Die meterhohe Palme in einem Kleingarten bestaunt Roland Duft, Vorsitzender der Gartenfreunde Forchheim. An ihren Anblick im Freien wird man sich so nach und nach gewöhnen.
Die meterhohe Palme in einem Kleingarten bestaunt Roland Duft, Vorsitzender der Gartenfreunde Forchheim. An ihren Anblick im Freien wird man sich so nach und nach gewöhnen. | Foto: Klaus Müller

Rheinstetten-Forchheim

Wie Kleingärtner das Thema „Klimawandel“ betrachten

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Das sieht schon etwas exotisch für einen deutschen Kleingarten aus: zwei Palmen, die sich in der Kleingartenanlage der Gartenfreunde Rheinstetten-Forchheim „pudelwohl“ fühlen dürften. Dass sie dort gut gedeihen, belegt allein schon ihre Größe.

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller

Ob die Palmen im direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen, lässt sich einfach so nicht behaupten. Aber dass sie exotisch sind und hierzulande in einem Kleingarten vor wenigen Jahren noch viel exotischer waren, sollte unbestritten sein.

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Sinkender Grundwasserspiegel als Zeichen für Veränderungen

Überhaupt, so der Eindruck vieler Vereinsmitglieder der Gartenfreunde, scheint der Klimawandel, dessen (erste) Ausläufer, in den Kleingartenanlagen angekommen zu sein. Nicht zuletzt am Wasser machen das der Vereinsvorsitzende Roland Duft und seine Mitstreiter fest. Noch vor wenigen Jahren hätte eine Brunnentiefe von 7 bis 8,50 Meter ausgereicht, um an genügend Wasser zu kommen.

Wegen der häufigen Trockenperioden – „es regnet zu wenig“ – seien inzwischen fast ein Drittel der Brunnen in dieser Tiefe versiegt. „Teilweise muss man jetzt schon runter auf bis zu 14 Meter“, sagt Duft. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren habe er das nie so erlebt, ergänzt Rudolf Micko. Immerhin: Mangel an Grundwasser besteht nach Einschätzung der Gartenfreunde nicht – aber man müsse halt entsprechend runter.

Noch fördert die Pumpe im Kleingarten von Martina Junge genügend Wasser.
Noch fördert die Pumpe im Kleingarten von Martina Junge genügend Wasser. | Foto: Klaus Müller

Positiver Effekt: Keine Hochwasserüberschwemmungen

Und doch gibt’s da einen „Vorteil“, den der Klimawandel mit sich bringt. Die rund 180 Kleingärten des Vereins liegen im Tiefgestade und am Waldrand zum (ehemaligen) Altrhein. Früher sei es im Frühjahr immer wieder vorgekommen, dass die Gärten wegen Hochwassers unter Wasser standen, erinnert sich Martina Junge. In den beiden vergangenen Jahren war das kein Thema mehr. Die Anlagen blieben „trocken“. Kurzum: Wo es heute zu wenig Wasser gab, gab’s früher bisweilen zu viel. Das freilich kann sich ganz schnell ändern, so die Befürchtungen.

Hohe Wühlmaus-Population

Viel zu warmen Perioden im März und April folge dann ein heftiger Frost. „Die Temperaturunterschiede sind nicht mehr normal. Ich sehe es doch an meinen Äpfeln. Die sind in dem Jahr frühreif und fallen einfach vom Baum“, berichtet Kleingärtner Eduard Kauder. Und dann erst der „Ärger“ mit dem „Unkraut und den Schädlingen“. Besonders Wühlmäuse suchen die Gärten heim.

Hochwasser im Frühjahr hätten vormals deren Population eingeschränkt, befindet Christian Beck. Ohne Hochwasser aber würden sich die Wühlmäuse stärker vermehren. „Die schädigen die Wurzeln der Obstbäume“, so Duft. „Die Bäume gehen kaputt.“

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Gärten müssen gärtnerisch genutzt werden

Irgendwie scheint die Kleingärtnerwelt aus den Fugen zu geraten. „Einigermaßen exakt planen kann man nichts mehr. Das Wetter ist unberechenbar geworden“, bilanzieren Tobias Schröder und Martina Junge. Sie beziehen das vor allem auf die Hitzeperioden. Die bekommen laut Imker Beck auch die Bienen zu spüren: Sei es zu heiß, würden die Pflanzen keinen Nektar mehr abgeben. Der Verein achte daher darauf, dass ein Drittel der Gärten gärtnerisch genutzt wird. Reine Steingärten oder Gärten mit Monokulturen gehen gar nicht. Fast überall finden sich „Bienenhotels“ für Wildbienen.

Pflanzen- und Blütenvielfalt soll Insekten anlocken. Das jedoch sei nicht jedem recht. Duft spricht in diesem Zusammenhang von „verschiedenen Mentalitäten unter den Kleingärtnern“. Ach ja – und an den Anblick von Palmen in den deutschen Kleingärten sollte man sich rechtzeitig gewöhnen.

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Über diesen Beitrag: Klimaschutz ist in der aktuellen politischen Debatte ein herausragender thematischer Schwerpunkt. Doch wie halten es die Menschen, Betriebe, Firmen, Vereine und Organisationen in der Region mit dem Klimaschutz im Alltag, in der täglichen Praxis? Heute geht es um Kleingartenanlagen und Kleingärtner.