d | Foto: Rainer Obert

Kaum bekannte Vitalstoffbombe

Wer kennt die in der Region wachsenden Maulbeeren?

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„Was sind das für Früchte? Mein Kind hat so eine gegessen – muss ich jetzt mit ihm zum Arzt?“ Wie viele Menschen weiß die Mutter nicht, was sie da überhaupt vor sich hat: Es sind Maulbeerbäume, die hier am Albwanderweg bei der Scheffelstraße stehen und längliche, brombeerähnlich aussehende Früchte abwerfen. Und die haben in der Region teils eine lange Tradition.

Saftige Früchte mit viel Vitamin E und C

Maulbeeren gehören wie Feigen zur Familie der Maulbeergewächse. Vergiftungsgefahr besteht also nicht – im Gegenteil. Die süßen, saftigen Maulbeeren haben unter anderem viel Eisen, Vitamin E und C in sich, Natrium, Kalium und B-Vitamine. In den vergangenen Jahren wurden sie als „Power-Food“ wiederentdeckt. Sie sind jedoch so empfindlich, dass sie sich nicht wirklich zum Transport eignen und so findet man sie

Maulbeeren im Garten hat Bruno Obert in Malsch-Waldprechtsweier. | Foto: pr

(frisch) nur selten im Handel. „Eine Mordssauerei“, erzählt Bruno Obert aus Waldprechtsweier von der Ernte. Der dunkelrote Saft laufe dabei die Arme runter. Sie haben einen Maulbeerbaum vor Jahrzehnten im Garten gepflanzt, der das Klima bestens vertrage und seine Frau verarbeite traditionell zu Maulbeermarmelade – und die schmecke sehr gut.

Teil der Dorfgeschichte

In Waldprechtsweier sind Maulbeeren ein Teil der Ortsgeschichte. In der Chronik „Geschichte des Dorfes Waldprechtsweier“ berichtet Paul Fütterer, dass das Dorf 1826 an Staatsrat von Sensburg zur Errichtung einer Maulbeerpflanzung für eine Seidenspinnerei Allmendgrundstücke verkaufen wollte. Durch diese könne manch armer Bürger doch sein Brot verdienen und dazu noch eine neue Nahrungsquelle eröffnet werden. Dazu muss man wissen, dass der aus China stammende weiße Maulbeerbaum Grundlage der Seidenproduktion ist. Großflächiger Anbau erfolgte unter Friedrich dem Großen schon im 18. Jahrhundert – das damals noch rauere Klima machte jedoch zu Schaffen. Weitere Vertreter in Deutschland sind heute die Rote Maulbeere aus Nordamerika und Schwarze Maulbeere aus Persien. Nachdem in Waldprechtsweier von Sensburg doch vom Vorhaben abgesehen hatte, trat Tuchfabrikant Brenneisen an seine Stelle. Er pflanzte 192 Maulbeerbäume – doch stellte sich bis 1833 kein Ertrag ein. Das Projekt Seidenraupenzucht scheiterte letztlich, Brenneisen verkaufte seine Tuchfabrik. Einen Maulbeerbaum im öffentlichen Raum findet sich in Waldprechtsweier etwa noch bei der Waldenfelshalle.