Wachdienst am Epplesee in Rheinstetten: Benjamin Becker und Franka Friton sind noch jung, aber schon „alte Hasen“ bei der DLRG. „Wir geben immer unser Bestes und machen das einfach gern“, sagten die beiden Mitglieder der Ortsgruppe Südhardt.
Wachdienst am Epplesee in Rheinstetten: Benjamin Becker und Franka Friton sind noch jung, aber schon „alte Hasen“ bei der DLRG. „Wir machen das einfach gern“, sagten die beiden Mitglieder der Ortsgruppe Südhardt. | Foto: Philipp Kungl

Zwei von der DLRG Südhardt

Wachdienst am Epplesee: „Man braucht ein verdammt gutes Auge“

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Ob ins Freibad, an den Baggersee oder zum nächsten Bachlauf – die Hitzewelle zieht die Menschen geradezu magisch ins kühle Nass. Klar, bei Temperaturen über 30 Grad tut Erfrischung gut. Doch der badeintensive Sommer hat auch seine Schattenseiten: Nach wie vor ist die Zahl der tödlichen Badeunfälle in Deutschland sehr hoch.

Mehr als 500 Todesfälle gab es im Jahr 2017, zudem wurden über 1.000 Lebensrettungen registriert. In diesem Jahr sind deutschlandweit bereits mehr als 280 Menschen ertrunken. Damit diese Zahlen in der Region stetig zurückgehen, übernimmt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Ortsgruppe Südhardt in den Sommermonaten den Wachdienst am Epple- und Fermasee in Rheinstetten. Wie und warum wird man zum Lebensretter? Welche Aufgaben haben die DLRG-Ehrenamtlichen? Und was erleben sie bei ihrem Wachdienst? Um das herauszufinden, trafen wir zwei junge Mitglieder der Ortsgruppe Südhardt am Epplesee.

„Alte Hasen“ bei der DLRG Südhardt

Trotz ihres jugendlichen Alters sind Benjamin Becker (19) und Franka Friton (16) schon „alte Hasen“ bei der DLRG. Franka ist schon dabei, seit sie vier Jahre alt ist, Benjamin begann im Alter von sechs mit einem Schwimmkurs. „Meist rutscht man schon über die Familie rein, wenn man als kleines Kind zum Kurs angemeldet wird“, erzählt Benjamin.

Beide blieben dabei und konnten bald in sogenannten Jugendeinsatzteams Erfahrungen im Wachdienst sammeln. „Mindestvoraussetzung ist der Rettungsschwimmpass in Silber“, berichtet Franka. Hat man diesen absolviert, so weiß man, wie man einen Menschen in Seenot aus dem Wasser zieht. Regelmäßig sind außerdem Lehrgänge und Fortbildungen zu absolvieren, um beim Wachdienst stets auf dem neuesten Stand zu sein.

Vom Hügel aus den Epplesee im Blick

Diesen absolviert die Ortsgruppe Südhardt immer samstags und sonntags an den Rheinstettener Badeseen. Zu einer Wachgruppe gehören ein Wachführer, ein Bootsführer, Sanitäter sowie „normale“ Rettungsschwimmer.

Am Epplesee überblicken sie in exponierter Lage vom Hügel herab mit Ferngläsern den Badebetrieb. Klingt einfach? Ist es aber nicht! „Um zu sehen, ob wirklich jemand in Seenot ist, braucht man viel Erfahrung und ein verdammt gutes Auge“, sagt Benjamin. Beim Rückenschwimmen etwa könne es schnell aussehen, als winke jemand um Hilfe. Zum Blick von oben kommen regelmäßige Kontrollgänge am Ufer und Ausfahrten mit dem Boot.

Die Probleme der Badegäste…

Als Wachdienst am Epplesee ist man auch Anlaufstelle für jede Menge anderer Probleme. „Täglich kommen Leute mit kleinen Verletzungen, um ein Pflaster zu besorgen –oder manchmal auch, um vermisste Personen zu melden“, erzählt Franka. Auch kuriose Anfragen bekommen die DLRG-Helfer hin und wieder zu hören.

„Wir wurden zum Beispiel schon gefragt, ob wir hier oben eine Mikrowelle haben, um eine Pizza aufzuwärmen“, erinnert sich Benjamin schmunzelnd. Doch egal, welches Problem die Badegäste auch hätten: Immer mit den Menschen reden und freundlich sein, laute die Devise.

Manchmal können sie nur den Kopf schütteln

An einem Baggersee wie dem Epple kann der Ernstfall schnell eintreten, denn je nach Stelle geht es steil hinab ins tiefe Wasser. Jugendliche begeben sich außerdem oft zum Bagger, um von dort verbotenerweise ins Wasser zu springen – eine gefährliche Sache.

„Das ist manchmal schon frustrierend, da wir die Leute nur auffordern können, dort wegzugehen“, beklagt Franka. Nur den Kopf schütteln, können die beiden zudem über manche Eltern, die ihre Kinder mit übergroßem Gottvertrauen am Wasser alleine lassen. „Das sind dann genau die Fälle, bei denen man weiß: Hier könnte bald etwas passieren.“

Im Notfall gibt es kein Zögern

Zum Glück sind brenzlige Situationen zwar doch eher die Ausnahme, aber Vorsicht ist immer geboten: Lieber fahre man einmal zu viel mit dem Boot raus, als einmal zu wenig, sagen die zwei. Benjamin war schon bei gefährlichen Einsätzen dabei. Ein Zögern, bevor es zur Rettung geht? Das kennen die DLRG-Leute nicht. „Man ist da so voll mit Adrenalin, dass man einfach nur schnell raus will, um zu helfen“, sagt er.

Gemischte Reaktionen

Die Resonanz der Badegäste auf die Retter in Rot-Gelb ist indes gemischt. So reagieren einige genervt, wenn sie ihren Liegeplatz mal eben verlassen müssen, um das DLRG-Boot durchzulassen. „Es gibt aber auch genügend Menschen, die unsere Arbeit wertschätzen und am nächsten Tag einen Erdbeerkuchen vorbeibringen, wenn wir ihnen geholfen haben“, freut sich Benjamin.

„Wir geben immer unser Bestes“

Die beiden haben sichtlich Spaß an ihrer Aufgabe und wollen sich weiterbilden, um in Zukunft auch andere Aufgaben in der Rettung zu übernehmen – diese sei nämlich „mehr als das Baywatch-Klischee vermittelt.“ Leuten helfen, mit Freunden zusammen sein und nach Feierabend in den kühlen See springen – die Kombination gefällt ihnen. „Wir geben immer unser Bestes und machen das einfach gern, besonders bei so schönem Wetter“, sagen die beiden einstimmig.

Mehr über die DLRG-Ortsgruppe Südhardt erfahren Sie hier.

Philipp Kungl