Unfallstelle
Trauriger Höhepunkt: Beim Unfall am 27. Juni 2018 starb auf der A5 in diesem Reisebus eine 30-jährige Frau. (Archivfoto) | Foto: Uli Deck

Rastatt/Karlsruhe

Unfallstatistik der A5-Baustelle: drei Tote und über 100 Verletzte

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Die Bilder vom 27. Juni 2018 auf der A5 bei Ettlingen sind schrecklich: Wegen der Baustelle zwischen Rastatt und Karlsruhe muss ein Müllfahrzeug bremsen, ein Reisebus fährt auf. Die Frontseite des Busses wird komplett zerstört, eine 30-jährige Frau stirbt.

Zwei Schwerverletzte werden mit dem Hubschrauber in Kliniken nach Karlsruhe und Pforzheim geflogen. 29 leicht verletzte Personen müssen ins Krankenhaus. Die Rettungskräfte sind mit drei Hubschraubern und 30 Fahrzeugen im Einsatz. Die stundenlange Vollsperrung in Richtung Süden löst zudem ein Verkehrschaos in der Region aus.

Auch am vergangenen Donnerstagnachmittag musste ein Mann von der Feuerwehr aus seinem Fahrzeug befreit werden, nachdem er bei Rastatt-Nord am Stauende auf einen Lkw aufgefahren war. Jetzt sollen die Arbeiten am Samstag beendet werden.

Drei Tote und über 100 Verletzte laut vorläufiger Unfallstatistik

Das Polizeipräsidium Karlsruhe hat auf Anfrage der Badischen Neuesten Nachrichten eine vorläufige Unfallstatistik der Baustelle erstellt. Bis etwa Mitte Oktober haben sich dort 124 Verkehrsunfälle ereignet. Bei einer Dauer von rund 150 Tagen – und den noch ausstehenden Zahlen – ist das im Durchschnitt nahezu ein Vorfall täglich.

Seit Beginn der Bauarbeiten Mitte Juni sind nach Angaben der Polizei drei Menschen gestorben, 15 Personen wurden schwer und 92 leicht verletzt. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf fast 2,4 Millionen Euro – die volkswirtschaftlichen Einbußen durch Staus nicht einberechnet.

Die tödlichen Unfälle sind natürlich bedauerlich

Dennoch sagte Hauptkommissar Wolfgang Ott den BNN: „Die Polizei ist ganz zufrieden mit dem Verlauf der Baustellen in diesem und im vergangenen Jahr.“ Ott ist im Präsidium Karlsruhe zuständig für die Autobahnen in der Region. „Die tödlichen Unfälle sind natürlich bedauerlich. Aber wenn Menschen trotz Stauwarnungen nahezu ungebremst auf ein Stauende auffahren, dann steht hier das menschliche Versagen im Vordergrund. Die Staus hätten auch andere Ursachen haben können“, erläuterte der Hauptkommissar.

ADAC-Experte beklagt Unachtsamkeit

Unterstützung bekommt er von Thomas Hätty, Leiter Verkehr und Technik des ADAC Nordbaden, der nach eigenen Angaben zwischen Baden-Baden und Karlsruhe pendelt und somit persönlich betroffen ist. Das Baustellenmanagement sei 2018 wesentlich besser gewesen als im Vorjahr, sagte er.

Die Häufigkeit der Unfälle führte Hätty auf den Faktor Mensch zurück: „Oftmals wurde in der Baustelle nicht die vorgegebene Geschwindigkeit eingehalten. Insbesondere die Lkw-Fahrer hielten zudem nicht den gebotenen Abstand und versuchten, bis kurz vor der Baustelle noch zu überholen. Wenn sie dann wieder auf die rechte Spur eingliedern wollten, kamen sie zum Stehen und verursachten Stau.“

Baustellenverlauf wurde nachträglich korrigiert

Wie Hauptkommissar Ott erklärte, sei der Fahrbahnverlauf während der Arbeiten nachträglich verbessert worden: „Im Bereich der Anschlussstelle Karlsruhe-Süd in Richtung Norden haben sich in diesem Jahr zu Beginn der Baustelle besonders viele Unfälle ereignet. Da haben die Autofahrer nicht verstanden, was sie machen sollen. Nachdem die Fahrbahn anders markiert wurde, sind die Unfälle deutlich zurückgegangen.“

Die Bauzeit von ziemlich genau fünf Monaten sei für ein Projekt dieser Größenordnung die kürzeste gewesen, die er in den zwölf Jahren, die er bei der Polizei für Autobahnen zuständig ist, erlebt habe, sagte Ott.

Eine deutlich negativere Sprache sprechen die Kommentare unter einem Facebook-Beitrag der BNN zum Ende der Arbeiten: Äußerungen wie „Endlich“, „Bald ist es (für ’ne Weile) vorbei“ oder „Gott sei Dank“ sind in dem sozialen Netzwerk zu lesen. Eine Nutzerin schrieb, in Bezug auf die Unfälle sei die Baustelle in diesem Jahr „wirklich verheerend“ gewesen.

Natürlich könne er den Unmut der Autofahrer angesichts der vielen Staus verstehen, räumte Ott ein, aber diese Arbeiten seien notwendig gewesen. Er verwies zudem auf die hohe Frequentierung der A5 an dieser Stelle: Täglich seien rund 105.000 Fahrzeuge zwischen der Anschlussstelle Karlsruhe-Süd und Rastatt unterwegs.

Mehr als 280 Unfälle bei Arbeiten 2017 und 2018

Auch das für die Baustelle verantwortliche Regierungspräsidium Karlsruhe hatte sich zuvor zufrieden mit den Sanierungen in diesem und im vergangenen Jahr gezeigt. 2017 war zwischen Mai und November die Fahrbahn zwischen Rastatt und Karlsruhe in Richtung Norden erneuert worden, nun im selben Bereich die Spur gen Süden.

Die Statistik von 2017 und die vorläufigen Zahlen für dieses Jahr zusammengerechnet, haben sich während der Erneuerung dieses Streckenabschnitts 283 Verkehrsunfälle ereignet. Insgesamt starben vier Menschen. Zudem wurden 29 Personen schwer und 164 leicht verletzt. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf rund vier Millionen Euro.