Zurück in die Kita geht es am Montag für einige Kinder in Ettlingen und Umgebung. So unbeschwert wie noch vor Corona-Zeiten werden sie sich dort aber angesichts der neuen Abstands- und Hygieneregeln nicht bewegen können.
Zurück in die Kita geht es am Montag für einige Kinder in Ettlingen und Umgebung. So unbeschwert wie noch vor Corona-Zeiten werden sie sich dort aber angesichts der neuen Abstands- und Hygieneregeln nicht bewegen können. | Foto: Werner Bentz

Mehr Eltern haben Anspruch

Viele Anmeldungen für erweiterte Notbetreuung in Ettlingen und dem Umkreis

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Die Zahl der Kinder, die das Angebot der Notbetreuung nutzen, wird sich in Ettlingen und dem Umkreis ab Montag deutlich erhöhen. In den Kitas und Schulen laufen die Vorbereitungen für den Betrieb unter besonderen Bedingungen.

Bislang wurde die Notbetreuung in Ettlingen und den umliegenden Kommunen nicht übermäßig stark genutzt – ab Montag, 27. April, wird sich das ändern. Dann haben nicht mehr nur Eltern aus systemrelevanten Berufen Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder, sondern alle, denen der Arbeitgeber bestätigt, dass sie unabkömmlich am Arbeitsplatz (nicht im Homeoffice) sind. Zudem sollen künftig nicht mehr nur Kinder vom Vorschulalter bis Klasse sechs davon profitieren, sondern auch Siebtklässler.

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Fieber messen bei der Ankunft

In Ettlingen erhöht sich dadurch allein die Zahl der Schulkinder in der Notbetreuung von aktuell 56 auf 80 (Stand: Freitagnachmittag). Silke Benkert, die die Schulkindbetreuung organisiert, rechnet aber mit einem weiteren Anstieg übers Wochenende. 50 Mitarbeiter seien für die Betreuung eingeplant, „das reicht derzeit noch sehr gut“. Theoretisch seien zwölf Kinder pro Gruppe erlaubt, Benkert hält bei den Raumkapazitäten aber acht für realistisch.

Jeden Morgen werde geprüft, ob die Kinder gesund sind, etwa mit einem „Abstandsthermometer“ zum Fiebermessen. „Wir haben auch schon Kinder abgewiesen, weil sie Schnupfen hatten.“ In den Ettlinger Kindergärten und der Tagespflege werden laut Stadt derzeit 54 Kinder betreut. Auch in diesem Bereich rechnet man mit einem deutlichen Anstieg.

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Kapazitätsgrenzen beim Personal

Auf die Kapazitätsgrenzen bei der Betreuung verweist Christian Siebje, Sprecher der Stadt Bad Herrenalb. Die Grenze für die Notbetreuung liegt in Kindergärten bei 50 Prozent der regulär verfügbaren Betreuungsplätze. Bei einem Kindergarten mit 200 Plätzen wären das also 100.

Aktuell würden in Bad Herrenalb 20 Kindergartenkinder notbetreut, so Siebje. Bis Freitagmittag war nur eine weitere Anmeldung eingegangen, Siebje rechnet aber damit, dass weitere hinzukommen. Theoretisch wäre eine Aufstockung auf 60 Kinder möglich. „Das wäre dann aber, was das Personal betrifft, die Obergrenze.“

Ich gehe von einer deutlichen Nachfragesteigerung aus.

Benedikt Kleiner, Hauptamtsleiter in Karlsbad

In Karlsbad wird sich die Zahl der Kindergartenkinder in der Notbetreuung durch die Neureglung von derzeit zehn auf 28 erhöhen, erklärt Hauptamtsleiter Benedikt Kleiner. Auch er sieht eine „deutliche Nachfragesteigerung“ voraus, sodass sich die Gesamtzahl am Ende wohl „irgendwo zwischen 50 und 110“ bewegen werde.

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Die Hälfte der Plätze im Regelbetrieb darf belegt werden

In Malsch sind nach Angaben der Gemeinde bisher 14 Kindergarten- und Schulkinder in der Notbetreuung, nach den neuen Auflagen erhöht sich die Zahl auf 79 (Stand: Freitagmorgen). In Rheinstetten beläuft sich die Zahl aktuell auf 20 bis 30 Kindergartenkinder, maximal könne man 400 aufnehmen, so Oberbürgermeister Sebastian Schrempp. „Allerdings ist das Erreichen dieser Zahl aufgrund der strikten Vorgaben unwahrscheinlich.“

In Marxzell lagen am Freitag 31 Neuanmeldungen für die Notbetreuung von Schul- und Kindergartenkindern vor. Bislang sind laut Gemeinde täglich zwei bis acht Kinder notbetreut worden.

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Abstandsregeln sind schwer einzuhalten

Kita-Leiterin Kristina Schätzle aus Ettlingen bereitet die erweiterte Notbetreuung auch ein bisschen Bauchschmerzen: Mit Kindern im Alter zwischen eins und sechs die Abstandsregeln einzuhalten, sei schwierig: „Ich kann ja zum Beispiel kein Kind, das hingefallen ist und weint, einfach da liegen lassen.“

Im Kindergarten St. Ursula Rheinstetten wird nach Angaben der Leiterin künftig eine Erzieherin mit den Kindern ins Bad geschickt, um zu schauen, ob die Hygiene eingehalten wird. Für den Besuch im Hof gibt es einen Schichtplan. Von den zwölf Mitarbeitern, die regulär im Einsatz seien, könnten nur sieben in der Notbetreuung arbeiten. Der Rest zähle zur Corona-Risikogruppe oder lebe mit jemandem zusammen, der zur Risikogruppe zählt.