Mit Spenden soll der Ankauf einer wertvollen Reproduktion des Gebetbuchs von Bad Herrenalb aus dem Jahr 1484 finanziert werden. | Foto: Glaser

Kauf kostbarer Reproduktion

Wer zahlt fürs Herrenalber Gebetbuch?

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Von  Dietmar Glaser
Eine originalgetreue Kopie  vom   Herrenalber Gebetbuch  aus dem Jahr  1484 ist in der Schalterhalle der Sparkasse in Bad Herrenalb ausgestellt. Die Schau ist  bis zum 31. Januar 2019 verlängert, um den Kauf dieser kostbaren Reproduktion durch Spenden zu ermöglichen. Es soll im Museum von Bad Herrenalb einen dauerhaften Platz bekommen. 5 000 Euro kostet das Gebetbuch. 3 100 Euro hat  Initiatorin Sabine Zoller bereits zusammen.

Spanischer Verlag erstellt Kopie

Der Verlag Millennium Liber aus Spanien hat  eine  Kopie  von dem  Gebetbuch hergestellt. Verleger Alberto Sánchez Nieto erklärt, wie es dazu kam. Sein Verlag habe das Ziel, sehr seltene historische Bücher, die in Tresoren von Bibliotheken schlummern, vor dem Vergessen zu bewahren. Zu diesem Zweck nimmt er Kontakt mit den Eigentümern auf. Er erwirbt die Kopierrechte und stellt mittels eines fotografischen Verfahrens Faksimile-Ausgaben her. Dabei lege er größten Wert auf eine originalgetreue Wiedergabe. Die  Käufer  sind  meist Museen, Universitäten und Bibliotheken. Sie sollen damit wissenschaftlich arbeiten können.

Ich war elektrisiert

Auf der Suche nach interessanten Büchern stieß Sánchez Nieto in  der Staatsbibliothek  Berlin auf das Gebetbuch. „Als man mir das Buch zeigte, war ich elektrisiert. Die Miniaturen waren komplett anders als alles, was ich bisher in die Finger bekam“. Im Gebetbuch sind neben lateinischen Texten auch 30 ganzseitige handgemalte Abbildungen, die Miniaturen genannt werden.  Die Illustrationen seien sehr emotional, tiefgründig und ernst. Er erwarb die Kopierrechte und fertigte in drei Jahren Arbeit 985 Exemplare an.

Farben und Gold als Herausforderung

Besondere Herausforderungen waren die Farben und das Gold. Nachdem ein Papier gefunden war, das sich so anfühlte und verhielt wie das Pergament  des Originals,  machte er  Probedrucke. Die verglich er  mit dem Original. Bereiche, die mit Blattgold belegt sind, wurden ausgespart. Das Gold  legte er zuletzt mit einem Stempelverfahren auf. Nur perfekt gelungene Seiten band man  in Leder. Anders als beim Original ziert ein Relief aus Kupfer den vorderen Buchdeckel. Es ist eine Hommage an den Kupferstecher Schongauer. Seine Werke dienten  als Vorlage für die Miniaturen im Herrenalber Gebetbuch.

Auszeichnung des spanischen Kultusministeriums

„Das Buch hat Furore gemacht“, sagt Nieto. Es bekam eine Auszeichnung des spanischen Kulturministeriums als eine der besten jemals hergestellten Faksimile-Editionen. Neben Museen, Universitäten und Bibliotheken zeigen auch viele Sammler Interesse, darunter Geistliche, Ärzte und Anwälte.

 Spendenkonto: Museum Bad Herrenalb, Sparkasse Pforzheim Calw, IBAN DE83 6665 0085 0004 7776 03, Stichwort „Herrenalber Gebetbuch“. In der Herrenalber Sparkasse gibt es Überweisungsträger und auch eine Spendenbox.