Wie badete man früher, wie badet man heute? Das zeigt eine neue Ausstellung im Ettlinger Schloss. | Foto: Bentz

Vom Plumpsklo zum Luxusbad

Badekultur einst und jetzt im Ettlinger Schloss

Anzeige

Mit der Badekultur einst und jetzt beschäftigt sich eine neue Sonderschau im Ettlinger Schloss. Sie wird am kommenden Sonntag um 16 Uhr im Rittersaal eröffnet. Nach der Vernissage kann man einen Rundgang machen und auf Entdeckungsreise gehen.

Hätten Sie‘s gewusst? Die guten alten Römer kannten keine Seife. Sie reinigten sich mit Öl, Bimssteinen und toniger Erde. Erst bei den Galliern lernten sie eine fetthaltige Paste (sapo) kennen, die man als Vorläufer unserer heutigen Seifen bezeichnen könnte. Dass das so war, zeigt eine neue stadt- und sozialgeschichtliche Ausstellung im Ettlinger Museum..

Von den Römern bis in die Gegenwart

Der Bogen, den Museumschefin  Daniela  Maier und ihre Mitarbeiter  spannen, reicht von den erwähnten Römern über das Mittelalter, die Barockzeit und das 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Kenntnisreich und mit viel Liebe zum Detail wurde eine Sonderschau aufgebaut, die nicht nur Informationen (über die Alb, die Wasserversorgung, die Kanalisation) liefert, sondern auch dazu einlädt, aktiv zu werden. Schon mal in einer Zinnwanne gelegen, auf einem Plumpsklo gesessen oder in einen historischen Bademantel geschlüpft? Alles möglich.

Rekonstruktion von römischer Therme

Stolz ist Maier auf die Rekonstruktion des römischen Bades, das sich unter der Martinskirche befand. Mit fachlicher Unterstützung durch einen Archäologen wurde ein Modell im Maßstab 1:25 geschaffen, das gleich am Eingang der Ausstellung steht. „Wir wissen nicht, ob die römische Therme einst genau so aussah, gehen aber davon aus, der Wahrheit ziemlich nahezukommen“, sagt die Museumsleiterin.

Wie war die Entwicklung in Ettlingen?

Die allgemeine Geschichte der Badekultur  und der Körperhygiene verbindet Maier mit einem Blick auf die lokale Entwicklung. Etwa, wenn sie einen Satz des Ettlinger Arztes P. J. Schneider von 1818 zitiert. Der schrieb: „Die Reinlichkeit des Menschen ist wahrlich nicht das Geringste, was in jeder Stadt zu wünschen wäre.“ Damit machte sich Schneider für öffentliche Badeanstalten stark, die in Ettlingen aber noch einige Jahre auf sich warten ließen.

Das bahamabeige Bad der 1970er Jahre

„Aha-Effekte“ dürfte bei so manchen Besuchern der Teil der Präsentation hervorrufen, der die jüngere Vergangenheit beleuchtet, wenn sich etwa bahamabeiges Baddesign und knalliges orange der 1970er Jahre treffen. Unterstützung erhielt das Museum hier von der Firma Hans Grohe in Schiltach, die ihr Werksmuseum öffnete und Objekte der neueren (Bade)Zeit beisteuerte. Und auch die Wellnessoasen der Gegenwart, in denen an nichts gespart ist, sind Thema. Winfried Rebel aus Ettlingen zeigt, was alles im häuslichen Bad 2018 denkbar und machbar ist.

Zu Wasser kann man diese Enten nicht lassen. aber ein Spiel mit ihnen an der Wand im Museum machen. | Foto: Bentz

Spiele und Bastelangebote

Nicht fehlen dürfen Angebote für junge Leute und Junggebliebene. In einer Spiel- und Badewelt können sie Entenrennen an der Magnetwand veranstalten, Objekte fürs Baderzimmer basteln oder sich einen Duschkopf, der die unterschiedlichsten Geräusche produziert, ans Ohr halten. Das Ganze bis Januar 2020.

„Sauber? Kulturgeschichte des Badens in Ettlingen“, montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr. Führungen nach Absprache unter (0 72 43) 10 12 73. Internet: www.museum-ettlingen.de.