt und habe verhindert, dass der Vogel freigelassen worden sei. Sie habe nicht den Verdacht, dass er der Schütze war. Gleichwohl sei sein Handeln kausal für den Tod des Vogels. Der Auffassung der Staatsanwältin schloss sich Jörg Schlachter an.

Angeklagter wollte Vogel nicht aus Falle lassen

Der Angeklagte habe trotz des Drängens der städtischen Arbeiter das Tier nicht befreit, womit er maßgeblich verantwortlich für den Tod des Mäusebussards gewesen sei und damit gegen das Naturschutz – Gesetz verstoßen habe. Gegen das ergangene Urteil kann Berufung vor dem Landgericht und Revision vor dem Oberlandesgericht eingelegt werden.