Vorspiele im Asamsaal des Ettlinger Schlosses gibt es beim Pianowettbewerb 2020 wegen der Corona-Krise nicht. 40 junge Klavierspieler treten nur virtuell gegeneinander an.
Vorspiele im Asamsaal des Ettlinger Schlosses gibt es beim Pianowettbewerb 2020 wegen der Corona-Krise nicht. 40 junge Klavierspieler treten nur virtuell gegeneinander an. | Foto: Archiv pr

Keine Vorspiele im Asamsaal

Wegen Corona-Krise nur virtueller Pianowettbewerb in Ettlingen

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Kein Watthaldenfestival, kein Halbmarathon, kein Marktfest und jetzt ist der 17. Internationale Pianowettbewerb in Ettlingen wegen der Corona-Krise auch noch abgesagt. Allerdings nicht komplett.

Der Wettstreit an den Tasten wird, anstatt zwischen dem 8. und dem 16. August live stattzufinden, vom 7. bis 9. August virtuell über die Bühne gehen. Grund: Die derzeitige Corona-Situation macht allen Beteiligten eine Planung von Reise, Visa und Unterkünften unmöglich, auch fehlt die Erlaubnis für Großveranstaltungen.

Beim Preisträgerkonzert immer 600 Menschen

Und eine solche ist der Pianowettbewerb zweifellos. Im Asamsaal, wo die jungen Künstlerinnen und Künstler zwei Wochen lang zu öffentlichen Wertungsspielen antreten, finden mehr als 200 Menschen Platz, beim Preisträgerkonzert am Abschlusssonntag in der Stadthalle hören immer über 600 Klavierfreunde zu.

Organisator sitzt wegen Corona-Krise derzeit in Portugal fest

Frank Reich, seit vielen Jahren maßgeblich mit der Organisation betraut und derzeit im „Exil“ in Portugal, sagte den BNN telefonisch, man habe sich nach langem Überlegen für diese „kleine Lösung entschieden“.

Man wollte weder die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch die Ettlinger Wettbewerbfans zu enttäuschen. Reich, sonst in Asien als Musikprofessor engagiert, flog Anfang März von Bangkok nach Lissabon. Eigentlich um dort für den Ettlinger Wettbewerb zu werben. Corona-bedingt war dort aber für ihn Schluss. Er kam nicht mehr weg.

Also suchte er sich eine Wohnung und harrt jetzt aus, bis die quarantänefreie Einreise nach Deutschland wieder möglich ist.

Wir hatten auch wieder Bewerbungen aus Deutschland

Frank Reich, Organisator

Gemeldet hatten sich für das Klavierevent das seit 1988 im Turnus von zwei Jahren für viel Aufmerksamkeit sorgt, knapp 290 junge Klaviervirtuosen aus 33 Ländern. Die meisten aus China, gefolgt von Südkorea, Deutschland (Reich: „Das ist natürlich sehr erfreulich“), Japan und den USA.

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Jury traf eine Vorauswahl

Vor ein paar Wochen nahmen der künstlerische Leiter Wolfgang Manz, sein Vorgänger „im Amt“ Robert Benz und die langjährige Jurorin Kristin Merscher anhand eingereichter Tonaufnahmen eine Vorauswahl vor. Anders als in Vor-Corona-Zeiten kamen sie dazu nicht nach Ettlingen, sondern schlossen sich online kurz. Am Ende ließ das Trio 112 Bewerberinnen und Bewerber zu. Sie sollten im August in zwei Altersklassen um die Preise wetteifern.

Einladung an 40 Tastenkünstler zum „Online-Finale“

Daraus wird aber wegen besagter Unsicherheiten nichts, und so entschloss man sich, nur die jeweils 20 Bestplatzierten aus der Vorrunde zu einem „Online-Finale“ einzuladen. Am Dienstagabend wollte Reich die entsprechenden Benachrichtigungen per Mail rausschicken. „Ich bin wirklich gespannt auf die Reaktionen, und ob sich alle Ausgewählten auch beteiligen.“

Übertragung in den Schlosshof?

Die auf fünf statt sonst neun Personen verkleinerte Jury und das Publikum sollen die eingespielten Beiträge zeitgleich im Internet verfolgen können. Möglicherweise gebe es eine Übertragung in den Schlosshof, so Reich. Auf Sonntag, 16. August, sei das virtuelle Preisträgerkonzert terminiert, in das sich Interessierte ab 11.30 Uhr einklinken können.

Besser als den ganzen Wettbewerb abzusagen

Johannes Arnold, Rathauschef 

Oberbürgermeister Johannes Arnold (Freie Wähler) sagte auf Anfrage, die Online-Variante sei „in jedem Fall besser als den Wettbewerb ganz abzusagen“. Reichs Konzept sei tragbar, und im Frühjahr 2021 werde man dann das ohnehin geplante Konzert mit dem Sieger „größer aufziehen“ und mehrere vorn platzierte junge Künstler dazu einladen.

Lang Lang startete von Ettlingen aus seine Weltkarriere

Mit im Boot ist als Hauptsponsor nach wie vor die Sparkasse Karlsruhe. Sie beteiligt sich zur Hälfte an den Kosten, die inklusive Preisgelder dieses Mal bei zirka 40.000 Euro liegen. Wolfgang Manz, 2020 erstmals Juryvorsitzender, ließ wissen, das Publikum dürfe sich im Netz auf eine „hohe Qualität“ bei den Vorspielen freuen. „Wir haben hervorragende junge Leute dabei.“

Ihm sei wichtig, dass der bekannte Nachwuchs-Klavierwettbewerb nicht ausfalle, das sei sonst ein „großer Imageschaden“. Der Pianowettbewerb hat einen großen Sohn: den Chinesen Lang Lang. Er gewann 1994 – der Anfang einer beispiellosen Karriere am Klavier.